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Herbstblues: Tipps gegen die saisonale Depression

Im Herbst werden die Tage kürzer. Weniger Sonnenlicht bewirkt allerhand: Bäume lassen die Blätter fallen, Tiere bekommen ihr Winterfell, Menschen rutschen ins Stimmungstief. Denn in der Herbst- und Winterzeit tritt bei etwa einem Drittel der Deutschen die saisonal-affektive Störung auf. Weniger psychologenfachsprachlich ausgedrückt: Der Herbstblues ist im Anmarsch. Sie können ihn aber auch wieder wegschicken mit folgenden Tipps:

In der Biologie des Körpers bewirkt der Lichtmangel zwei entscheidende Veränderungen: Die Produktion des Glückshormons Serotonin wird reduziert, und die Ausschüttung des Müdigkeitshormons Melatonin wird hochgefahren. Einige klassische Anzeichen für den Herbstblues, der sich von der „echten“ Depression abgrenzen lässt, sind Antriebslosigkeit, negative Gedanken, Heißhunger und erhöhtes Schlafbedürfnis.

Raus ans Licht

Die naheliegende Empfehlung bei depressiver Verstimmung im Herbst ist: Holen Sie sich das Licht zurück! Am einfachsten haben es Ruheständler und Selbständige. Sie können sich den Luxus gönnen, den die meisten Arbeitnehmer nicht haben, nämlich ausgiebig in der Mittagszeit nach draußen zu gehen. Schlechtes Wetter sollte Sie keineswegs abhalten. Selbst im Nebel bringt der Aufenthalt im Freien noch ein Vielfaches an Lichtintensität im Vergleich zum künstlich beleuchteten Raum. Ziehen Sie sich wind- und wasserfest an. Schon ein einstündiger Spaziergang bringt Kreislauf und Laune in Schwung. Liegt Ihr Ziel etwas weiter weg, nehmen Sie das Fahrrad statt das Auto.

HerbstbluesRein mit dem Licht

Die zweite Möglichkeit: Holen Sie sich das Licht in die vier Wände. Eine anerkannte Methode gegen die Herbstdepression ist die Lichttherapie mit Lampen, die über eine große, gleichmäßig helle, tageslichtweiße Leuchtfläche das Tageslicht nachahmen. Bei einer Lichtintensität von mehreren tausend Lux lässt man sich am besten morgens oder vormittags eine halbe bis ganze Stunde lang schönstes Sonnenwetter vorgaukeln. Zum Vergleich: Normale Zimmerlampen leuchten mit wenigen hundert Lux. Bei der Lichttherapie soll einerseits der stimmungsaufhellende Botenstoff Serotonin wieder vermehrt ausgeschüttet werden. Andererseits soll der Blauanteil des Lichtes die Ausschüttung des Schlafhormons Melatonin hemmen. Es empfiehlt sich, die Lichttherapie mit Arzt oder Ärztin abzusprechen. Wer sich keine Therapielampe anschaffen möchte, findet auch Angebote zur Lichttherapie direkt in der Klinik oder beim Arzt.

Im Herbst ist der Mensch nicht gern alleine

Wer im Oktober Laufschuhe und Fahrrad einmottet, tut seiner Seele nichts Gutes. Gerade in der kalten Jahreszeit steckt sie gerne in einem Körper in Bewegung. Wenn Sie Ihren Lieblings-Sport gemeinsam mit Gleichgesinnten in der freien Natur ausüben, wird Ihre Herbstlaune ohnehin eher gut als getrübt sein. Unternehmen Sie verstärkt Aktivitäten, die Sie zufrieden machen, seien es ein helfendes Ehrenamt, ein Hobby oder kulturelle Erlebnisse wie Kino-, Konzert- und Theaterbesuch ­­­– alles, was Sie ganz und gar einnimmt und so von trüben Gedanken ablenkt.

Düfte und Farben

Ein stimmungshebender Effekt wird auch bestimmten Aromen zugesprochen. Aromaöle können beispielsweise in einer Duftlampe, als Badezusatz oder als Körperöl ihre Wirkung entfalten. Als Stimmungsaufheller gelten vor allem die Aromen von Orange und Zitronen.Herbstblues

Neben der Licht- und Aromatherapie kann auch eine kleine Farbtherapie den Herbstblues bekämpfen. Wenn Ihre Lieblingsfarbe grau ist, können Sie vermutlich dem Herbstnebel wahre Schönheit abgewinnen. Allen anderen sei empfohlen, sich mit warmen und anregenden Farben wie Rot, Orange, Gelb oder Grün zu umgeben. Verleihen Sie Ihrem Heim durch bunte Stoffe, Bilder oder Blumensträuße aufhellende Akzente.

Klänge, Schlaf und Wellness

Beim Musikhören muss es nicht unbedingt die Tonart Moll sein. Den notorischen Sommerhit mag man zwar nicht mehr hören.­ Doch lassen Sie möglichst Werke an Ihr Ohr, die Sie fröhlich stimmen.

Wenn Sie gerade jetzt müde und missmutig sind, stellt sich die Frage: Kommen Sie Ihrem Schlafbedürfnis ausreichend nach? Sorgen Sie für genügend guten Schlaf.

Auch Wellness wirkt gegen das Tief im Herbst. Dabei muss es kein teures Spa sein, auch der Besuch einer schlichten Sauna im Fitnessclub stärkt Laune und Abwehrkräfte.

Die Freuden der Jahreszeit genießen

HerbstbluesEine andere Methode gegen den Herbstblues kann darin liegen, sich auf den Reiz des Wechsels von Jahreszeiten einzulassen. So könnten Sie im Park oder Wald die sensationellen Farben des Herbstes bewundern und sich zuhause an der Atmosphäre von Kerzenlicht in der Dämmerung erfreuen. Entdecken Sie erneut den Wohlgeschmack herbsttypischer Speisen wie Pilzgerichte und Apfelkuchen. Achten Sie auch bei den Herbstgenüssen auf gesunde Ernährung. Deftiges Essen macht nachweislich nur fröhlich, wenn die enthaltenen Fette gesunde Fette sind. Die stecken zum Beispiel in Avocados, Olivenöl, Lachs und Nüssen.

Machen Sie es wie die Skandinavier, die in der kälteren Jahreszeit mit extrem wenig Sonnenlicht klarkommen müssen. Sie praktizieren Hygge, die ureigene Form der Gemütlichkeit im trauten Heim und in geselliger Runde.

Ein Geheimnis mit dem Ende der sommerlichen Heiterkeit umzugehen, könnte auch eine entspannte Betrachtungsweise der veränderten Stimmung sein. So könnten Sie ein leichtes Stimmungstief mit den gleichen Augen sehen wie Victor Hugo, der sagte:

„Melancholie ist das Vergnügen traurig zu sein.“

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Fettleber: verbreitet, verborgen, gefährlich

Fettleber. Klingt ähnlich hässlich wie Fettfleck. Ist ja auch nicht schön, so eine Leber, in deren Zellen sich zu viele Fette angesammelt haben. Vor allem aber kann sie gefährlich sein: Im fortgeschrittenen Stadium können Leberentzündung, Leberzirrhose und Leberkrebs folgen.

Die Krankheit ist alles andere als selten: Jede fünfte erwachsene Person in Deutschland besitzt eine verfettete Leber, die nicht durch Alkoholismus verursacht wurde. Die schlechte Nachricht: Die meisten wissen es gar nicht. Die gute Nachricht: Rechtzeitig entdeckt, kann das Fett aus der Leber wieder vertrieben werden.*

FettleberAlkoholische versus nichtalkoholische Fettleber

Wenn Sie herausfinden möchten, ob Sie an einer Fettleber leiden, werden Sie sich von Ihrem Arzt oder Ihrer Ärztin vermutlich im ersten Gespräch die Frage „Wie halten Sie es mit dem Alkohol?“ gefallen lassen müssen. Denn der Alkohol, mit dessen Abbau sich die Leber plagen muss, gilt als ein bekannter Verursacher der Leberverfettung.

Doch die Erkrankung tritt auch bei Menschen auf, die wenig oder gar keinen Alkohol trinken. In der Medizin spricht man von der nichtalkoholischen Fettleber.

Lebern leiden leise

Aber wieso kriegt der Mensch eine derart gefährliche Krankheit nicht mit? Die Leber jammert nicht und verursacht keine Schmerzen, allenfalls ein leichtes Druckgefühl, und das auch erst, wenn sie schon ordentlich aufgespeckt hat. Besser kann man einer Fettleber mittels Untersuchung der Leberwerte im Blut auf die Spur kommen. Am sichersten ist Nachsehen: Eine Ultraschall-Untersuchung macht die Verfettung des Gewebes sichtbar. Auch die Kernspintomografie lässt den Blick auf die erkrankte Leber zu. Für genauere Hinweise auf Verfettungsgrad und Ursachen kann außerdem eine Gewebeprobe entnommen werden.

Warum wird eine Leber fett? Bei der alkoholischen Fettleber verrät schon der Name den Grund. Daher sollte man die Alkohol-Gretchenfrage des Arztes entsprechend ehrlich beantworten.

Bei der nichtalkoholischen Fettleber ist die Ursachenforschung diffiziler. So kann eine erblich bedingte Fettstoffwechselstörung zur Leberverfettung führen. Und in scheinbarem Widerspruch bedingt sogar Mangelernährung wie etwa bei einer Essstörung, dass die Leber Fett anreichert. Hier fehlt das Eiweiß, das die Leber für eine ordnungsgemäße Fettabgabe benötigt. Auch bestimmte Medikamente können zu einer Fettleber beitragen.

FettleberHauptursache Übergewicht

Während die Fettleber bei normal bis untergewichtigen Menschen eher selten auftritt, ist ihre häufigste Ursache etwas offensichtlicher: Der reguläre Fettleber-Besitzer ist in seiner Gesamterscheinung auch nicht gerade der schlankste. Vor allem wenn die Taille in einer Bauchfülle mit sehr ungünstigem Taille-Hüfte-Verhältnis untergeht, besteht ein Fettleber-Risiko. Als erhöht gilt es bei einem Bauchumfang über 80 cm bei Frauen und 94 cm bei Männern, auf Höhe des Bauchnabels gemessen.

Vorsicht bei der Apfelfigur

Ein euphemistischer Name für diese Körperfettverteilung, die die Verfettung von Organen begünstigt, ist „Apfelform“. Dieser Apfel ist nicht knackig, sondern steht für ein Überangebot an Kalorien und dem erhöhten Risiko von Diabetes Typ 2. Die damit einhergehende Resistenz gegen Insulin, das eigentlich einen hohen Zuckerspiegel senken soll, sowie erhöhte Blutfettwerte aufgrund einer Fettstoffwechselstörung können die Fettanreicherung in der Leber begünstigen. Die verfettete Leber selbst produziert mehr Zucker und befördert die Stoffwechselerkrankung zusätzlich.

Kurz gesagt: Fettleber und Altersdiabetes bilden ein unheilvolles Joint Venture.

So leise die Fettleber anfangs tritt, so drastisch kann ihre weitere Entwicklung verlaufen. Ist die Leberverfettung weit fortgeschritten, kann sich die Leber zur Hepatitis entzünden, und schließlich kann es zu einer Leberzirrhose kommen. Das Gewebe vernarbt und die Leber versagt. Im Laufe der Leberschädigung kann außerdem ein Karzinom entstehen.

Fett macht fett, Zucker und Faulheit auch

Daher sollte man erstens überreiches Leberfett sehr ernst nehmen und zweitens eine Therapie beginnen, solange sie noch möglich ist. Einen Königsweg über schlichtes Tablettenschlucken kann die Medizin (noch) nicht bieten.

Dennoch ist es einfach, die rechtzeitig entdeckte Fettleber zu behandeln, indem man ihr sozusagen den dekadenten Boden entzieht. Der besteht vor allem aus Fett, Zucker und Bequemlichkeit. Es geht darum, Gewicht zu verlieren, zum Beispiel weniger beziehungsweise keine Bratwurst und Schokocroissants zu essen, wenig beziehungsweise keinen Alkohol zu trinken und das Sofahüten regelmäßig gegen Bewegung, und zwar möglichst sportliche, einzutauschen.

FettleberUnheilvolle Kohlehydrate

Es bringt allerdings nichts, beim Essen nur das Fett wegzulassen oder stark einzuschränken.

Dass Kohlenhydrate die Leber verfetten, weiß auch der Bauer, der massenweise Maisbrei in die arme Gans stopft, um nach dieser Quälerei fettige Pastete verkaufen zu können. Die Leber verwandelt überschüssige Kohlehydrate in Fett und speichert sie so als Energiereservoir für den Körper. Daher gilt neben dem Zucker auch Weißmehl als regelrechter Leberfeind.

Inzwischen gibt es zahlreiche Studien, die vor allem für die Reduzierung der Kohlehydrate in der Nahrung sprechen. Der Verzicht auf Süßes und getreidelastige Sattmacher muss allerdings keineswegs auf Askese hinauslaufen. Vorschläge für eine leckere „Low Carb“-Ernährungsweise füllen ganze Bücherregale. Fettanteile sind dabei durchaus erlaubt, nur sollten sie möglichst aus gesunden Fetten wie Olivenöl bestehen.

FettleberÄltere profitieren von mehr Protein

Doch wie wird man mit weniger Brot und Nudeln satt? Ein Forschungsprojekt des Deutschen Instituts für Ernährung (DIfE) mit Typ-2-Diabetes-Patienten wies darauf hin, dass man erfolgreich dem Fett in der Leber auf den Leib rücken kann, wenn man anteilig mehr Proteine zu sich nimmt. Während eine sehr eiweißreiche Ernährung in der Forschung allerdings nicht unumstritten ist, werden in einer aktuellen Studie des DIfE mit übergewichtigen Probanden ab 65 Jahren die Vorteile insbesondere bei älteren Menschen hervorgehoben. Nicht nur die Fettleber, auch der gesamte Stoffwechsel zeigte deutliche Verbesserungen.

Pflanzliches Protein zur Fettverbrennung

Das Eiweiß muss demnach nicht unbedingt tierischen Ursprungs sein. Ein positiver Fettverbrennungs-Effekt in der Leber ließ sich auch durch einen höheren Anteil an pflanzlichem Protein erzielen. Nichttierisches Eiweiß liefern vor allem Hülsenfrüchte, Nüsse und immer mehr pflanzenbasierte Produkte, die es im Supermarkt oder Bioladen zu kaufen gibt.

*In diesem Blogeintrag geht es um ein Gesundheitsthema. Der Artikel dient jedoch weder zur Eigendiagnose noch zur Eigentherapie und ersetzt keinesfalls Diagnose und Therapie durch eine Ärztin oder einen Arzt.

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Selbstheilung: Fragen Sie Ihren inneren Arzt

SelbstheilungEs gibt einen Arzt, es könnte auch eine Ärztin sein, der 24 Stunden im Einsatz ist, niemals Urlaub macht und nur einen einzigen Patienten hat: Sie. So könnte man sich die Selbstheilungskraft vorstellen, die in jedem Menschen steckt. Und Herr oder Frau Doktor Selbstheilung haben viel zu tun: Keime killen, Gift abbauen, Zellen erneuern, Wunden reparieren, Knochen kitten.

Innere Ärzte haben also einen großen Erfahrungsschatz und sind ziemlich zuverlässig. Das einzige Problem: Man muss sie auch machen lassen. Neurobiologen plädieren dafür, dass wir wieder mehr unserer Selbstheilungskompetenz vertrauen.

Wie kann das gehen?

  • Erstens, die inneren Kräfte durch bestimmte Maßnahmen im Alltag unterstützen.
  • Zweitens, auch mal abwarten, bevor man gleich in die Arztpraxis rennt.
  • Drittens, während einer medizinischen Therapie auch die Rolle der inneren Heilungskraft anerkennen.
Immer im Einsatz

SelbstheilungMan muss kein Anhänger von Esoterik oder spiritueller Geistheilung sein, um sich Selbstheilung zuzutrauen. Ein Blick auf neurowissenschaftliche Erkenntnisse reicht völlig. Einfach ausgedrückt ist Gesundheit das Gleichgewicht, das der innere Arzt in seiner Kommandozentrale Gehirn wiederhergestellt hat, wenn eine Störung aufgetreten ist.

Störfaktoren gibt es viele: Keime, Giftstoffe, Zellschäden, Verletzungen und so weiter. Eigentlich sind wir ständig dabei krank zu werden, doch das Gehirn befiehlt und steuert die Gegenmaßnahmen Bekämpfen, Loswerden, Reparieren, Erneuern. Wir sind dann krank, wenn der Organismus mit seinem Krisenmanagement gerade überfordert ist.

Daher sei jede Heilung eine Selbstheilung, sagt der Neurobiologe Gerald Hüther. Folgerichtig haben medizinische Maßnahmen den Zweck, die eigenen Heilkräfte zu unterstützen. Also: Fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker, wie er Ihrem inneren Arzt oder Apotheker unter die Arme greifen kann.

Bei manchen Malaisen wie Erkältung, Rückenschmerzen, kleine Verletzung, Insektenstich et cetera kann es sogar besser sein, den „äußeren“ Arzt zunächst gar nicht zu fragen. Bevor man umgehend in einer Praxis vorspricht, kann man dem eigenen Heilungsprozess etwas Zeit geben. Viele Beschwerden und Krankheiten kuriert der Körper nämlich selbst. Unnötige Eingriffe oder Medikamente samt Nebenwirkungen können wir ihm so ersparen. Es existieren sogar Studien, die eine bessere Genesung durch weniger Medizin nachwiesen.

Bei schweren Störungen gilt natürlich das Gegenteil. Es gibt Krankheitssymptome, bei denen man gar nicht schnell genug den Arzt oder die Klinik aufsuchen kann, wie zum Beispiel Anzeichen für Herzinfarkt oder TIA und Schlaganfall. Selbstverständlich kann ein Antibiotikum das Leben retten, wenn der Körper im Kampf gegen die Bakterien zu unterliegen droht.

SelbstheilungInnere Heilkraft stärken

Bei chronischen und schweren Krankheiten wie Diabetes oder Tumoren ist der Organismus laut Hüther nicht mehr fähig, das Gleichgewicht durch angemessene Reaktionen wiederherzustellen. So verhält es sich auch bei allergischen Überreaktionen gegen harmlose Umwelteinflüsse oder Autoimmun-Störungen wie Rheuma. Doch bei allen medizinischen Maßnahmen geht es nach Meinung des Hirnforschers darum, die Selbstheilungskräfte zu reaktivieren. Dazu gehört: Gedanken und Gefühle des Patienten auf die innere Heilkraft richten, Angst abbauen und positive Empfindungen stärken.

Das kann funktionieren, wenn Mediziner auf den Patienten eingehen und ein Vertrauensverhältnis entstehen kann. Gleichzeitig sollte der Betroffene dem Krankheitsprozess mit einer positiven inneren Einstellung begegnen, indem er beispielsweise seine Erkrankung annimmt und an seine Selbstheilungskräfte glaubt.

Integrative Medizin erwünscht

Auch der Neurowissenschaftler Tobias Esch fordert eine integrative Medizin in Ausbildung und Praxis, die die menschliche Selbstheilung als Teil des medizinischen Behandlungssystems anerkennt und fördert. Ärzte sollten das Potential der Selbstheilung bei ihren Patienten entsprechend unterstützen.

Denn jeder Mensch kann viel dafür tun, dass seine Selbstheilungskräfte Krankheit lindern, beenden oder von vorneherein verhindern. Esch schlägt in seinem Buch „Der Selbstheilungscode“ vier Säulen als Fundament für Gesundheit und Wohlbefinden vor: gesunde Ernährung und ausreichende Bewegung, aber auch Entspannung und positive Emotionen.

Was kann man für seine Selbstheilungskräfte tun?

Einer der wichtigsten Störfaktoren des gesundheitlichen Gleichgewichts ist nach Meinung der Neuro-Experten der Stress, vor allem wenn er chronisch auftritt. Kontra Stress ist daher pro Selbstheilung. Nun kommt es darauf an, besonders auf sich achtzugeben. Einen guten Ausgleich kann man in meditativen Techniken wie zum Beispiel Achtsamkeitstraining finden.

In diesem neuronalen Zusammenhang von Gesundheit und Emotion steht die menschliche Fähigkeit, mittels Gedanken zu sich selbst und seiner Selbstheilungskraft zu gelangen. Dies entspricht dem Konzept der Salutogenese – aus „salus“ (Gesundheit) und „genesis“ (Entstehung). Im Mittelpunkt steht die Frage, welche Faktoren zur Entstehung und Erhaltung von Gesundheit führen. Was tut mir gut; was kann ich tun, dass es mir besser geht?

SelbstheilungKohärenzgefühl

Um Angriffen auf das gesundheitliche Gleichgewicht widerstehen zu können, hilft demnach die Eigenschaft, dass ich meine Lebenszusammenhänge verstehe, mein Leben gestalten kann und es für mich sinnhaft ist. Dieses Gefühl heißt Kohärenzgefühl.

Ein simpler Versuch, diese Theorie ins reale Leben zu übertragen, könnte so aussehen: Ich verstehe, dass mich der alltägliche Stau so aufregt, dass ich unter schädlichem Bluthochdruck leide. Ich kann das ändern, indem ich regelmäßig meditiere und öfter die Bahn oder das Fahrrad nehme. Ich akzeptiere die Notwendigkeit dieser Geschehnisse und komme mit meiner Situation ins Reine.

Nicht zuletzt sind es positive menschliche Beziehungen, die zum Stressabbau beitragen. Vielleicht kennen Sie das: Das Zipperlein im vertrauten Gespräch mit Familie oder Freund besprochen, Zuspruch bekommen, und der Arztbesuch hat sich erledigt. Denn der innere Arzt war schon da.

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Ü60 Bart: Ladykiller statt Weihnachtsmann

Und täglich grüßt das Murmeltier. Jeden Morgen ist er wieder da, der Bart. Vielleicht ist es dieses Ur-Accessoire, das Männern Entschlusskraft verleiht. Denn sie müssen ständig eine Entscheidung treffen. Bart ab oder Bart dran.

Als Trend jedenfalls ist er seit längerem wieder dran. Auch Cool Ager haben mit Bart reichlich Potential noch cooler zu sein. Selbstverständlich auch in Grau. Gesichtshaar im Salz-und-Pfeffer-Look oder Silberbärte können durchaus männliche Ästhetik verströmen.

Allerdings ist bei gewissen Bartstilen wie etwa dem rauschenden Hipster-Vollbart auch Vorsicht geboten. Schon damit die Enkel nicht jeden Tag Weihnachtsgeschenke erwarten.

BartEs geschah vor einigen Jahren, dass sich der ein oder andere Stoppelbart ins Werbefernsehen schlich, bis innerhalb kürzester Zeit in deutschen TV-Spots außer bei der Rasierklingenwerbung keine nackte männliche Wange mehr zu sehen war. Im realen Leben geriet die bis dahin vorherrschende Glattrasur ebenfalls aus dem Bild. Angeblich trägt nun fast die Hälfte der deutschen Männer Bart.

BartBart kommt an

Der Weg des Bartes in die Gegenwart war lang: Wollfilz des faustkeilbewehrten Steinzeitmenschen, Insignium von Herrschern der Frühkulturen, Must-have des zackigen Militärs, Inbegriff allen Revoluzzer-, Rebellen- und Hippietums, Kennzeichen von Künstlern und echten Kerlen und – nach Pharao, Kaiser Wilhelm, Karl Marx, Che Guevara, John Lennon, Ernest Hemingway – neuerdings Ausdruck wiedererstarkter Männlichkeit im Zeitalter der Frauenemanzipation; so erklären zumindest einige den Trend.

Trifft sich gut, denn die Frauen, vermutlich auch einige emanzipierte, finden den Bartschmuck wohl gar nicht so schlecht. Eine australische Untersuchung ergab, dass Männer mit Bart vor allem als potentieller Langzeitpartner auf Frauen attraktiv wirkten.

BartAugen auf bei der Bartwahl

Wobei: Bart ist nicht gleich Bart. Ein Gesicht braucht keinen Bart, aber ein Bart braucht ein Gesicht. Man(n) wähle daher angesichts der eigenen Kopfform und Ausstrahlung mit Bedacht, welche Barttracht es sein soll. Am besten mal ausprobieren: Schnäuzer wie Tom Selleck alias Magnum, Schifferkrause wie Abraham Lincoln, Koteletten (Elvis lebt!), Vollbart wie Reinhold Messner. Oder man fängt ganz klein an mit einem Chin Puff, dem senkrechten Streifen unter der Unterlippe. Der waagrechte Streifen unter der Unterlippe, das von Stevie Wonder oder auch William Shakespeare geliebte Soul Patch, erfordert wenig Arbeit, aber etwas Attitüde. Richtiges Bart-Styling-Know-how benötigt der Henriquatre à la Tatort-Professor Börner oder Stromberg. Am beliebtesten allerdings ist der Drei-Tage-Bart, der nur scheinbar praktisch ist, da er spätestens am vierten Tag wieder volle pflegerische Aufmerksamkeit braucht. Es sei denn, er gehört dem Räuber Hotzenplotz.

Unentbehrlich: die Bartpflege

Denn gepflegt sollte er sein, der Bart. Einen schönen Mann entstellt nichts, aber nicht jeder Mann heißt George Clooney. Wer seine Mitmenschen mit dem Anblick des bärtigen Zausels beglücken will, sollte schon Hollywoodstar sein oder der nächste Einstein, also über allem stehen.

Grundsätzlich wird empfohlen:

  • Ein Schnäuzer sollte die Oberlippe nicht bedecken.
  • Bei allen Bartformen sollte der Hals haarfrei sein.
  • Der Klasse-Bart wird auf Kante rasiert, in Form gestutzt und auf Glanz gebracht. Und zwar mit allen Mitteln wie Trimmer, Rasierhobel, Wechselklingenmesser, Wildschweinbürste und Bartöl.
  • Um mit grauem Vollbart nicht wie Alm Öhi oder Santa Claus rüberzukommen, sollte man auf besonders sorgfältige Pflege und einen Konturenschnitt achten.

Zur Verfeinerung seiner bislang entwickelten Bartroutine kann der Mann sich autodidaktisch auf Internetseiten wie blackbeards.de fortbilden.

Oder der engagierte Bartträger gönnt sich den Gang zum Barbier. In vielen Städten gibt es sie wieder, die Spezialisten fürs männliche Gesichtshaar. Während Frauen der Aufenthalt in den heiligen Männerhallen oft strikt verboten ist, hantieren die Bartcoiffeure lässig mit sehr scharfen Messern und flämmen ganz nervenstarken Kunden die Ohrenhärchen mit dem Bunsenbrenner weg.

Da kann der Mann wieder ganz Mann sein.