Kategorien
Lebensfreude Zeitgeist

Reden statt sagen. Können Sie Small Talk?

Wenn beim Reden nichts gesagt wird und trotzdem alle happy sind, dann läuft gerade ein Small Talk. Denn hier geht es nicht um Inhalte, sondern um die soziale Beziehung. Zwischenmenschliche Behaglichkeit erzeugt, wer nett schwätzt statt tief schürft. Vom Anschweigen ganz zu schweigen.

Aber warum ist das kleine Gespräch so erstrebenswert? Im Berufsleben kommen kompetente Small Talker besser weg. Auch privat hat das kommunikative Beziehungsmanagement seine Vorteile:

Smalltak

Kein Streit, keine Peinlichkeit, kein Stress.

Der Small Talk gilt als soziales Schmiermittel für ein besseres Miteinander.

Aber tritt man jemandem mit solcher Oberflächlichkeit nicht erst recht zu nahe? Das fragen Deutsche, bis sie die typisch amerikanische Minimalkonversation verstanden haben. Nämlich, dass man ständig von Fremden „How are you“, „Wie geht’s“, gefragt wird und ausschließlich mit „I’m fine“, „Passt schon“, antwortet. In allen Vereinigten Staaten von Amerika will niemand wissen, wie es einem geht, sondern nur freundlich Kontakt aufnehmen.

Howdy

Man nimmt an, dass dieses Verhalten auf Begegnungen in einsamer Prairie zu alten Wildwest-Zeiten gründet. Wer sprach, war einzuschätzen. Wer schwieg, galt als potentielle Bedrohung und riskierte womöglich erschossen zu werden. Also sprach man besser, und zwar etwas Unverfängliches.

Dabei ist der Small Talk als Pläuschchen, Schwätzle oder Klönschnack auch urdeutsch. Auch bei uns wirkt der Small Talk lebensverlängernd. Schließlich ist es wissenschaftlich bestätigt, dass soziale Kontakte wesentlich zum Glück und längeren Leben beitragen.

Smalltalk

Sicher geht nichts über das tiefgründige, ehrliche, persönliche Gespräch unter Freunden. Doch vor einer möglichen Freundschaft kommt stets der erste Kontakt. Auch bei Menschen, die einem sehr gut bekannt sind, empfiehlt sich bisweilen das Sprechen ohne Inhalt. Zum Beispiel, wenn man auf der Familienfeier den Ex-Mann oder die Ex-Frau trifft.

Was geht beim Small Talk?

Versierte Small Talker zeigen zwar eine offene Körperhaltung und ein freundliches Gesicht, halten jedoch Abstand: körperlich und vor allem thematisch. Als klassische Tabus gelten in unserem Kulturkreis die Themen Politik, Religion, Krankheit, familiäre Probleme und Geld.

Denn Konfliktpotential oder allzu private Auskünfte sind ungeeignet, wenn es nicht auf Information, sondern gemeinsames soziales Schwingen ankommt. Der Fachausdruck für solche Gespräche ist phatische Kommunikation.

Als Musterbeispiel des Sprechens um des Sprechens willen galt von jeher der Austausch über das Wetter. Doch das ist auch nicht mehr, was es mal war: Wer nach einem nett gemeinten „Ganz schön heiß heute“ eine Diskussion über den Klimawandel anzettelt, hat das Small Talk-Ziel glatt verfehlt. Auch bei anderen scheinbar harmlosen Themen wie zum Beispiel Fußball kann es ernst werden.

Ganz gleich, worüber gesprochen wird – es geht nicht darum, recht zu haben oder rhetorisch zu glänzen, sondern sich gegenseitig Aufmerksamkeit zu schenken.

Small Talk

Dabei muss ein Small Talk keine Unterhaltung ohne Unterhaltungswert sein. Über Kultur, Reisen, Musik, Filme, Essen und Trinken kann man schließlich angenehm parlieren. Am besten gelingt dies, wenn die Small Talker auf Augenhöhe plaudern – frei nach dem deutschen Gelehrten Georg Christoph Luchtenberg (18. Jh.):

„Wie geht es, fragte ein Blinder einen Lahmen; wie Sie sehen, war die Antwort.“

Wie geht der Small Talk?

Da steht man nun auf der Feier, der Party, der Veranstaltung und stellt fest: Gar nicht so einfach, der Small Talk. Hier einige Tipps:

  • Beziehen Sie sich auf die aktuelle Situation: Anlass, Gastgeber, Räumlichkeiten, Verpflegung, Begleitumstände wie Anreise, Wetter, etc.
  • Betonen Sie, was Sie positiv finden, und verkneifen Sie sich Kritik.
  • Vermeiden Sie Gegenrede und Wörter wie „aber“, „doch“, „falsch“.
  • Suchen Sie nach Gemeinsamkeiten: die Bekanntschaft mit dem Gastgeber, die Vorliebe für ein bestimmtes Essen vom Buffet, Interesse für Wein, Haustiere, Reiseziele, Fernsehserien, Oper, neue Apps und so weiter.
  • Nutzen Sie Fragestrategien:
    • Stellen Sie offene statt geschlossene Fragen. Beispiel: Die offene Frage „Wissen Sie, was uns heute hier erwartet?“ initiiert eine ausführliche Antwort mit Möglichkeiten zum Anknüpfen. Die geschlossene Frage „Trinken Sie auch gern Espresso?“ würgt das Gespräch durch die reduzierten Antwortmöglichkeiten „Ja“ oder „Nein“ ab.
    • Irgendein angestrebtes Erkenntnisziel hält auch harmlose Pläusche am Laufen: Fragen Sie Ihr Gegenüber nach einer Beschreibung, einem Vergleich, einer Absicht oder nach Zusammenhängen.
  • Dominieren Sie nicht, weder mit einem Verhör durch zu viele Fragen, noch mit einem Vortrag ganz ohne Fragen
  • Hören Sie zu. Gute Small Talker sind auch Great Listener.
  • Seien Sie humorvoll, aber vermeiden Sie Witze.
  • Seien Sie respektvoll: Sehen Sie Ihrem Gegenüber in die Augen und schenken Sie ihm Ihre volle Aufmerksamkeit.
  • Sollten Sie das Gespräch beim besten Willen nicht mehr ertragen, wechseln Sie das Thema oder den Gesprächspartner, bevor Ihre Mimik und Körpersprache Sie verraten.
Und tschüs
Small Talk

Ein angenehmer Zug des Small Talks ist es, dass man nicht nur leicht reinkommt, sondern auch leicht wieder raus. Auch den Ausstieg kann man elegant gestalten:

  • Greifen Sie, wie schon beim Einstieg, auf die aktuelle Situation auf: „Ich muss mir unbedingt noch ein Dessert sichern.“
  • Verbinden Sie Ihren Abgang mit einer Frage: „Wissen Sie, wo ich die Desserts finde?“ / „Welchen Nachtisch können Sie empfehlen?“
  • Vertrauen Sie auf bewährte Formulierungen: „War nett, mit Ihnen gesprochen zu haben.“ / „Ich wünsche Ihnen noch viel Spaß.“ / „Wir sehen uns sicher wieder.“

Floskeln, von lateinisch „flosculus“ (Blümchen), sind wichtige Elemente der phatischen Kommunikation und dürfen beim Small Talk munter blühen. Auf Gemeinplätzen können, wie der Name schon sagt, alle zusammenkommen:

„Wat mutt, dat mutt“, „Über Geschmack lässt sich nicht streiten“, „Wenn Engel reisen, lacht der Himmel“…

Allerdings trifft es der Spruch „Reden ist Silber, Schweigen ist Gold“ hier nicht, vielleicht eher: Reden ist Gold, Schweigen ist Schrott.

English Version

Talk instead of say. Can you Small Talk?

If nothing is said while talking and everyone is happy, then a Small Talk is going on. Because this is not about content, but about the social relationship. Interpersonal comfort is created by talking nicely instead of digging deep. Not to mention remaining silent.

But why is this „little conversation“ so desirable? Competent small talkers are better off in professional life. In addition, communicative relationship management has its advantages in private life:

No fighting, no embarrassment, no stress.

Small talk is regarded as a social lubricant for a better togetherness.

But doesn’t one offend the other person with such superficiality? That’s what Germans ask until they understand the typical American minimal conversation. Namely, that one is constantly asked by strangers „How are you“, „Wie geht’s“, and answers exclusively with „I’m fine“, „Passt schon“. In all the United States of America, nobody intends to know how you’re doing, only to make friendly contact.

Howdy

It is assumed that this behaviour traces back to encounters in lonely prairie in old Wild West times. Who spoke was to be assessed. Those who remained silent were considered a potential threat and risked being shot. So it was better to speak, preferably saying something harmless.

The Small Talk is also original German as „Pläuschchen“, „Schwätzle“ or „Klönschnack“. Also here the Small Talk works life-prolonging. After all, it is scientifically confirmed that social contacts contribute significantly to happiness and a longer life.

Certainly nothing beats the profound, honest, personal conversation among friends. But before a possible friendship always comes the first contact. Even with people you know very well, it is sometimes advisable to speak without content. For example, when you meet the ex-husband or ex-wife at a family celebration.

What to small talk

Experienced small talkers show an open posture and a friendly face, but keep their distance: physically and above all thematically. The classic taboos in our North European culture are politics, religion, illness, family problems and money.

Because conflict potential or all too private information is unsuitable when it is not about information, but about common social swinging. The technical term for such conversations is phatic communication.

The exchange about the weather has always been regarded as a prime example of speaking for speaking’s sake. But even that is not what it used to be: anyone who starts a discussion about climate change after a nicely meant „pretty hot today“ has missed the small talk target. Other seemingly harmless topics such as football can also be serious.

No matter what is being talked about, it is not about being right or shining rhetorically, but about paying attention to each other.

Small talk doesn’t have to be conversation without entertainment value. Culture, travel, music, movies, food and drink can all be pleasantly chatted about. The best way to do this is for small talkers to chat at eye level – based loosely on the German scholar Georg Christoph Luchtenberg (18th century):

„How are you, a blind man asked a lame man; as you can see, the answer was.“

How to small talk

Now you’re standing at the party, the celebration, the event and you realize: Small talk is not that easy. Here are some tips:

  • Refer to the current situation: occasion, host, premises, catering, accompanying circumstances such as travel, weather, etc.
  • Emphasise what you find positive and stifle criticism.
  • Avoid counter-talk and words like „but“, „however“, „wrong“.
  • Look for similarities: the acquaintance with the host, the preference for a certain meal from the buffet, interest in wine, pets, destinations, TV series, opera, new apps and so on.
  • Use question strategies:
    • Ask open questions instead of closed ones. Example: The open question „Do you know what awaits us here today?“ initiates a detailed answer with possibilities for follow-up. The closed question „Do you also like espresso?“ chokes off the conversation by reducing the number of possible answers to „Yes“ or „No“.
    • Any desired epistemic aim also keeps harmless chats going: Ask your counterpart for a description, a comparison, an intention or connections.
  • Do not dominate, neither with an interrogation by too many questions, nor with a speech completely without questions.
  • Listen. Good small talkers are also great listeners.
  • Be humorous, but avoid jokes.
  • Be respectful: Look your counterpart in the eye and give him your full attention.
  • If you can no longer bear the conversation with the best will in the world, change the subject or the conversation partner before your facial expressions and body language betray you
And bye-bye

A pleasant feature of Small Talk is that it is not only easy to get in, but also easy to get out. The exit can also be designed elegantly:

    null
  • Take up the current situation, as you did at the beginning: „I absolutely have to secure a dessert.“
  • Combine your departure with a question: „Do you know where to find the desserts?“ / „Which dessert can you recommend?
  • Trust in proven formulations: „It was nice talking to you“. / „I wish you lots of fun.“ / „I’m sure we’ll see you again.“

Flowery phrases are important elements of phatic communication and are allowed to bloom lively during small talk. In commonplaces, as the name suggests, everyone can come together.

„What must be, must be.“

Kategorien
Entdecken & Genießen

Warum Sardinien? Weil man fünf Sinne hat!

Was ist eigentlich so toll an Sardinien? Antworten geben unsere fünf Sinne. Erfahren muss man die Insel natürlich selbst. Es folgen hier einige wenige theoretische Kostproben. Zur Erinnerung für alle, die schon mal da waren, und zur Vorbereitung für Interessierte:

Sehen, hören, riechen, schmecken und fühlen wir mal rein.

Sardinien für die Augen
Sardinien

In der globalen, geordneten Web-Welt kategorisiert man Farben nach Zahlen, zum Beispiel im CSS3-System. Was hat das mit Sardinien zu tun? Ganz einfach: Als die Designer Farbwerte wie #66CDAA in Worte fassten, müssen sie wohl auf Sardinien gewesen sein: „mittelaquamarinblau“, „hellmeergrün“, „mittelmeergrün“ (ja, tatsächlich), „mitteltürkis“, „dunkelhimmelblau“. So schillert das klare Wasser, das die Insel umschwappt, und prangt die Atmosphäre, die sie umrahmt.

Von größter Bedeutung allerdings ist das Smaragdgrün, eine Bezeichnung nach dem guten alten deutschen RAL-Katalog. Das klingt nach Luxus und ist, was Sardinien und seine berühmte Smaragdküste, die Costa Smeralda, ins Weltlicht gerückt hat.

Wir schreiben die Sechzigerjahre. Unberührte Traumbuchten, großartige Felsformationen, funkelndes Meer – wie ein Smaragd. Will haben, sagte sich der Multimilliardär Aga Khan und kaufte ein paar Dutzend Kilometer Küstenland Im Nordosten der Insel. Für einen Apfel und ein Ei beziehungsweise 30 Cent pro Quadratmeter, aber mit architektonischem Feingefühl. Und so profitieren Insel und Besucher bis heute von der augenfreundlichen Bebauung im sogenannten neosardischen Stil, der die Architektur der touristisch aufstrebenden Insel prägte.

Es gibt also keine Bettenburgen auf Sardinien. Eine Art Urmutter der in die Landschaft eingepassten rötlichen Gemäuer ist das Luxushotel Cala di Volpe. Aber man muss weder dort wohnen, noch eine Jacht besitzen, um in den optischen Genuss von weißen Booten in edelsteinfarbenen Buchten zu kommen. Es gibt ein großes Angebot an günstigen Bed-and-Breakfast-Unterkünften, und die Strände sind für alle da. Im Promi-Städtchen Porto Cervo kann man treppauf treppab durch Arkaden in pittoresk versteckte Luxusboutiquen spähen und in der Kirche Stella Maris ganz umsonst verspielte sardische Architektur sowie einen echten El Greco (Mater dolorosa) bewundern.

Die Alternative: Grün statt Smaragd. Am anderen Ende Sardiniens, im Südwesten, befindet sich die Costa Verde: Auch hier trifft das Auge auf staunenswerte Meer-Felsen-Kontraste, aber auch gewaltige Dünen und grüne Natur. Hier wurden mal Bodenschätze geborgen. Heute findet man den Reiz von viel Ursprünglichkeit und wenig Touristen.

Sardinien

Apropos Ursprünglichkeit: Spektakuläres sehen – das geht auf Sardinien auch im Bergland im Inselinneren. Da gibt es die Ausblicke auf den Höhen des Gennargentu und Supramonte-Massivs, der „sardischen Dolomiten“, wo man unwillkürlich von der Schönheit unseres Planeten ergriffen wird.

Ins gebirgige Innere hatten sich die Sarden zurückgezogen, als über Jahrhunderte hinweg immer neue Eroberer-Begehrlichkeiten ihre Küsten heimsuchten. Die Gegenwehr gegen Unterwerfung und Fremdbestimmung, ganz aktuell gegen einen erfolgreich verhinderten NATO-Truppenübungsplatz – auch das kann man betrachten. Im Hirtendorf Orgosolo hat zwar keiner den Teufel an die Wand gemalt, aber viele Künstler Motive des politischen Widerstands. Über Jahre entstanden die äußerst sehenswerten „Murales“, Fassadengemälde, die ganze Straßenzüge zu einer außergewöhnlichen Ausstellung machen.

Sardinien für die Ohren

Da wir schon in den Bergen bei den Hirten mit ihren Schafherden sind – hier können wir Sardinien hören. Wenn möglich, sollte man einer Vorstellung des Canto a Tenore lauschen. Diese uralte ungewöhnliche Gesangsform hat sich in den Hirtendörfern entwickelt und gehört zum immateriellen Weltkulturerbe. Die Chorgruppe besteht aus vier Männern im traditionellen Hirtengewand. Der Solist trägt im melodiösen Sprechgesang seelenvolle Liedtexte vor. Die drei anderen Sänger in den Lagen Bass, „Contra“ und Alt ersetzen mit ihren Stimmuntermalungen – entstanden aus der Imitation von Tierlauten – gewissermaßen die Instrumente für ein harmonisches Zusammenspiel. Etwas gewöhnungsbedürftig, aber faszinierend.

Sardinien

Noch eine Empfehlung für die Ohren ist in den Bergen zu finden. Eine Rast oder gar ein Quartier in Hörweite des Glöckchengebimmels der Schaf- und Ziegenherden im Mix mit Vogelzwitschern und Insektengesurre ersetzt glatt mehrere Meditationskurse.

Sardinien zum Schnuppern
Sardinien

Wo Sardinien ist, ist auch die Macchia. Die Macchia hat nichts mit dem Latte macchiato zu tun, sondern ist laut Wikipedia eine „sekundär entstandene, anthropogene, immergrüne Gebüschformation der mediterranen Hartlaubvegetationszone“. Einfach ausgedrückt bedeckt die Macchia den Boden mit einer Art struppigem Dschungel, durch den man nicht gehen kann, es sei denn, man ist eine Ziege, die sich durchfrisst. Von Reisejournalisten und Schriftstellern tausendmal beschrieben und gepriesen. Die Macchia tut es zuverlässig: einzigartig würzig duften. Aaaah.

Sardinien zum Schmecken
Sardinien

Auf Sardinien gibt es viele Schafe. Wo viele Schafe sind, gibt es Schafskäse, und daher ist der Pecorino eine durch und durch sardische Käseart. Es gibt ihn dolce (weich, kurz gereift) und maturo (hart, lang gereift) sowie in vielen Varianten dazwischen, die man mithilfe eines guten Geschäfts oder Restaurants mal durchprobieren sollte. Achtung: Steht „Casu marzu“ auf der Karte, sollte man vor der Bestellung noch mal in sich gehen. Es handelt sich um wörtlich übersetzt „faulen Käse“ und zwar dergestalt, dass er von lebenden Maden durchsetzt ist. Ein Spezialität, die diesen Namen verdient.

Weniger herausfordernd sind die Culurgionis, eine Art sardische Ravioli, gerne als zweiter Gang zum Beispiel mit Kartoffel-Füllung und fruchtiger Tomatensauce.

Kein Essen ohne Pane carasau, einem schnell sehr heiß gebackenes Brot in superdünnen Scheiben. Die Sarden machen auch eine eigene Speise daraus, indem sie die in Brühe eingeweichte Brotscheibe mit Tomatensauce, Pecorino und Spiegelei bedecken. Das Spiegelei direkt vor dem Verzehr mit der Gabel verschmieren und das Ganze aufrollen. Mehr „Cucina Tipico“ geht nicht.

Fleischliebhaber kommen bei dem Genuss von porceddu auf ihre Kosten, dem Spanferkel, das meist zusammen mit einigen Artgenossen an einen prachtvollen Grill am offenen Feuer gehängt wird. Ein Anblick, auf den Köche stolz und Vegetarier nicht besonders erpicht sind.

Aus der Meeräsche entnehmen die Sarden den Rogen und servieren ihn als Bottarga bevorzugt mit Spaghetti.

Auch Wein können die Sarden: den roten Cannonau und den weißen Vermentino di Gallura.

Sardinien

Die lokale Süßigkeitenspezialität Torrone besteht aus Honig, Mandeln und Eiweiß und eignet sich auch als Mitbringsel unter drei Voraussetzungen:

  • Man hat ab und zu einen irren Janker auf Süßes.
  • Die nächste Gelegenheit zum Zähneputzen ist nicht weit.
  • Man kann sich noch erinnern, warum man das im Urlaub so lecker fand.
Sardinien zum Fühlen

Das Sardinien-Feeling lässt sich mit Worten nicht so leicht beschreiben. Zugegeben: Es gibt manchmal eine drückende Wetterküche, und der Scirocco kann mit Sand aus der Sahara nerven.

Aber das typische Sardinien-Gefühl geht – zum Beispiel in Cala Gonone an der Ostküste – so: Obwohl es September ist, streifen um die Haut milde Luft und 25 Grad warmes Meer. Unter den Fußsohlen kribbelt ein Strand aus murmelartigen hübschen Steinchen, und in die Waden kneifen kleine gestreifte Möchte-gern-Piranhas, die freche Kinderstube einer Mittelmeerfischart, die im sanft plätschernden glasklaren Wasser gerne Touristen ärgert.

Wie gesagt: Erfahren muss man es selbst.

English Version

Why Sardinia? Because you have five senses!

What’s so great about Sardinia? Answers come from our five senses. Of course you have to experience the island yourself. Here are a few theoretical tastings. As a reminder for all those who have been there before, and as preparation for those who are interested:

Let’s see, hear, smell, taste and feel it.

Sardinia for the eyes

In the global, ordered web world, colors are categorized by numbers, for example in the CSS3 system. What does this have to do with Sardinia? Quite simple: When the designers put color values like #66CDAA into words, they must have been on Sardinia: „middle aquamarine blue“, „light sea green“, „middle sea green“ (yes, actually), „middle turquoise“, „dark sky blue“. This is how the clear water that surrounds the island shimmers and the atmosphere that surrounds it shines.

Of greatest importance, however, is the emerald green, a designation after the good old German RAL catalogue. This sounds like luxury and is what has brought Sardinia and its famous emerald coast, the Costa Smeralda, into the world light.

It’s the sixties. Untouched dream bays, great rock formations, sparkling sea – like an emerald. The multi-billionaire Aga Khan decided to buy a few dozen kilometres of coastal land in the northeast of the island. For a song (respectively 30 cents per square meter), but with architectural sensitivity. And so the island and its visitors are still benefiting from the eye-friendly Neo-Sardinian-style buildings that shaped the architecture of this up-and-coming tourist island.

So there are no bed castles in Sardinia. The luxury hotel Cala di Volpe is a kind of primordial mother of the reddish walls that fit into the landscape. But one neither has to live there nor to own a yacht in order to have the optical pleasure of white boats in gem-coloured bays. There is a wide range of cheap bed-and-breakfast accommodation and the beaches are accessible to everyone. In the celebrity town of Porto Cervo, you can peek upstairs through arcades into picturesquely hidden luxury boutiques and admire the playful Sardinian architecture and a genuine El Greco (Mater dolorosa) in the church of Stella Maris.

The alternative: green instead of emerald. At the other end of Sardinia, in the southwest, you will find the Costa Verde: Here, too, the eye meets astonishing sea-rock contrasts, but also enormous dunes and green nature. Here, mineral resources were once recovered. Today, one finds the charm of much originality and few tourists.

Apropos originality: Seeing spectacular views – this is also possible in Sardinia’s mountainous interior. There are views of the heights of the Gennargentu and Supramonte massifs, the „Sardinian Dolomites“, where you are captivated by the beauty of our planet.

The Sardinians had retreated into the mountainous interior, when over the centuries new conquerors‘ insinuations were ravaging their coasts. The resistance against subjugation and foreign rule, quite recently against a successfully prevented NATO military training area – this can also be seen. In the shepherd village of Orgosolo many artists have painted motifs of political resistance. Over the years, the extremely interesting „Murales“, façade paintings, were created that turn entire streets into an extraordinary exhibition.

Sardinia for the ears

Since we are already in the mountains with the shepherds with their flocks of sheep – here we can hear Sardinia. If possible, you should listen to a performance of Canto a Tenore. This ancient and unusual form of singing has developed in the shepherd’s villages and is part of the immaterial world cultural heritage. The choir group consists of four men in traditional shepherd’s clothes. The soloist recites soulful lyrics in melodious recitative. The three other singers in the registers bass, „contra“ and alto replace the instruments for a harmonic interplay with their vocal accompaniments – created from the imitation of animal sounds. Something to get used to, but fascinating.

There is another recommendation for the ears to be found in the mountains. A rest or even a lodging within earshot of the bell ringing of the sheep and goat herds in the mix with bird twittering and insect whimpering can easily substitute several meditation courses.

Sardinia for a sniff

Where Sardinia is, there is also the Macchia. The Macchia has nothing to do with the Latte macchiato, but is, according to Wikipedia, a „secondary, anthropogenic, evergreen bush formation of the Mediterranean hard leaf vegetation zone“. Simply put, the macchia covers the ground with a kind of shaggy jungle that you can’t walk through unless you’re a goat that eats its way through. Described and praised a thousand times by travel journalists and writers. The Macchia does it reliably: uniquely spicy smells. Aaaah.

Sardinia to taste

There are many sheep in Sardinia. Where there are many sheep, there is sheep cheese, and therefore the Pecorino is a thoroughly Sardinian type of cheese. There are dolce (soft, short matured) and maturo (hard, long matured) cheeses, as well as many varieties in between, which should be tried in a good shop or restaurant. Attention: If „Casu marzu“ is written on the menu, one should engage in serious soul-searching before ordering. Literally translated, it is „rotten cheese“ in such a way that it is interspersed with live maggots. A speciality that deserves this name.

Less challenging are the Culurgionis, a kind of Sardinian ravioli, often served as a second course, for example with potato filling and fruity tomato sauce.

No meal without Pane carasau, a fast very hot baked bread in super-thin slices. The Sardinians also make a special dish out of it by covering the bread slices soaked in broth with tomato sauce, pecorino and fried egg. Just before eating, smear the fried egg with the fork and roll it up. More „Cucina Tipico“ is not possible.

Meat lovers will be delighted by the pleasure of porceddu, the suckling pig, which is usually hung together with some of its kind on a magnificent barbecue on the open fire. A sight that cooks are proud of and vegetarians are not particularly keen on.

The Sardines take the roe from the mullet and serve it as bottarga, preferably with spaghetti.

The Sardinians also know wine: the red Cannonau and the white Vermentino di Gallura.

The local sweet speciality Torrone consists of honey, almonds and egg white and is also suitable as a souvenir under three conditions:

  • You have a crazy craving for candy once in a while.
  • The next opportunity to brush your teeth is not far away.
  • You can still remember why it was so tasty on holiday.
Sardinia to feel

The Sardinia feeling is not so easy to describe with words. Admittedly: Sometimes there’s a heavy weather kitchen, and the Scirocco can bother you with sand from the Sahara.

But the typical Sardinian feeling – for example in Cala Gonone on the east coast – goes like this: although it is September, mild air and 25 degrees warm sea touch the skin. Under the soles of your feet a beach of marble-like pretty stones tingles, and small striped would-be piranhas, the cheeky nursery of a Mediterranean fish species that likes to annoy tourists in the gently splashing crystal-clear water, pinch your calves.

As already mentioned: You have to experience it yourself.