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Lebensfreude Zeitgeist

Scheitern. Die große Herausforderung des Älterwerdens

Scheitern will eigentlich niemand. Dennoch hat Scheitern inzwischen eine Art positives Image. Denn für Erfinder, Unternehmer oder Arbeitnehmer kann sich die Hoffnung erfüllen: Dem, der aus Fehlern lernt, bringt das Versagen irgendwann den Erfolg. Was sind Steve Jobs, J.K. Rowling, Roger Federer doch gescheitert, bevor sie weltberühmt und steinreich wurden.

Doch zum 13. Oktober, dem Tag des Scheiterns (wenn auch nur in Finnland), blicken wir hier auf Formen des Scheiterns, die uns in späteren Lebensjahren begegnen können: körperliche und geistige Einschränkungen, Verluste, Abhängigkeit.

Noch nie gab es so viele junge Ältere, die sich noch leistungsfähig fühlen und dies auch kultivieren. Und dennoch: Wir bauen ab. Gewohnte Merkmale wie junges Aussehen und kraftvolle Fähigkeiten können unterschiedlich schnell und unterschiedlich intensiv schwinden. Aber sie schwinden.

Was bedeutet nun Scheitern? Wer wagt, gewinnt, heißt es. Risiken und Niederlagen gehören zum Fortschritt, ökonomisch wie in der persönlichen Lebensplanung.

Fail, Epic Fail …

Manchmal entsteht der Eindruck, Scheitern sei regelrecht schick geworden. Im Internet verbreiten sich tausende Videos, auf denen Menschen ihren Fail, wie failure (Misserfolg) verkürzt wird, der Welt vor Augen führen. Pleiten, Pech und Pannen des täglichen Lebens werden international. Hin und hergerissen zwischen Scham und Stolz geben Teilnehmer auf speziellen Partys ihren Epic Fail, also ihr monumentales Scheitern, zum Besten.

… und Fail Forward

Bücher und Kurse zum Thema propagieren die heilsamen Effekte des Scheiterns. Unternehmen senden ihre Mitarbeiter zu „Scheiter-Konferenzen“, damit sie lernen, wie man aus Misserfolgen Erfolge macht. Berater bieten unter dem Motto „Fail forward“, wörtlich übersetzt: „scheitere dich voran“, ihr Know-how zum fehlertoleranten Management an.

Der Sinn des Scheiterns

Hinter der Bejahung von Missgeschicken steckt der Glaubenssatz: Im Scheitern steckt ein Sinn. Scheitern darf nicht nur eine sympathische menschliche Eigenheit sein, sondern sogar der Kern von Kreativität und Neuerung.

Die Idee ist, dass der Mensch seine Handlungen ändert und das Fehlermachen schließlich zum Gelingen führt.

Die Regeln haben sich geändert

Was aber bedeutet Scheitern, wenn die Handlungsfreiheit und -fähigkeit des Scheiternden eingeschränkt sind? Wenn Sepp Herbergers Satz „Nach dem Spiel ist vor dem Spiel“ nicht mehr gilt, weil sich die Spielregeln geändert haben.

In Grundzügen könnte auch beim altersbedingten Scheitern gelten, was Karrierecoaches den jüngeren Menschen empfehlen: Mit dem Scheitern wird besser zurechtkommen, wer es schafft, negative Gefühle loszulassen.

Zum Beispiel: Ich kann nicht mehr stundenlang wandern. Und wenn es auch mein liebstes Hobby und sinnstiftendes Lebenselixier ist, so muss ich es doch akzeptieren. Je kürzer die Zeit des Nachtrauerns, desto gekonnter die Reaktion aufs Scheitern.

Zwischen Jungsein und Annehmen

Älterwerdende haben ja ständig einen schwierigen Balanceakt zu bewältigen: Einerseits wollen und sollen sie das Alter nicht überbewerten und aufgrund irgendeiner Zahl oder gesellschaftlicher Erwartungen auf Lebensqualität verzichten. Andererseits bietet das Altern Umstände, die nicht verdrängt werden sollten und ein Annehmen erfordern.

Darf man natürliche Vorgänge Scheitern nennen?

Man könnte nun einwenden, dass man nur in einer Leistungsgesellschaft auf die Idee kommen kann, die als negativ empfundenen Begleiterscheinungen des Alterns als Scheitern zu betrachten. Schließlich ist dies etwas völlig Natürliches.

Auch wenn es hart klingen mag – der Begriff Scheitern steht hier dafür, ein erwünschtes Ziel (zum Beispiel seine Haare zu behalten) oder einen Plan (zum Beispiel möglichst lange fit zu bleiben) nicht zu erreichen. Die jugendliche Unsterblichkeitsüberzeugung mögen wir zwar hinter uns haben. Doch darf bei Verlusten in der späteren Lebensphase von einer gewissen Unfreiwilligkeit ausgegangen werden.

In diesem Sinne kann das Gefühl des Scheiterns aufkommen. Mit den entsprechenden Konsequenzen: Man muss sich mit sich selbst und den Gegebenheiten stärker auseinandersetzen. Nur so entsteht, was man in dieser Lebensphase gut gebrauchen kann:

  • Mehr Flexibilität, um etwas Neues anzugehen
  • Die Stärke, weitere Rückschläge zu riskieren

Denn immer wieder etwas Neues auszuprobieren gilt als Inbegriff des aktiven, selbstbestimmten Älterwerdens. So gesehen fördert Scheitern die individuelle Entwicklung.

Psychologisches Immunsystem

Zuversichtlich stimmt dabei die Erkenntnis, dass uns unsere Psyche bei der Verarbeitung von Rückschlägen helfen kann. Der amerikanische Harvard-Professor Daniel Gilbert hat die seelischen Regulierungsmechanismen erforscht und das „psychologische Immunsystem“ entdeckt. Der Mensch verfüge über psychische Prozesse, die ihn nach einem gewissen Zeitraum wieder zufrieden werden lassen. Dies gilt umso mehr, wenn er in einer Lage steckt, aus der er nicht mehr rauskommt. Zum Beispiel das Alter.

Doch wie steht es, wenn es noch schlimmer kommt? Wenn eine Krankheit oder ein Unfall meine späten Lebenspläne zum Scheitern bringen, weil ich von anderen abhängig geworden bin?

Das Scheitern im Alter testet uns aus und bringt uns an Grenzen. Wo sollen wir in diesem Fall Sinnhaftigkeit finden? Die Idee vom Gelingen muss immer neu definiert werden. Wohl dem, der weise und gelassen genug sein kann, eine Lebensform daraus zu machen. Der es meistert, sich im Scheitern gewissermaßen einzurichten.

Fail better

Nach einer Reihe von Niederlagen im Alter trifft mehr denn je zu, was Samuel Beckett geschrieben hat: „Ever tried. Ever failed. No matter. Try again. Fail again. Fail better.’” („Immer versucht. Immer gescheitert. Was soll’s. Versuche es wieder. Scheitere wieder. Scheitere besser.“)

Was könnten wir aufs Alter bezogen daraus lernen? Weder grübeln noch hadern. Akzeptieren. Ein neues Gefühl für das Leben entwickeln. Zum Beispiel, indem wir uns erlauben, Schwäche zu zeigen und Geborgenheit anzunehmen. Stolz auf die Vergangenheit sein, aber in der Gegenwart leben.

Dabei sollte man die Lebenslagen, die das Alter in petto hat, nicht als ein rein individuelles Problem betrachten. Auch Gesellschaft und Politik könnten dazu beitragen, dass wir diese Herausforderungen besser bewältigen. Mit mehr Respekt und einer positiveren Haltung gegenüber dem Älterwerden. Und schlicht mit Fakten und Tatsachen. Eine Pflegerin für vier Personen kann die Gegenwart eines Menschen, der um ein würdevolles Leben ringt, besser gestalten als eine Pflegerin für zwanzig. Denn jeder Tag ist ein Neubeginn bis zum Ende.

English Version

Failure. The great challenge of aging

Nobody really wants to fail. Nevertheless, failure now has a kind of positive image. For inventors, entrepreneurs or employees, hope can come true: For those who learn from mistakes, failure brings success at some point. We are told to just think of the failures of Steve Jobs, J.K. Rowling, Roger Federer before they became world famous and rich.

But on 13 October, the day of failure (albeit only in Finland), we look here at forms of failure that we may encounter in later years: physical and mental limitations, losses, dependence.

Never before have there been so many young elders who still feel energetic and cultivate it. And yet: we are diminishing. Familiar characteristics such as a young appearance and powerful abilities can dwindle at different speeds and with different intensity. But they dwindle.

So what does failure mean? Who dares, wins, it says. Risks and defeats are part of progress, both economically and in personal life planning.

Fail, Epic Fail …

Sometimes you get the impression that failure has become really chic. Thousands of videos spread on the Internet in which people present their fail, short for failure, to the world. The failures, misfortunes and mishaps of daily life are becoming international. Torn between shame and pride, participants give their Epic Fail at special parties.

… and Fail Forward

Books and courses on the subject propagate the beneficial effects of failure. Companies send their employees to „failure conferences“ to learn how to turn failures into successes. Under the motto „fail forward“, consultants offer their know-how on fault-tolerant management.

The meaning of failure

Behind the affirmation of mishaps is the belief that failure has meaning. Failure must not only be a sympathetic human peculiarity, but even the core of creativity and innovation.

The idea is that man changes his actions and making mistakes eventually leads to success.

The rules have changed

But what does failure mean when the freedom and ability to act of the person who fails are restricted? When Sepp Herberger’s sentence „After the game is before the game“ no longer applies because the rules of the game have changed.

What career coaches recommend to younger people could also apply to age-related failure: Those who manage to let go of negative feelings will cope better with failure.

For instance: I can’t hike for hours any more. And even if it is my favourite hobby and a meaningful elixir of life, I still have to accept this fact. The shorter the time of mourning, the more skilful the reaction to failure.

People who are getting older constantly have to cope with a difficult balancing act: On the one hand, they don’t want to and shouldn’t overestimate their age and sacrifice quality of life due to a certain number or social expectations. On the other hand, ageing offers circumstances that should not be suppressed and require acceptance.

Can natural processes be called failure?

One could argue that only in an achievement-oriented society can one come up with the idea of considering the side effects of ageing, which are perceived as negative, as failure. After all, this is something completely natural.

Even if it may sound hard – the term failure stands here for not achieving a desired goal (for example to keep one’s hair) or a plan (for example to stay fit as long as possible). We may have the youthful conviction of immortality behind us. However, in the case of losses in the later phase of life, a certain involuntariness can be assumed.

In this sense, the feeling of failure can arise. With the corresponding consequences: You have to deal more with yourself and the circumstances. This is the only way to create what you need in this phase of life:

  • Greater flexibility to tackle something new
  • The strength to risk further setbacks

Because trying out something new again and again is regarded as the epitome of active, self-determined ageing. Seen in this light, failure promotes individual development.

Psychological immune system

The realization that our psyche can help us deal with setbacks is a source of confidence. The American Harvard professor Daniel Gilbert has researched mental regulation mechanisms and discovered the „psychological immune system“. The human being has psychological processes that allow him to be content again after a certain period of time. This is all the more true if he is in a situation from which he can no longer get out. For example, age.

But what if it gets worse? When an illness or an accident ruins my future life plans because I have become dependent on others?

Failure in old age tests us and pushes us to our limits. Where should we find meaning in this case? The idea of success must always be redefined. Blessed is the one who can be wise and calm enough to turn it into a way of life. He who masters how to get settled, so to speak, in failure.

Fail better

After a series of defeats in old age, what Samuel Beckett wrote applies more than ever: „Ever tried. Ever failed. No matter. Try again. Fail again. Fail better.“

What could we learn from this in terms of age? Neither brooding nor struggling. Accept. Develop a new feeling for life. For example, by allowing ourselves to show weakness and accept being sheltered. Being proud of the past, but living in the present.

One should not regard the life situations that age has in store as a purely individual problem. Society and politics could also help us to cope better with these challenges. With more respect and a more positive attitude towards ageing. And simply with facts and figures. A four-person nurse can make the presence of a person struggling for a dignified life better than a twenty-person nurse. Because every day is a new beginning to the end.

One should not regard the life situations that age has in store as a purely individual problem. Society and politics could also help us to cope better with these challenges. With more respect and a more positive attitude towards ageing. And simply with facts and figures. A four-person nurse can make the presence of a person struggling for a dignified life better than a twenty-person nurse. Because every day is a new beginning to the end.

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Lebensfreude Zeitgeist

Mikroabenteuer – geht auch für Cool Ager

Mikroabenteuer. Frei nach Viktor Hugos „Nichts ist so stark wie eine Idee, deren Zeit gekommen ist“ hat eine Banalität einen schönen Namen und viel Beachtung bekommen: statt Globetrotting, Paragliding-Kurs oder Alpenüberquerung einfach mal loslaufen, losfahren, draußen übernachten, billig und einfach, zwischen den Alltagen. Ein Mikroabenteuer braucht nur zwei Schritte: einen raus aus der berühmten Komfortzone und einen ins Ungewisse.

Das kleine Abenteuer nebenan

Im Zeitalter von Pauschalreisen, Kreuzfahrtboom und Smartphoneabhängigkeit hat der britische Autor Alastair Humphreys (Abenteurer des Jahres 2012) den Ausdruck und das Konzept „microadventure“ erfunden. Es lebe der ungeplante Ausbruch aus dem Alltag durch das kleine aufregende Outdoor-Erlebnis ganz In der Nähe von daheim.

Der Mann, den hierzulande alle zu dem Thema fragen, ist Christo Förster. Der fuhr nach eigener Auskunft mal einfach so mit dem Fahrrad von Hamburg nach Berlin und war nach diesem Schlüsselerlebnis nicht mehr ganz derselbe, sondern Deutschlands Vorzeige-Mikroabenteurer. Seine mikroabenteuerlichen Botschaften bringt er erfolgreich per soziale Medien, Presseecho und Buch unter die Leute.

Wie werden Sie nun Mikroabenteurer*? Förster rät: Sie begeben sich spontan nach draußen für acht bis 72 Stunden, zu Fuß, per Rad oder Bahn, mit oder ohne Ziel, möglichst mit Übernachtung.

Plan verboten, Plane erlaubt

Genächtigt wird ohne Zelt, denn wildes Campen ist in Deutschland verboten. Plane drüber geht.

Man könnte freilich auch auf die Idee kommen, einen Fremden zu fragen, ob man in seinem Garten zelten darf. Wenn das kein Abenteuer ist!

Das kleine Abenteurertum kommt an, vor allem in Ballungsräumen. Inzwischen kann man sich von Experten- und Hobby-Minidraufgängern, in Printmedien und im Internet, zu allerlei Mikroabenteuer-Ideen inspirieren lassen. Der Grad an Herausforderung ist unterschiedlich. Doch der echte Mikroabenteurer freut sich sogar, wenn etwas schiefgeht. Denn dann fängt das Abenteuer erst richtig an.

Hasardeure und Sinnsucher
Mikroabenteuer

Wieso brauchen wir überhaupt Abenteuer? Auch im Mikro-Bereich können wir uns an den Erkenntnissen des Wagnisforschers Siegmund Warwitz orientieren. Er befasste sich unter anderem mit der psychischen Verfassung von Wagehälsen und Extremsportlern. In seiner Wagnistheorie unterscheidet er zwischen dem Thrill-Seeker und dem Skill-Seeker. Ersterer sucht den schnellen intensiven Kick, letzterer geht ein Wagnis ein, um langfristig gewinnbringende Werte zu verwirklichen.

  • Verantwortungslose Hasardeure sehen demnach das Abenteuer als Selbstzweck und gehen nicht mehr beherrschbare Risiken ein (Bankenkrise).
  • Verantwortungsbewusste Wagemutige erleben das Wagnis als sinnvolles Mittel zu mehr Lebensqualität (Montagsdemonstranten).

Im Interview mit einer Zeitschrift „für Risikomanagement im Bergsport“ erklärt Warwitz: „Wer für ein lohnendes Erlebnis Strapazen auf sich nimmt, ist jung geblieben, auch wenn er bereits älter geworden ist an Jahren.“

Hänsel und Gretel im Wald?
Mikroabenteuer

Auch wenn wir uns danach vielleicht jünger und glücklicher fühlen – wer hat eigentlich Lust auf Frostbeulen, durchgeweichte Klamotten, einen Platten zu flicken, Zecken zu entfernen, sich im Wald zu verirren, mit einem Obdachlosen verwechselt zu werden, beklaut zu werden, Fremde um Hilfe zu bitten oder gar auf der Polizeiwache zu landen? Das sind zugegebenermaßen tolle Abenteuer, aber vermutlich eher geeignet für junge, sehr fitte Menschen.

Doch raus aus dem Alltag, etwas Neues entdecken, etwas wagen für ein lohnendes Ergebnis – das wollen ältere Semester auch. Schließlich lautet gerade im fortgeschrittenen Alter das ultimative Motto: „Runter vom Sofa“.

In diesem Sinne kommen Mikroabenteuer dem Cool Ager gerade recht.

Kleine Abenteuer für Cool Ager

Wir fassen zusammen: Es muss spontan auszuführen, aber hinreichend anstrengend sein, und man weiß nicht genau, was kommt. Da hätten wir doch ein paar Ideen:

  • Sie verbringen einen ganzen Tag draußen mit den Enkeln.
  • Sie klappern die Stadtviertel ab, die Sie noch nicht kennen.
  • Sie marschieren/radeln in Richtung Kino/Theater und haben keine Ahnung, was läuft.
  • Sie wandern zehn Kilometer am Stück in Ihrer Umgebung herum und lassen abenteuerlicherweise die Karte weg.
  • Sie begeben sich zum Bahnhof und nehmen den nächsten Zug, der irgendwo hinfährt, wo es nett sein könnte.
  • Sie rufen Ihre Freunde/Familie zum Geocoaching.
  • Es regnet ins Strömen, und Sie gehen (goretexgerüstet) trotzdem raus.
  • Sie übernachten im Sommer mal auf dem Balkon oder im Garten, gerne auch mit Zelt.

Im Sinne des ethisch-moralisch ausgerichteten Wagnisses kann man mit seinem kleinen Abenteuer auch werthaltige Erlebnisse bei ehrenamtlichen Unternehmungen haben:

  • Sie unterstützen Sozialarbeiter auf dem nächtlichen Rundgang, zum Beispiel im Winter beim Verteilen von heißen Getränken an Obdachlose.
  • Sie helfen in einer Wildtierschutzstation in Ihrer Nähe mit (auch beim Käfigsaubermachen).
  • Sie packen bei der Tafel mit an (Fitness vorausgesetzt).

Es gehört eigentlich nicht hierher, aber falls Ihnen Mikro zu klein ist und Sie doch Lust auf ein größeres Abenteuer haben:

Mikroabenteuer

Jeder ist seines Kickes Schmied. Welches Mikroabenteuer fällt Ihnen ein? Schreiben Sie einen Kommentar!

*Mit Mikroabenteurer sind selbstverständlich auch Mikroabenteurerinnen gemeint.

English Version

Microadventure – also works for Cool Agers

Microadventure. According to Viktor Hugo’s „Nothing is as strong as an idea whose time has come“, a banality has got a nice name and a lot of attention: instead of globetrotting, paragliding or crossing the Alps, just run off, drive off, spend the night outside, cheap and easy, between everyday life. A microadventure needs only two steps: one out of the famous comfort zone and one into the unknown.

The little adventure next door

In the age of package travel, the cruise boom and smartphone addiction, British author Alastair Humphreys (Adventurer of the Year 2012) invented the term and concept „microadventure“: the unplanned escape from everyday life by the small exciting outdoor experience quite near home.

The expert in this country is Christo Förster. He once spontaneously rode his bicycle from Hamburg to Berlin and after this key experience was no longer the same, but Germany’s showpiece microadventurer. He successfully brings his microadventure messages to the people via social media, press coverage and books.

How do you become a micro-adventurer*? Förster advises: „You spontaneously go outside for eight to 72 hours, on foot, by bike or train, with or without a destination, preferably with an overnight stay.

Plan forbidden, tarp allowed

Sleeping is done without a tent, because wild camping is forbidden in Germany. A tarp is allowed.

You could, of course, come up with the idea of asking a stranger if you are allowed to camp in his garden. If this isn’t an adventure!

The small adventurism becomes popular, especially in urban areas. One can be inspired to all kinds of microadventure ideas by expert and hobby adventurers, in print media and on the Internet. The degree of challenge varies. But the real microadventurer is even happy when something goes wrong. Because that’s when the adventure really begins.

Hasardeurs and seekers of meaning

Why do we need adventure anyway? Even in the micro range we can orient ourselves on the findings of the German venture researcher Siegmund Warwitz. Among other things, he dealt with the mental condition of daredevils and extreme athletes. In his „risk theory“ he distinguishes between the Thrill-Seeker and the Skill-Seeker. The former seeks the fast intensive kick, the latter takes a risk in order to realise profitable values in the long term.

  • According to this, irresponsible hazard-mongers see adventure as an end in itself and take risks that can no longer be controlled (banking crisis).
  • Responsible risk-takers experience the risk as a meaningful means to a better quality of life (East German Monday demonstrators)

In an interview with a magazine for risk management in mountaineering, Warwitz explains: „Anyone who takes the strain for a rewarding experience has stayed young, even if he has already grown older in years“.

Hansel and Gretel in the woods?

Even if we might feel younger and happier afterwards – who actually wants to get frostbitten, soaked clothes, patch up a flat, remove ticks, get lost in the woods, be confused with a homeless person, be robbed, ask strangers for help or even end up at the police station? Admittedly these are great adventures, but probably more suitable for young, very fit people.

But escaping from everyday life, discovering something new, daring something for a rewarding result – that’s what older semesters also want. After all, the ultimate motto, especially at an advanced age, is: „Get off the sofa“.

In this sense microadventures are just right for the Cool Ager.

Little adventures for Cool Ager

Let’s recap: It must be spontaneous, but sufficiently exhausting, and you don’t know exactly what’s coming. We have a few ideas:

  • You spend a whole day outside with your grandchildren.
  • You will visit the districts you don’t know yet.
  • You march/cycle towards the cinema/theatre not knowing what will be performed.
  • You walk ten kilometres in a row in your surroundings and leave the map at home for an adventure.
  • You go to the station and take the next train, which goes somewhere where it might be nice.
  • You call your friends/family for geocoaching.
  • It’s raining cats and dogs and you go out anyway (goretex equipped).
  • In summer you can spend the night on the balcony or in the garden, tent allowed.

In the sense of an ethically and morally oriented venture, one can also have valuable experiences with a microadventure in volunteer activities:

  • You support social workers on the nightly tour, for example in winter when distributing hot drinks to the homeless.
  • You help out in a wildlife sanctuary near you (including cleaning the cages).
  • You help out at a soup kitchen such as „Tafel“ (fitness required).

It doesn’t really belong here, but if Micro is too small for you and you still feel like a bigger adventure:

  • You take responsibility for a pet.
  • You go abroad as an aupair grandmother.

What micro-adventure can you think of? Write a comment!

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Gesundheit & Wohlfühlen Lebensfreude Zeitgeist

Deutschen fehlt Respekt vor Älteren. Eine Lösung: Cool Aging

Respekt vor Älteren? Laut einer internationalen Umfrage sieht es in der deutschen Gesellschaft damit mau aus. Unteres Mittelfeld in 101 Ländern. Dabei liefert dieselbe Studie den besten Grund, dies zu ändern. Nicht nur die Alten würden von mehr Respekt profitieren. Die wertschätzende Einstellung gegenüber dem Alter würde auch den noch Jungen zu einem gesünderen und längeren Leben verhelfen. Selbst wenn diese sich noch nicht vorstellen können, dass auch sie eines Tages eventuell vielleicht möglicherweise mal älter sind.

Was ist eigentlich Respekt? In Deutschland wird der Begriff oft mit Gehorsam in einer Hierarchie verbunden. So bekam der Respekt seit der 68er-Bewegung einen negativen Klang. In der Formulierung „Respekt vor jemandem“ schwingt sogar das Gefühl von Scheu und Vorsicht mit. Die aus dem englischen Sprachgebrauch stammende Wendung „Respekt für jemanden“ (respect for somebody) ist im Duden noch nicht angekommen.

Respekt vor und für

Dabei würde sich „Respekt für“ in Ergänzung zu „Respekt vor“ bestens eigenen, um das Wort genauer zu definieren. Der amerikanische Philosoph Stephen Darwall unterscheidet zwischen bewertendem und anerkennendem Respekt. In diesem Sinne beschreibt die Forschungsgemeinschaft Respect Research Group zwei Erscheinungsformen:

  • Vertikaler Respekt: Achtung von unten nach oben, zum Beispiel als Hochachtung vor der Leistung eines anderen
  • Horizontaler Respekt: Wertschätzung eines anderen als gleichwertig aus sich selbst heraus im Sinne der Menschenwürde

Sprachlich könnte also „Respekt vor“ auf den vertikaler Respekt, „Respekt für“ auf den horizontalen Respekt hindeuten.

Was nun die älteren Mitglieder einer Familie oder Gesellschaft angeht, kann man ihnen sicher vertikalen Respekt, zum Beispiel vor der Lebensleistung, zollen.

Bedeutsamer dürfte sein, dass die älteren Mitmenschen, die sich nicht mehr in beruflichen und familiären Pflichten bewähren müssen oder können, um ihrer selbst willen anerkannt werden. Anders gesagt: Als horizontal respektierte bekämen ältere Menschen Wertschätzung für ihre neue Rolle.

Lebensqualität für alle

Wenn dies gelänge, könnte eine wahre Win-Win-Situation entstehen. Denn wer positiv und wertschätzend über das Alter denkt, hat statistisch bessere Chancen, selber gesund und fit zu bleiben. Der Rechercheverband Orb Media, der zusammen mit der Wochenzeitung Die Zeit die relative Respektloskeit der Deutschen gegenüber ihren Alten eruiert hat, sieht seine Umfrageergebnisse in einer Studie der Yale-Professorin Becca Levy bestätigt. Demnach lohnt es sich, eine respektvolle Meinung vom Alter zu haben, weil man dann selber weniger an Ängsten leidet, sich schneller von Krankheiten erholt und mit geringerer Wahrscheinlichkeit an Demenz erkrankt.

Bliebe die Frage: Wie soll sich der Wandel zu mehr Respekt vor Älteren / für Ältere einstellen? Bei einer Haltung lässt sich nicht einfach ein Schalter umlegen. Experten raten, das Thema Älterwerden mit positiven Bildern zu verbinden. Zum Beispiel mit der Erkenntnis, dass man die Vorteile der späteren Lebensphasen genießen sowie Herausforderungen anpacken kann. Cool Aging ist gefragt.

Sicher schadet es nicht, eine positive Haltung und Respekt gegenüber dem Alter in kleinen alltäglichen Einheiten auszuleben. Wichtig wäre dabei wohl, dass nicht Höflichkeiten abgespult werden, sondern der ältere Mensch in seiner persönlichen Verfassung erkannt und anerkannt wird.

Sitzenbleiben oder Siezen?

Ein klassisches Beispiel ist das Platzanbieten im vollbesetzten Bus. Ob die ältere Frau oder der ältere Mann sich viel zu fit fühlen und den Platz gar nicht wollen, lässt sich im Zweifel durch einen kurzen freundlichen Dialog schnell aushandeln. Und wie hält man es mit dem Siezen? Viele Ältere bleiben gerne bei dieser Höflichkeitsform der Anrede. Andererseits: Werden Ältere in einer Gruppe mit Jüngeren – zum Beispiel beim Sport – gesiezt, können sie sich leicht ausgegrenzt fühlen. Auch hier hilft es einfach zu fragen.

Nicht vergessen: Umgekehrt gehört zum positiven Altersbild natürlich auch der Respekt der Älteren vor den Jüngeren / für die Jüngeren. Cool Ager hätten da ein paar Vorschläge. Ältere

  • grenzen sich nicht von nachfolgenden Generationen ab
  • interessieren sich ehrlich für die Belange der Jüngeren
  • erkennen die Unabhängigkeit Jüngerer an
  • wertschätzen die Leistungen der Jüngeren

Für alle Generationen gilt: Respekt ist Arbeit. Aber vielleicht schneiden wir dann bei der nächsten Respekt-Umfrage besser ab.

English Version

Germans lack respect for their elders. One solution: Cool Aging

Respect for elders? According to an international survey, German society is looking in a bad light. Lower midfield in 101 countries. The same study provides the best reason to change this. Not only the elderly would benefit from more respect. The appreciative attitude towards old age would also help young people to live healthier and longer lives. Even if they can’t yet imagine that one day they might be older, too

What is respect anyway? In Germany, the term is often associated with obedience in a hierarchy. Since the 68 movement, respect has had a negative sound. In the phrase „Respekt vor jemandem“ even the feeling of shyness and caution resonates. The English phrase „respect for somebody“ („Respekt für jemanden“) has not yet arrived in the German dictionary Duden.

„Respekt für“, in addition to „Respekt vor“, would be a good way to define the word more precisely. The American philosopher Stephen Darwall distinguishes between evaluative and appreciative respect. In this sense, the Respect Research Group describes two manifestations of respect:

  • Vertical respect: respect from bottom to top, for example as a tribute to someone else’s performance.
  • Horizontal respect: appreciation of another as equal out of oneself in the sense of human dignity

Linguistically, „Respect vor“ could therefore indicate vertical respect, „Respekt für“ horizontal respect.

As far as the older members of a family or society are concerned, we can certainly pay them vertical respect, for example for their life’s work.

More importantly, older people who no longer have to or are no longer able to prove themselves in professional and family duties are recognised for their own sake. In other words, as horizontally respected, older people would be valued for their new role.

Quality of life for all

If this could be achieved, a true win-win situation could arise. Because those who think positively and appreciatively about old age have statistically better chances of staying healthy and fit themselves. The research association Orb Media, which together with the weekly newspaper Die Zeit has investigated the Germans‘ relative disrespect for their elders, sees its survey results confirmed in a study by Yale professor Becca Levy. According to the study, it is worth having a respectful opinion of old age, because then one suffers less from fears, recovers more quickly from illnesses and is less likely to suffer from dementia.

One question remaines to be answered: How should the change to more respect for older people take place? With an attitude, you can’t just flip a switch. Experts recommend combining the topic of aging with positive images. For example, with the realization that one can enjoy the advantages of later phases of life and tackle challenges. Cool aging is in demand.

Certainly it does not hurt to live out a positive attitude and respect for old age in small everyday units. It would be important not to do routines of being polite, but to recognize and appreciate the elderly person in his or her personal condition.

A classic example is offering a seat in a fully occupied bus. Whether the older woman or the older man feels much too fit and doesn’t want the seat at all, can be quickly negotiated through a short friendly dialogue. And what about the „Siezen“, the German formal term of addressing someone? Many older people like to stick to this form of courtesy. On the other hand, if older people are treated in a group with younger people – for example in sports – they can easily feel excluded. Here, too, it helps to simply ask.

Don’t forget: Conversely, the positive image of old age naturally also includes the respect of older people for younger people. Cool Agers have a few suggestions. Older

  • do not distinguish themselves from future generations
  • are honestly interested in the concerns of the younger ones
  • recognise the independence of younger people
  • appreciate the achievements of the younger generation

For all generations, respect is work. But maybe we will do better in the next respect survey.