Ü60 Bart: Ladykiller statt Weihnachtsmann

BartUnd täglich grüßt das Murmeltier. Jeden Morgen ist er wieder da, der Bart. Vielleicht ist es dieses Ur-Accessoire, das Männern Entschlusskraft verleiht. Denn sie müssen ständig eine Entscheidung treffen. Bart ab oder Bart dran. Als Trend jedenfalls ist er seit längerem wieder dran. Auch Cool Ager haben mit Bart reichlich Potential noch cooler zu sein. Selbstverständlich auch in Grau. Gesichtshaar im Salz-und-Pfeffer-Look oder Silberbärte können durchaus männliche Ästhetik verströmen. Allerdings ist bei gewissen Bartstilen wie etwa dem rauschenden Hipster-Vollbart auch Vorsicht geboten. Schon damit die Enkel nicht jeden Tag Weihnachtsgeschenke erwarten.

Es geschah vor einigen Jahren, dass sich der ein oder andere Stoppelbart ins Werbefernsehen schlich, bis innerhalb kürzester Zeit in deutschen TV-Spots außer bei der Rasierklingenwerbung keine nackte männliche Wange mehr zu sehen war. Im realen Leben geriet die bis dahin vorherrschende Glattrasur ebenfalls aus dem Bild. Angeblich trägt nun fast die Hälfte der deutschen Männer Bart.

BartBart kommt an

Der Weg des Bartes in die Gegenwart war lang: Wollfilz des faustkeilbewehrten Steinzeitmenschen, Insignium von Herrschern der Frühkulturen, Must-have des zackigen Militärs, Inbegriff allen Revoluzzer-, Rebellen- und Hippietums, Kennzeichen von Künstlern und echten Kerlen und – nach Pharao, Kaiser Wilhelm, Karl Marx, Che Guevara, John Lennon, Ernest Hemingway – neuerdings Ausdruck wiedererstarkter Männlichkeit im Zeitalter der Frauenemanzipation; so erklären zumindest einige den Trend. Trifft sich gut, denn die Frauen, vermutlich auch einige emanzipierte, finden den Bartschmuck wohl gar nicht so schlecht. Eine australische Untersuchung ergab, dass Männer mit Bart vor allem als potentieller Langzeitpartner auf Frauen attraktiv wirkten.

BartAugen auf bei der Bartwahl

Wobei: Bart ist nicht gleich Bart. Ein Gesicht braucht keinen Bart, aber ein Bart braucht ein Gesicht. Man(n) wähle daher angesichts der eigenen Kopfform und Ausstrahlung mit Bedacht, welche Barttracht es sein soll. Am besten mal ausprobieren: Schnäuzer wie Tom Selleck alias Magnum, Schifferkrause wie Abraham Lincoln, Koteletten (Elvis lebt!), Vollbart wie Reinhold Messner. Oder man fängt ganz klein an mit einem Chin Puff, dem senkrechten Streifen unter der Unterlippe. Der waagrechte Streifen unter der Unterlippe, das von Stevie Wonder oder auch William Shakespeare geliebte Soul Patch, erfordert wenig Arbeit, aber etwas Attitüde. Richtiges Bart-Styling-Know-how benötigt der Henriquatre à la Tatort-Professor Börner oder Stromberg. Am beliebtesten allerdings ist der Drei-Tage-Bart, der nur scheinbar praktisch ist, da er spätestens am vierten Tag wieder volle pflegerische Aufmerksamkeit braucht. Es sei denn, er gehört dem Räuber Hotzenplotz.

BartUnentbehrlich: die Bartpflege

Denn gepflegt sollte er sein, der Bart. Einen schönen Mann entstellt nichts, aber nicht jeder ist George Clooney. Wer seine Mitmenschen mit dem Anblick des bärtigen Zausels beglücken will, sollte schon Hollywoodstar sein oder der nächste Einstein, also über allem stehen. Grundsätzlich wird empfohlen: Ein Schnäuzer sollte die Oberlippe nicht bedecken, bei allen Bartformen sollte der Hals haarfrei sein. Der Klasse-Bart wird auf Kante rasiert, in Form gestutzt und auf Glanz gebracht. Und zwar mit allen Mitteln wie Trimmer, Rasierhobel, Wechselklingenmesser, Wildschweinbürste und Bartöl. Um mit grauem Vollbart nicht wie Alm Öhi oder Santa Claus rüberzukommen, empfiehlt sich besonders, auf Pflege und Konturenschnitt zu achten. Zur Verfeinerung seiner bislang entwickelten Bartroutine kann der Mann sich autodidaktisch auf Internetseiten wie blackbeards.de fortbilden. Oder der engagierte Bartträger gönnt sich den Gang zum Barbier. In vielen Städten gibt es sie wieder, die Spezialisten fürs männliche Gesichtshaar. Während Frauen der Aufenthalt in den heiligen Männerhallen oft strikt verboten ist, hantieren die Bartcoiffeure lässig mit sehr scharfen Messern und flämmen ganz nervenstarken Kunden die Ohrenhärchen mit dem Bunsenbrenner weg. Da kann der Mann wieder ganz Mann sein.

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