Freundschaft – Ziemlich beste Gesundheitsvorsorge

Wer ist ein Freund*? Ein treffender Spruch zu dieser Frage ist: „Er kennt dich und mag dich trotzdem.“ Darin steckt nämlich der entscheidende Unterschied zur Familienbeziehung: Während die Verwandtschaft ohne unser Zutun besteht, beruht die Freundschaft auf Freiwilligkeit. Das macht sie allerdings auch fragiler. Für Menschen in der zweiten Lebenshälfte lohnt es sich besonders, eine oder mehrere gute Freundschaften zu pflegen, wie einige Studien nahelegen. Enge Ü-60-Freundschaftsbeziehungen können demnach sogar das Leben verlängern.

Schon der griechische Philosoph Aristoteles hat den Menschen als „zoon politicon“, als soziales Wesen, bezeichnet und die Rolle der Freundschaft in der Menschengemeinde hervorgehoben. Neben den Freundschaften der Lust und der Nützlichkeit, denen er keine lange Dauer zugestand, würden wir seine Freundschaft um des Wesens willen heute wohl als echte oder Herzensfreundschaft bezeichnen.

Herzensfreundschaft

Die könnte sich im Einzelnen so gestalten: Mal wieder bis in die Puppen gequatscht, das Herz ausgeschüttet, zusammen Pferde gestohlen, einen draufgemacht, wichtige Tipps gegeben, sich gemeinsam gefreut, zusammen gelitten und den Zustand der Welt bejammert. Es mag variieren, wie genau die Freundschaft gelebt wird. Ob Frauen- und Männerfreundschaft (die meisten Freundschaften sind übrigens gleichgeschlechtlich), Sandkasten-, Sport- oder Kollegen-Freundschaft, sie alle gedeihen auf dem gleichen Fundament: gegenseitiges Vertrauen, Verständnis füreinander, Wohlbefinden durch gemeinsame positive Gefühle und Selbstbewusstsein durch Anerkennung.

FreundschaftKuschel-Hormon Oxytocin

Zirka 2.300 Jahre nach Aristoteles‘ Überlegungen ist die Freundschaft auch neurologisch erforscht. In den Freunde-Gehirnen werden demnach zwei wichtige Botenstoffe übertragen: Bei einer Interaktion, in der vertrauliche Verbundenheit empfunden wird, verströmt das sogenannte „Bindungs-Hormon“ Oxytocin seine kuschelige Wirkung. Da lässt das „Zufriedenheits-Hormon“ Dopamin nicht lange auf sich warten. Schon ist das Freunde-Glück perfekt. Während Oxytocin für seine stressmindernde Wirkung bekannt ist, kann umgekehrt das Fehlen dieses Hormons beim einsamen Menschen ein Stressfaktor sein. Die Ausschüttung des Kuschel-Hormons Oxytocin wurde übrigens auch bei der Freundschaft zwischen Mensch und Hund gemessen, interessanterweise auch beim Hund; aber das ist ein anderes Thema.

Freundschaft scheint Gesundheit und langes Leben zu begünstigen. US-Studien kamen zu dem Ergebnis, dass gute freundschaftliche Beziehungen bei älteren Menschen sogar in höherem Maße gesundheitsfördernd sein können als Familienbeziehungen. Auch ein australisches Forschungsprojekt mit über 70jährigen ergab einen Zusammenhang zwischen Lebenserwartung und sozialem Netzwerk, wobei Freundschaften eine positivere Rolle spielten als Verwandtschaftsbeziehungen.

Alte und neue Freundschaften

„Echte“ Freunde, sagen die Experten, besitzt der Mensch sehr wenige, in der Regel einen bis drei. Und er braucht auch nicht mehr, denn für die segensreiche Wirkung des Freundeseins kommt es auf Qualität und nicht Menge an. Doch selbst intensive Freundschaften sind gefährdet, wenn sich zum Beispiel die Lebensumstände ändern. Eine neue Liebesbeziehung, Ehe, Kinder oder ein neuer Job verlangen mehr Zeit und Aufmerksamkeit oder verändern womöglich die persönlichen Prioritäten und Einstellungen zum Leben. Allerdings können sehr enge Freundschaften, vor allem wenn sie lange gewachsen sind, auch räumliche Distanz und Ruhephasen überdauern. So lässt sich im Alter, wenn mehr Zeit und Muße vorhanden sind, die Beziehung zu den früheren Weggefährten leichter auffrischen.

Freilich können im späteren Leben auch neue Freundschaften entstehen, z. B. beim Sport, in Kursen zur Weiterbildung oder beim Ausüben eines Ehrenamts – oft auf Augenhöhe in Sachen Bildung und Reife, Einstellungen und Werte oder schlicht, wenn die Chemie stimmt. Da man jedoch das Vorleben des Freundes nicht miterlebt hat, dient es der freundschaftlichen Sache, sich über die Erlebnisse und das Lebensgefühl der persönlichen Vergangenheit auszutauschen. Man kann zum Beispiel die Familienverhältnisse und Lebensstationen beschreiben und Fotos von früher kommentieren. Vielleicht können die Neu- Freunde sogar eine Autobiografie anbieten.

Freundschaft

Was Freundschaft ausmacht

Wenn uns Freundschaften gerade jetzt gesund und glücklich halten, tun wir gut daran, sie entsprechend zu pflegen. Dafür hält man sich idealerweise an wichtige Kriterien, die eine Freundschaft ausmachen. Und das ist oft gar nicht so einfach:

  • In Krisenzeiten für einander da sein und mit Leib und Seele helfen
  • Vertrauen schenken, indem man persönliche Gedanken offenbart
  • Vertrauen erhalten, indem man private Informationen über den Freund für sich behält
  • Kontakt halten und Bindung schaffen, doch ohne den anderen einzuengen
  • Die Balance zwischen dem Geben und Nehmen von Engagement, Energie und Zeit erhalten
  • Gleichberechtigung anstreben, Dominanz oder Unterordnung vermeiden
  • Zuhören
  • Sich in den anderen hineinversetzen und Empathie zeigen
  • Rat erteilen und Rat einholen
  • Sich gegenseitig vor Angriffen und Kritik anderer in Schutz nehmen
  • Toleranz zeigen und gewisse Diskrepanzen akzeptieren
  • Das rechte Maß zwischen offener Kritik und Diplomatie finden
  • Bei Konflikten ehrlich sein und in Ich-Botschaften sprechen, z. B. „Ich fühle mich übergangen/nicht verstanden/ausgenutzt.“
  • Für eine schöne gemeinsame Zeit sorgen: zusammen essen, lachen, entspannen, genießen.
  • Last but not least: mit sich selbst befreundet sein und nicht den anderen für das eigene psychische Wohlergehen verantwortlich machen.

Freunde finden und behalten ist also nicht nur Glückssache. Zum Thema Freundschaft in sozialen Netzwerken lassen wir hier am besten Facebook-Gründer Mark Zuckerberg selbst zu Wort kommen: „Facebook hilft, mit Leuten in Kontakt zu bleiben, die wir auch im echten Leben kennen. Mehr nicht. Wer glaubt, dass jeder Facebook-Kontakt ein Freund ist, der weiß nicht, was Freundschaft bedeutet“(gutzitiert.de, Zugriff: 30.08.2017). Mit dieser Einschätzung könnte man sich anfreunden.

* mit dem Begriff Freund sind hier selbstverständlich sowohl Freund als auch Freundin gemeint

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