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Washlet – Ein Wörtchen übers Örtchen

Washlet? Was ist das denn für ein Thema? Vor allem ein sehr menschliches. Um gleich mit der Klotür ins Haus zu fallen: Falls die Erneuerung oder Renovierung des haus- oder wohnungseigenen Sanitärbereichs anstehen, sollte man in die Zukunft denken. Die sieht auf den ersten Blick aus wie ein normales Klo, bis man die Tasten und Leuchtdioden entdeckt. Die futuristische Lösung zur Entsorgung der Nahrungsendprodukte lässt sich umschreiben mit: Last Exit „Washlet“.

Hightech mit Begrüßungsfunktion

WashletDer Name ist Programm. Die Zusammensetzung aus Wash und dem Ende des Wortes Toilet beschreibt die Kombination aus Machen und Säubern in einem Aufwasch sozusagen. Nach der Erledigung des berühmten Geschäfts kommt Leben in die Schüssel. Ein Arm fährt aus und duscht von unten, wahlweise ein zweiter Arm, der alles wieder trocken föhnt. Alles passgenau einstellbar und selbstreinigend. Das Hightech-Klo kann noch mehr. Zum Beispiel ein freundliches Hallo des sich automatisch öffnenden Deckels, sobald sich der Toilettenbenutzer nähert. Oder ein anheimelndes Schummerlicht für den nächtlichen Toilettengang, bei dem es sich im Sinne des guten Weiterschlafens verbietet, eine wachmachende Palastbeleuchtung einzuschalten. Oder eine angenehm erwärmte Brille.

Umdenken gefällig?

Erste und meist auch letzte Reaktion in Deutschland, wo der Toilettenstein als das höchste der hygienischen Gefühle gilt und selbst das normale Bidet selten anzutreffen ist, vom Dusch-WC ganz zu schweigen: Wer braucht denn so was, noch dazu für ein erkleckliches Sümmchen, das auch für eine Pauschalreise reichen würde? Toilettenpapier tut’s doch auch. Im Prinzip richtig.

Komfort und Unabhängigkeit

WashletAber mal abgesehen vom (ärztlich bestätigten) hygienischen Mehrwert bietet das Washlet den wohl größten Vorteil bei Bewegungseinschränkungen seines Benutzers. Wenn das WC automatisch für intime Sauberkeit sorgt, ist der ältere bewegungseingeschränkte Mensch nicht auf fremde Hilfe angewiesen. So kann ein Hightech-Klo eines Tages nicht nur Komfort, sondern auch Unabhängigkeit bedeuten. Als weitere innovative Multifunktionen der Superklos sind Blutzuckermessung im Urin oder Sprachsteuerung zu erwarten.

WashletKulturgeschichte des Klos

Wer noch Probleme mit dem Umdenken hat, darf sich daran erinnern, dass das gewisse Örtchen in der Menschheitsgeschichte immer mal neuen Standards weichen musste. Noch erhalten sind einige der steinernen Gemeinschaftslatrinen im alten Rom, wo man tat, was man unter der Toga so tun musste, vermutlich mit dem Nachbarn schwätzend. Das Ritterfräulein begab sich in seiner Burg zu einem bestimmten Erker, wo die Reste der mittelalterlichen Verdauung am Gemäuer entlang in den freien Fall Richtung Burggraben übergingen. In der Neuzeit übertrafen sich die Baumeister mit prunkvollen Palästen und Schlössern, im Sanitärbereich war man mit Brett oder Stuhl überm Kübel zufrieden. Schließlich wurde in England das Wasserklosett erfunden, doch es brauchte Jahrzehnte bis zum Mainstream.

WashletHygieneweltmeister Japan

Weltmaßstab in Sachen Toilettenhygiene ist heute Japan, wo man eine sehr genaue Vorstellung von rein im Gegensatz zu unrein hat und die Bezeichnung Washlet kreiert wurde. (Der hochtechnisierte Spülvorgang mit Drehbewegung trägt außerdem sehr zu Recht den Namen Tornado Flush.) Dort hat das Dusch-WC einen wahren Siegeszug angetreten.

Bei aller Vorbildfunktion in Sachen Toilettenkultur werden allerdings mindestens zwei typische japanische Klo-Utensilien in Europa wenig Chancen haben: die Toilettenpantoffeln sowie ein seltsames Gerät mit Lautsprecher. Um die als peinlich empfundenen Geräusche der Toilettenbenutzung zu überdecken, betätigen Japanerinnen ständig die Spülung; Wasserverschwendung ist die Folge. Also wurde ein Gerät erfunden, das das Wasserrauschen imitiert: Otohime, zu deutsch Geräuschprinzessin.

Einen Überblick über die Voraussetzungen und Möglichkeiten zur Steigerung des sanitären Fortschritts und Ihres persönlichen Komforts finden Sie hier.

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Schlaf ab 60 – Tadellos durch die Nacht

„Gute Nacht“ und „schlaf gut“ sind Wünsche, die für viele nicht bedingungslos in Erfüllung gehen. Die Schlafforscher bestätigen, dass bei Schlafenden in zunehmendem Alter die Tiefschlafphasen kürzer werden und damit der Schlaf insgesamt leichter wird. Allerdings sollte man sich hüten, dies gleich als Schlafstörung zu interpretieren.

Wer allerdings sehr häufig nachts wach liegt und sich tagsüber zerschlagen fühlt, sollte sich beim Arzt gründlich durchchecken lassen. In bestimmten Fällen ist die ärztliche oder psychiatrische Therapie schlafstörender Krankheiten oder psychischer Probleme die Grundvoraussetzung für die Verbesserung des Schlafes. Manchmal ist sogar eine vorübergehende Behandlung mit Medikamenten angebracht.

Immer hilfreich ist es, wenn Schlafgestörte ihr nächtliches Schicksal dauerhaft selbst in die Hand nehmen. Dafür halten Schlafberater inzwischen viele Tipps parat. Die Selbsthilfe beginnt am besten mit dem Abschied einiger liebgewordener Vorstellungen und Verhaltensweisen.

SchlafSelbsterfüllende Prophezeiung

Denn Schlaflose drehen sich oft im eigenen Teufelskreis. Sie grübeln nachts nicht nur über ihre Sorgen, sondern auch über das Wachsein selbst. Vereinfacht gesagt, schläft man aus Anspannung und Angst nicht einzuschlafen nicht ein. Die klassische selbsterfüllende Prophezeiung. Um da rauszukommen, sollte man einigen Mythen mit schläfriger Gleichgültigkeit begegnen.

Die Phasen des Schlummerns

So versinkt der Mensch nicht in einen tiefen Schlaf, von dem er erst morgens irgendwann wieder aufwacht. Vielmehr durchlebt jeder Schläfer mehrfach die Phasen des leichten Schlafs und des Tiefschlafs sowie die REM (Rapid Eye Movement)-Phasen, in denen sich die Augen heftig hin und her bewegen und die Träume angesiedelt sind. Während der Tiefschlaf eher in der ersten Nachthälfte und die leichteren Schlafphasen in der zweiten Nachthälfte vorherrschen, sind mehrere kurze Wachphasen über die ganze Nacht verteilt.

Zwischen tief und wach

Nachts öfter aufzuwachen ist also völlig normal. Der Tiefschlaf macht nicht mehr als 15 bis 20 Prozent vom Gesamtschlaf aus und stellt sich auch bei einem Schlafbeginn nach Mitternacht ein. Die Schlafdauer muss nicht bei mindestens acht Stunden liegen, sondern ist individuell sehr unterschiedlich. Auch wenn die persönlich erwünschte Schlafdauer gelegentlich unterschritten wird, besteht kein Grund zur Panik. Selbst Zeit nachschlafen muss nicht immer sein. Der Körper kann versäumten Schlaf auch durch tieferen Schlaf nachholen.

SchlafGuter Schlaf beginnt am Tag

Das ist erst mal alles gut zu wissen. Um den Nachtschlaf zu fördern, gibt es allerdings schon tagsüber einiges zu tun. Dies gilt gerade für Menschen ab dem fünften oder sechsten Lebensjahrzehnt. Logischerweise und erwiesenermaßen schläft besser, wer sich am Tag möglichst viel Bewegung, Licht und Luft sowie viel geistige Abwechslung und soziale Aktivitäten verschafft hat.

Morgens hell, abends schummrig

Sporteln und spazieren sollte man bevorzugt in der Helligkeit des Vormittags, während es abends eher gemütlich und schummrig zugehen darf. Um bei der Nutzung am Abend wachmachendes Licht zu vermeiden, lässt sich bei modernen elektronischen Geräten der Blauanteil des Lichts reduzieren (zum Beispiel mit der Night-Shift-Funktion beim Smartphone oder Tablet).  Auch beim abendlichen Zähneputzen sollte man auf eine Festbeleuchtung im Badezimmer verzichten. Kaffee- und Teegenuss will nachmittags wohlüberlegt sein, da die Koffeinwirkung bei empfindlichen Menschen sehr lange anhalten kann. Es wird empfohlen, sich nach einem anstrengenden Tag abends Zeit fürs „Runterkommen“ zu nehmen, zum Beispiel mit einem entspannenden Hörbuch.

Schlafkiller Fernseher, Alkohol, Smartphone

Wer lieber fernsieht, sollte jedoch auf keinen Fall dabei einnicken, denn später im Bett folgt die Rache durch mangelnden Schlafdruck. Ähnlich verhält es sich mit dem beliebten Glas Rotwein sowie anderen alkoholischen Getränken: Als Einschlafhilfe ganz brauchbar, wird Alkohol in der zweiten Nachthälfte oft zum Wachmacher. Das Smartphone sollte man beim Zubettgehen ausschalten, es sei denn man nutzt eine App zur Schlafkontrolle. Diese Anwendungen überwachen den Schlafrhythmus, messen die Bewegungsaktivität während des Schlafes, nehmen Geräusche auf, die möglicherweise die Nachtruhe stören, und wecken sanft aus einer morgendlichen Leichtschlafphase.

SchlafRegeln der Schlafhygiene

Überhaupt sind es Rituale und Regeln der sogenannten Schlafhygiene, die Störungen beim Ein- und Durchschlafen, der Insomnie, entgegenwirken können.

  • Idealerweise sollten die Uhrzeiten, zu denen man zu Bett geht und morgens aufsteht, nicht stark abweichen. Selbst wenn es am Samstagabend später wurde, sollte man am Sonntag nicht bis in die Puppen schlafen.
  • Das Bett darf zwar urgemütlich sein, aber wirklich nur zum Schlafen (sowie Kuscheln und Sex) benutzt werden. Zum Essen, Fernsehen, Internetsurfen, Diskutieren oder gar Arbeiten heißt es raus aus den Federn.
  • Entspannende Einschlaflektüre allerdings wird von vielen Schlafexperten erlaubt und von zahllosen Einschlafwilligen wärmstens empfohlen.
  • Liest man im E-Book, sollte man die Helligkeit des Displays so niedrig wie möglich einstellen; moderne Lesegeräte bieten in der Regel einen Nachtlesemodus.
Schlafdruck erhöhen

Eine wirkungsvolle Methode zur Behandlung von Schlafstörungen soll das Verkürzen der potentiellen Schlafzeit sein. Klingt simpel: Wer schlafen will, aber nicht kann, kann erst wieder, wenn er nicht darf. Diese Methode ist das Gegenteil von ausgedehnter Bettliegerei, um zwischen endlosem Schäfchenzählen noch das eine oder andere Stündchen Schlaf mitzunehmen. Vielmehr darf man einige Wochen lang nur eine reduzierte Anzahl von Stunden pro Nacht im Bett verbringen, unabhängig davon, ob man in dieser Zeit schläft oder wach liegt. So wird der Schlafdruck immer höher. Auch wenn man sich tagsüber sehr müde fühlt, sollte man möglichst kein Nickerchen machen. Das kann natürlich zur Herausforderung werden. Die Schlaftherapie mittels Bettzeitverkürzung sollte man ohnehin mit seinem Arzt oder seiner Ärztin absprechen.

SchlafWie tickt die innere Uhr?

Menschen in einer Lebensphase, die ihnen freie Zeiteinteilung erlaubt, können und sollten ihren Schlafrhythmus ihrer inneren biologischen Uhr anpassen. Der Nachtmensch, die „Eule“, kann sein Schlaffenster in einen späteren Zeitraum legen als der geborene Frühaufsteher, die „Lerche“.

Von der Entspannung zum Schlaf

Auch Entspannungstechniken, allen voran die leicht zu erlernende progressive Muskelentspannung nach Jakobson, unterstützen das gesunde Einschlummern.

Schlafumgebung verbessern

Schlechten Schlaf muss man nicht schicksalhaft hinnehmen. Schlafberatung gibt es nicht nur in Schlaflaboren. Auch mithilfe von fundierten Ratgebern und Anleitungen – sowie nicht ganz unwesentlichen schlaffördernden Äußerlichkeiten wie gute Matratze, kühles, aber nicht kaltes Schlafzimmer bei zirka 18 Grad, Schlafbrille und Ohrenstöpsel – kann es gelingen, dass das Bett vom Schreckens- wieder zum Sehnsuchtsort wird. Na dann: gute Nacht!

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Lebensfreude

Hörbuch – Flow im Ohr

Bei einem Hörbuch liest man mit den Ohren und kann jederzeit abschalten. Nicht nur das Abspielgerät, sondern auch den Alltagsstress. Aber Entspannung findet man doch auch bei einem ganz normalen Buch, oder? Schon, aber: Sich etwas vorlesen zu lassen hat weitere Vorteile: Vielleicht empfindet man, ohne dass es einem bewusst wird, ein wenig von dem Gefühl der Zuwendung, das man als Kind beim Lauschen von Märchen und Geschichten erlebt hat. Und vor allem: Vorgelesen von einer professionellen schönen weiblichen oder männlichen Sprecher- oder Schauspielerstimme bekommt ein literarisches Werk eine neue Faszination.

Hören, was man niemals liest

So kann es passieren, dass man in den Text eines Buches gesogen wird, das man in gedruckter Form nie und nimmer aufgeschlagen hätte. Zum Beispiel den Klassiker, den man eigentlich immer mal lesen wollte und es nie zu tun wagte. Vielleicht steht ein buchstäbliches Großwerk wie Marcel Prousts „Auf der Suche nach der verlorenen Zeit“ schon jahrelang im Regal nach dem Motto „Ein schöner Buchrücken kann auch entzücken“? Die verschlungenen Sätze und detaillierten Beschreibungen Prousts gehen erstaunlich gut ins Ohr, im Hörbuch vorgelesen von dem Schauspieler Peter Matic, dessen außergewöhnliche Stimme die meisten aus dem Film „Gandhi“ kennen. Matic ist der Synchronsprecher von Ben Kingsley.

Hören, wenn man nicht lesen kann

Aber auch Texte, die nach dem Kuss einer etwas leichteren Muse entstanden sind, bringen gehört bisweilen mehr Freude als gelesen. Schließlich kann ein Hör-Flow langweilige Tätigkeiten enorm versüßen und gefühlt verkürzen. Der Hausputz wird mit Krimi im Ohr gleich viel spannender. Und wenn beispielsweise Wolf Haas in seinem Hörbuch „Brennerova“ den Leser höchstpersönlich mit „Du“ und österreichischem Akzent anspricht, darf eine Autofahrt gerne so lang sein wie die unterhaltsame Geschichte. Auch beim  „Runterkommen“ am Abend kann ein Hörbuch – „gelesen“ bei Dämmerlicht oder geschlossenen Augen – beste Dienste leisten.

Hörbuch mit Hörspieleffekten

In manchen Hörbüchern sorgen nicht nur der Sprecher oder die Sprecherin für das Extra-Leseerlebnis. Die Buchvertonung inklusive hörspielartiger Elemente und Musik kann zusätzlich Atmosphäre erzeugen und besonders Sachhörbüchern viel Spannung verleihen. Ein gelungenes Beispiel hierfür ist die Einspielung des Bestsellers „Deutschland. Erinnerungen an eine Nation“ von Neil MacGregor.

HörbuchSchöne digitale Hör-Welt

Was das Buchhören immer attraktiver macht, ist die technische Entwicklung der Audio-Geräte. Das Abspielen von Texten begann mittels Schallplatten und Kassetten. Inzwischen ist die Hörbuch-CD üblich. Was locker zwischen zwei Buchdeckel passt, erhält allerdings in gesprochener Form viel Volumen. Daher sind Hörbücher oft teuer und gekürzt. Beides verbesserte sich mit der Audio-Datei in der Download-Ära. Eingesprochene Bücher lassen sich inzwischen günstiger und ungekürzt auf den Computer, das Tablet oder das Smartphone herunterladen. Im mobilen Gerät hat man seine Hör-Bibliothek immer dabei.

Hier gibt es Empfehlungen 

Also: Kopfhörer auf und loslesen! Aber was? Wer sich in der regulären Buchhandlung manchmal verloren fühlt, orientiert sich gerne an Bestsellerlisten. Für Hörbücher gibt es sogar die Empfehlungen einer speziellen Jury. Die Kulturredaktion des Hessischen Rundfunks und der Börsenverein des deutschen Buchhandels geben monatlich eine Hörbuchbestenliste heraus und prämieren das Hörbuch des Jahres (zum Beispiel 2010 „Auf der Suche nach der verlorenen Zeit“ mit Peter Matic). Der Westdeutsche Rundfunk vergibt alljährlich seinen Deutschen Hörbuchpreis und vergibt Auszeichnungen in unterschiedlichen Kategorien (zum Beispiel 2015 Beste Unterhaltung: Wolf Haas, „Brennerova“ oder 2016 Bestes Sachhörbuch: „Deutschland. Erinnerungen an eine Nation“).

Ein Gratis-Hörbuch darf sich aussuchen, wer sich bei audible für ein 30-Tage-Probeabo anmeldet. Anschließend kann man das Abo kündigen oder behalten und für 10 Euro monatlich jeweils ein Hörbuch erhalten (Stand: Dezember 2016).

Klassiker gratis

Viele Klassiker wiederum, deren Autoren seit mindestens 70 Jahren tot sind, sind „gemeinfrei“. Das bedeutet, dass sie keinem Urheberrecht unterliegen Sie können als Hörbuch kostenlos aus dem Netz heruntergeladen werden, zur Verfügung gestellt zum Beispiel von vorleser.net.

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Alt werden – How not to die

Sehen wir’s mal so: Alt werden bedeutet nicht zu sterben. Diese Sichtweise ist nett verpackt im Bonmot von Robert Lembke: Alt werden ist natürlich kein reines Vergnügen Aber denken wir an die einzige Alternative. Oder man verlegt sich vorläufig auf die Einstellung des bayerischen Kabarettisten Fredl Fesl: Wir alle müssen einmal sterben, vielleicht sogar ich.

Wenn ein aktueller Buchtitel ankündigt, wie man nicht stirbt, erregt das in der Tat unsere Neugier. „How not to die“ heißt ein New York Times-Bestseller, verfasst von dem amerikanischen Arzt Michael Greger und inzwischen auch auf Deutsch erschienen. Um dem Titel ein bisschen das Reißerische zu nehmen, erlauben wir uns eine gedankliche Ergänzung. Wir interessieren uns also dafür, how not to die, bevor es unbedingt notwendig ist.

Alt werdenEssen wider das Krankwerden

Es geht – das überrascht nicht wirklich – um die Auswirkung der Ernährungsweise auf die Gesundheit. Die Erkenntnis, dass das eine mit dem anderen zu tun hat, ist inzwischen ein medialer Dauerbrenner. Doch beklagt der Autor des Buches die geringe Rolle der Ernährungswissenschaft im Medizinstudium und folglich in der Praxis.

So sei der einzige Mediziner, der ihn je nach den Ernährungsgewohnheiten eines Familienmitglieds gefragt hätte, der Tierarzt gewesen.

Fokus Therapie

Der Schwerpunkt der Medizin, so Greger, liege auf dem Therapieren von Krankheiten mittels Medikamenten und chirurgischen Eingriffen, während die Behandlung und vor allem Vermeidung von Krankheiten durch gesunde Ernährung unterbelichtet seien. Gregers Anliegen ist es, durch seine Vorträge und Veröffentlichungen Licht darauf zu werfen.  In seinem Buch führt der Autor die häufigsten todbringenden Krankheiten der USA auf – z. B. Herzinfarkt, Krebs, Schlaganfall, Diabetes – und erläutert, welche Lebensmittel und welche Nahrungszusammenstellung dazu beitragen können, Krankheiten zu vermeiden, aufzuhalten oder sogar zurückzudrängen. Das Ziel ist klar: nicht sterben, sondern alt werden.

Alt werdenDie Wirkung der (frischen) Pflanzen

Greger kommt anhand einer überaus breiten empirischen Grundlage zu dem Schluss, dass eine evidenzbasiert gesunde Ernährungsweise pflanzenbasiert ist. Andere Ernährungsapologeten mögen ihm auf Basis anderer Studien oder Auslegung von Studien zum Teil widersprechen. Selbstverständlich hat „How not to die“ – Bestseller oder nicht – das Potential, die Anhänger liebgewordener Essgewohnheiten in kognitive Dissonanz zu versetzen. Doch bevor mancher Fleischliebhaber bei dem Stichwort „vegan“ reflexartig abwinkt, kann er sich dennoch von Gregers anschaulichen Erläuterungen zur Wirkung von Nahrung auf den Körper zur Lektüre des Buches verleiten lassen. Selbst Vegetarier finden grundlegende Verbesserungsvorschläge. Sie sind laut Greger vor ernährungsbedingten Krankheiten nicht gefeit, sofern sich ihre Ernährung vornehmlich aus industriell verarbeiteten fleischlosen Produkten zusammensetzt.

Spaß statt Sterben

Essen ist emotional, das wissen wir, und wen das tägliche Wurstbrot beglückt, nimmt es tatenlos hin, dass die Weltgesundheitsorganisation das Krebsrisiko durch Wurstverzehr analog zum Rauchen amtlich bestätigt hat. Mit genügend Dusel kann man so auch alt werden. Andererseits könnte man ein bisschen Unsterblichkeit mal ausprobieren. Dafür kann das Buch schließlich nur ein Anfang sein, der im klugen Kauf und der leckeren Zubereitung hochwertiger Lebensmittel seine Fortsetzung findet. Wenn dieses Essen nicht nur gesund ist, sondern auch schmeckt und womöglich noch viel Bewegung, Gelassenheit und soziale Kontakte das Leben verlängern, könnte es durchaus Spaß machen nicht zu sterben.

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Stille – Reinhören lohnt sich

Stille Nacht – und zwar nicht nur an Weihnachten – wär’ schön. Und ein etwas weniger lauter Tag wäre auch nicht schlecht. Man fragt sich, wieso die Verkehrsnachrichten eigentlich von dieser hektischen Musik unterlegt sein müssen. Um den Stau ein bisschen peppiger zu machen? Und die hochfrequente Turbo-Heckenschere des Nachbarn würde man gerne – eingewickelt in das zugehörige liberale Gesetzeswerk namens 32. BImSchV (Geräte- und Maschinenlärmschutzverordnung) – auf den Mond schießen. So empfinden viele Menschen, denen Lärm auf den Wecker geht. Und zwar je älter, desto Wecker.

Als Kind haben wir gebrüllt und getrommelt. Als Teenager konnten wir bis zur Ohnmacht neben Discoboxen abhotten. Dann haben wir eine Weile Lärm mit Leben gleichgesetzt. Doch irgendwann war Lärm für uns eben nur noch Lärm. Warum eigentlich?

Lärm ist immer Lärm

Es ist medizinisch nachgewiesen, dass der Organismus sich objektiv nicht an Lärm gewöhnen kann. Vegetative Auswirkungen von Geräuschen beispielsweise auf den Blutdruck sind unabhängig davon, ob der Hörer sie bewusst wahrnimmt oder nicht. Vielleicht hört man mit den Jahren auf, sich vorzumachen, man könne Lärm ausblenden. Unser Lärmempfinden ist sozusagen vernünftig geworden. Lärmverursacher handeln außerdem übergriffig. Sie dringen in unser Leben ein. Und das meist wiederholt. Das könnte man höchstens tolerieren, wenn man dem Heckenscherenbenutzer in leidenschaftlicher Liebe oder zumindest herzlicher Freundschaft zugetan ist. Andernfalls – genau – ab Richtung Mond mit ihm.

Stille

Dauerberieselung statt Stille

Dabei ist es nicht allein der stressige, gesundheitsschädliche Spitzen- und Dauerlärm, der uns zusetzt. Der kanadische Komponist und Klangforscher Raymond Murray Schafer hat die akustischen Welten, von denen Menschen umgeben sind, untersucht. Zu diesen sogenannten Soundscapes gehören beispielsweise die Klangbilder einer Stadt, aber auch die designten Soundteppiche von Einkaufszentren. Denen setzt man uns aus, weil wir dann angeblich mehr kaufen. Genau wie Kühe, die mit Musik angeblich mehr Milch geben. Und zuhause geht es weiter. Kaum daheim, stellen wir Musik oder Fernseher an. Wir meinen offenbar nicht zu ertragen, was wir dringend bräuchten: Stille.

Stille

Stille als Prävention und Therapie

Studien zeigen: Stille ist gesund für Körper und Gehirn. Wer sich regelmäßig eine Auszeit zum stillen Meditieren – zum Beispiel Achtsamkeitstraining – nimmt, wird geistig fitter. Wiederholte Stille dient auch der psychischen Gesundheit. Bei einer Studie zu den Auswirkungen von Musik auf Herz, Gehirn und Atmung fand man heraus, was noch beruhigender war als die allerentspannendste Entspannungsmusik: die zwei Minuten Pause. Gewissermaßen der wissenschaftliche Beleg für Wilhelms Buschs Erkenntnis: „Musik wird oft nicht schön gefunden, weil sie stets mit Geräusch verbunden.“ So gesehen dient auch das legendäre Werk 4’33“ des amerikanischen Komponisten John Cage der Gesundheit seiner Hörer (hätten die sich nur nicht so darüber echauffiert). Während der vier Minuten und 33 Sekunden Spieldauer ist in diesem Musikstück kein Ton zu hören außer den Umweltgeräuschen im Konzertsaal.

StilleAngst vor Stille

Denn auch John Cages Stille war nicht völlig still. Hier wird deutlich, dass wir selten mit einer wirklich totalen Stille konfrontiert werden. Das akustische Nichts wie etwa in einem isolierten schalltoten Raum kann Menschen Angst machen oder gar die Orientierung stören. Obwohl dies nicht der realen Stille entspricht, fühlen sich manche Stille-Phobiker wohler, wenn im Hintergrund leise Meeres- oder Waldgeräusche abgespielt werden. Wie still auch immer – Hauptsache, man entkommt regelmäßig dem Lärm. So dient es bereits der Erholung, öfter aus der intensiven oder andauernden Geräuschkulisse heraus- und in einen „normal“ stillen Ort hineinzutreten, und sei es nur das „stille Örtchen“.

Orte der Stille

Es gibt Anregungen, Stille in der Stadt zu finden. Dort kann man beispielsweise in einer Kirche oder Bibliothek einen Rückzugsgort entdecken. In öffentlichen Einrichtungen gibt es manchmal einen „Raum der Stille“. In den eigenen vier Wänden wiederum dürfen Handy, Musikanlage und Fernseher ab und zu schweigen. Und falls Sie Tim Parks‘ Roman „Stille“ noch nicht gelesen haben – tun Sie dies ohne akustische Ablenkung … Wenn Sie der Stille etwas nachhelfen möchten, gibt es eine reiche Auswahl an Ohrenstöpsel – in Schläfer-, Musiker- und Heimwerkerqualität.

Geistesblitz in der Yogastunde

Der äußeren Stille kann die innere folgen. Neben Beruhigung und psychische Stärkung kann die Stille noch mehr mit sich bringen: gesteigerte Kreativität und Geistesblitze aus einem Gehirn im Ruhezustand („Default Mode Network“ nennt es die Hirnforschung). So kann es sein, dass man stundenlang über ein Problem nachgrübelt, doch in der mucksmäuschenstillen Entspannungsphase der Yoga-Stunde kommt sie von selbst: des Rätsels Lösung.

Stille