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Gesundheit & Wohlfühlen

Warum ein Haustier? Tierisch gesund!

Wenn ein Haustier nicht so Ihr Thema ist, lesen Sie hier – vielleicht doch – weiter. Es stimmt nämlich nur bedingt, dass Hunde- und Katzenliebhaber immer schon Hunde- und Katzenliebhaber und -besitzer waren. Viele hatten einfach keine Gelegenheit oder keine Zeit, ihr Leben mit einem Tier zu teilen. Wenn jedoch das Berufsleben beendet und die Kinder unabhängig sind, können Abwechslung und Wärme in neuer Gestalt ins Leben einziehen: auf vier Pfoten.

HaustierTierliebe vorausgesetzt

Grundvoraussetzung ist selbstverständlich, dass Sie Tiere mögen. Dann können diese Mitgeschöpfe viel für Sie tun. Es ist statistisch nachgewiesen, dass vor allem Hundebesitzer gesünder sind. Sie müssen sich schließlich täglich mit dem Tier draußen bewegen. Wenn Sie sich also beim Gassigehen bei peitschendem Regen und fiesen Temperaturen fragen, ob ein Goldfisch nicht doch besser gewesen wäre, trösten Sie sich mit dem Gedanken, dass gerade Ihr Immunsystem gestärkt wird und Ihr Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen sinkt.

HaustierWissenschaftlich belegte Gesundheitseffekte

Doch Heimtiere steigern nicht nur die Fitness, sie machen vor allem glücklich. Was Tierbesitzern schon immer irgendwie klar war, ist inzwischen wissenschaftlich belegt. Mit dem treuen Hund spielen, die schnurrende Katze auf dem Schoß streicheln – schon sind der Stress vergessen und der Adrenalinpegel im Keller. In Studien fand man heraus, dass schon die bloße Anwesenheit eines Tieres die Gelassenheit in belastenden Situationen fördert. Und Tiere spüren, wie wir drauf sind: Experimente zeigten, dass Hunde den Gesichtsausdruck des Menschen erkennen können (Schweine übrigens auch).

Tierbetreuung verbindet

Zum anderen kommen Tierbesitzer leicht und ungezwungen in Kontakt mit anderen Menschen, in der Regel über das gemeinsame Thema Tier. Obwohl es inzwischen auch den Austausch in unzähligen Online-Foren gibt, so zählt für den Tierfan vor allem das reale Umfeld. Schnell ergibt sich ein freundlicher Smalltalk beim Spazierengehen. Viele finden auf der Hundewiese neue Bekannte, Singles oftmals ihren neuen Lebenspartner. Das Tier überträgt dem Menschen außerdem sinnstiftende Aufgaben wie Verantwortung zu tragen und die Zeit einzuteilen. Füttern, Spazieren und regelmäßige Tierarztbesuche verlangen Struktur.

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Selbstverständlich tiergerecht

Wenn das Haustier Ihnen so viel geben kann, verdient es auch etwas von Ihnen: artgerechte Haltung. Von einem liebevollen Besitzer bekommt es sicher die Nahrung und Aufmerksamkeit, die es braucht: gesundes Futter, richtige Bewegung und Streicheleinheiten. Kritisch sind jedoch die Nahrung und Aufmerksamkeit, die es nicht braucht – Stichwort: Überfütterung, Vermenschlichung. Auf Affenliebe können Hund und Katz gut verzichten. Dass sich Tierbesitzer in spe gut über die Bedürfnisse des jeweiligen Schutzbefohlenen informieren, sollte selbstverständlich sein.

HaustierWissen und Hundeschule

So unterscheiden sich beispielsweise Hunderassen in Bewegungsdrang und Charakter enorm. Ob vom Züchter oder aus dem Tierheim: Prüfen Sie sorgfältig, welcher Vierbeiner zu Ihnen passt. Die meisten Hunde kommen mit dem Alleinsein nicht so gut klar wie die autonomere Katze. Die angemessene lückenlose und langfristige Betreuung sollte daher bereits vor der Anschaffung des Vierbeiners geklärt sein.

Auch der Besuch einer Hundeschule ist für viele Hund-Mensch-Gespanne zu empfehlen. Wer seine Hausgenossen eine Nummer kleiner wählt und meint, mit Kaninchen oder Meerschweinchen könne man nichts falsch machen, irrt. Die verbreitete Einzelhaltung auf wenig Platz ist für die kleinen Rudeltiere alles andere als artgerecht, ebenso die Kombination eines Kaninchens mit einem Meerschweinchen, zweier Tierarten, die sich nichts zu sagen haben. Auch Wellensittich und Zierfisch haben ein Recht auf ein glückliches gesundes Leben.

HaustierVorsicht Allergie!

Bevor Sie sich ein Haustier anschaffen, sollten Sie einen Allergietest machen. Fällt der Test auf Tierhaare positiv aus, sollte man nicht das Risiko eingehen, das bereits ins Herz geschlossene Tier eines Tages wieder abgeben zu müssen. Ein eigenes Tier kann oder soll doch nicht ins Haus? Es gibt Alternativen, das gute Gefühl namens Tierliebe zu empfinden: Tierheime freuen sich über Unterstützung beim Hundeausführen und Futterpatenschaften. Zoos vergeben Patenschaften für ihre Tiere. Private Wildtierhilfen, die sich um in Not geratene kleine Wildtiere kümmern, freuen sich über Spenden.

Warum Tiere dem Menschen guttun? Darüber haben auch Philosophen nachgedacht. Arthur Schopenhauer – ergebener Besitzer des Pudels „Butz“ – kam zu dem Schluss: „Dass uns der Anblick der Tiere so sehr ergötzt, beruht hauptsächlich darauf, dass es uns freut, unser eigenes Wesen so sehr vereinfacht vor uns zu sehen.“

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Lebensfreude

Autobiografie: Erinnerungen festhalten, Probleme loslassen

Eine Autobiografie schreiben, ist das nicht was für Promis? Einerseits. Andererseits: In Ihrem Film sind Sie der Star. Sie haben eine Menge erlebt. Sie haben jetzt mehr Muße. Sie haben möglicherweise Interesse, auf der Basis Ihrer Lebenserfahrung mal zurückzublicken, Dinge einzuordnen und der Familie und Freunden Ihre Geschichte aufzuschreiben. Wer schreibt, der bleibt. Eine Autobiografie ist kein Facebook.

Schreiben für sich selbst

Genau das ist es leider auch, was viele abschreckt. Im Gegensatz zu den Textschnipseln, die wir in Briefen, E-Mails und Postings mühelos verfassen, ist ein Buch ein umfangreiches Projekt, das bestimmten Anforderungen genügen muss. Man hat Angst davor, dass der Leser vor Langeweile einnickt oder das Buch wegen schlechter Qualität verärgert zuklappt.

Was dabei übersehen wird: Autobiografen schreiben vor allem für sich selbst. Denn das schriftliche Festhalten der eigenen Geschichte geht weit über das reine Erinnern hinaus. Es kann bei der Aufarbeitung von Erlebnissen helfen und neue Erkenntnisse bringen.

Das autobiografische Schreiben kann so die Psyche stärken und Fragen nach dem Sinn des Lebens beantworten. Der Lebensweg jedes Menschen ist ein existentielles Drama. Es gut aufzuschreiben, kann man durchaus lernen.

Stoffsammlung und Zeitschiene

Erinnerungen AutobiografieSchreibwerkstätten und Schreib-Coaches bieten Kurse und Seminare speziell fürs autobiografische Schreiben an. Zur Inspiration können Sie die eine oder andere gute Biografie oder Autobiografie lesen. Oder Sie gehen einfach spontan ans Werk. Beginnen Sie Ihr Projekt damit, gelassen in Ihre Erinnerungen eintauchen. Vor dem Schreiben kommt nämlich die Stoffsammlung. Gegenstände, Tagebücher, Fotoalben, Gespräche mit Lebensbegleitern bringen Assoziationen und Erinnerungen hervor – notieren Sie zunächst alles ohne es zu bewerten. Für eine Vorsortierung entwerfen Sie eine Zeitschiene, auf der Sie wichtige Ereignisse chronologisch anordnen. Die grobe Einteilung kann sein: Kindheit, Teenagerzeit, junges Erwachsensein, Familiengründung, Berufsausstieg.

Briefe AutobiografieErinnerungen verfeinern

Verfeinern und vertiefen Sie nun Ihre Erinnerungen. Dass Sie im Jahr X gerne die TV-Serie Y angeschaut haben, wird nur von Interesse sein, falls diese Serie Ihr Leben geprägt oder verändert hat. Um zu vielen anschaulichen und kurzweiligen Inhalten zu gelangen, können Sie sich beim Stoffsammeln Fragen über Fragen stellen. Hier nur ein paar Beispiele:

  • Was war meine verrückteste Reise?
  • Wer war mein wichtigster Lehrer?
  • Wer war mein Vorbild?
  • Was hat mich besonders beeindruckt?
  • Wer hat mich enttäuscht oder verärgert?

Beschreiben Sie Sinneseindrücke:

  • Wie hat sich ein Erlebnis, angehört, geduftet, angefühlt, welche Farben hatte es?
  • Hören Sie die Musik von früher und lassen Sie sich davon inspirieren.

Wenn Sie Ihre Lebensphasen im Gedächtnis durchgehen, versuchen Sie auch, sich Zeitgeschichte und Zeitgeist in Erinnerung zu rufen:

  • Was war damals Trend?
  • Wie dachte man?
  • Wie „tickten“ meine Freunde?
  • Was prägte die Gesellschaft?

Rekapitulieren Sie viele Details, aber stellen Sie auch große Fragen:

  • Was ist mir wichtig, was waren/sind meine Träume und Ziele?
  • Welche habe ich erreicht, was will ich noch erreichen?
  • Was waren Meilensteine in meiner Vergangenheit?
  • Warum habe ich mich damals so und nicht anders entschieden?
  • Was oder wer hat mich für immer verändert?
  • Wann habe ich bestimmte Verhaltensmuster durchbrochen und bin über meinen Schatten gesprungen?
  • Was waren meine schlimmsten Krisen?
  • Wer hat mir dabei am meisten geholfen?
  • Wie habe ich sie gemeistert?
  • Was waren einschneidende Konflikte?
  • Was waren meine schlimmsten Fehler,
  • Was waren meine größten Erfolge?
  • Wer sind die wichtigsten Menschen in meinem Leben?
  • Wer spielt die Hauptrollen, wenn mein Leben ein Film wäre?
  • Welche positiven und negativen Entwicklungen sehe ich?
  • Was habe ich im Leben gelernt?
  • Was ist meine ganz persönliche Weisheit?

Keyboard Autobiografie

Schreiben und Beschreiben

Zeit für die ersten Schreibversuche. Erzählen sie dabei authentisch und offen in eigenen Worten. Lesen Sie sich die Textpassagen laut vor. Es sollte nicht gekünstelt, sondern nach Ihnen klingen. Sie müssen nun keineswegs Seite 1 bis 100 druckreif verfassen. Besser ist es, einzelne Szenen aufzuschreiben, die später zu wichtigen Bestandteilen der Autobiografie werden:

  • Prägende Kindheitserlebnisse
  • Unvergessliche Teenagertage
  • Erste Liebe
  • Große Liebe
  • Konflikte
  • Herausforderungen

Bevorzugen Sie die Ereignisse, Erlebnisse, Empfindungen und Gedanken, die Sie für besonders dramatisch, einzigartig und unterhaltsam halten. Erzählen Sie das Gute wie das Schlechte. Sie werden anschließend feststellen, dass Sie bereits weit gekommen sind. Auch eine Sammlung von Kurzgeschichten kann ein Lebensrückblick sein.

Weihnachten AutobiografieStruktur festlegen

Vielleicht möchten Sie doch ein geschlossenes Werk daraus machen. Bevor Sie Lebensepisoden zu einer Lebensgeschichte verbinden, sollten Sie dafür eine Struktur festlegen. Wichtig sind ein oder mehrere Höhepunkte und ein roter Faden, der in Ihren Ausführungen einen Zusammenhang herstellt.

Nicht nur Zeitablauf, sondern auch Drama

Ihre Geschichte bekommt eine interessantere Handlung, wenn Sie sich nicht an eine rein chronologische Abfolge halten, sondern beispielsweise einen großen Konflikt oder eine dramatische Wendung als spannendes Intro verwenden und Ihre Geschichte auf diesen Höhepunkt hin erzählen. Sie können Ihr Lebensmotto, eine Ihrer großen Fragen oder das Streben nach Ihrem Lebensziel als roten Faden durch die Handlung ziehen, das heißt regelmäßig darauf zurückkommen. Wie hat es begonnen, was waren Fortschritte und Rückschläge; was habe ich erreicht und was nicht? Oder Sie beginnen jedes Kapitel mit einem wiederkehrenden Ereignis – zum Beispiel dem immer wieder denkwürdigen Weihnachtsabend – und spinnen von dort aus Ihren Erzählfaden.

Rückblenden und Cliffhanger

Erzählen Sie mit Rückblenden und beenden Sie Kapitel mit einem sogenannten Cliffhanger ein à la „Von da an war nichts mehr, wie es war.“ Die Neugierde auf das nächste Lebenskapitel ist geweckt. Verwenden Sie erzählerische Kniffe wie zum Beispiel (erkennbar) fiktive Briefe an für Sie wichtige Personen. Wenn Sie mögen, können Sie sich auch einen Titel für Ihre Lebensbeschreibung ausdenken.

Und nochmal von vorn

Steht der Text? Jetzt schreiben Sie ihn noch mal um! Das mag übertrieben klingen; doch nun folgt ein Arbeitsschritt, der fast so wichtig ist wie das Schreiben: die Überarbeitung.

  • Holen Sie sich Rat für gutes Schreiben.
  • Gehen Sie kritisch Kapitel für Kapitel durch und räumen Sie auf und streichen Sie.
  • Entwickeln Sie ein Gefühl für Wiederholungen und Überflüssiges.
  • Löschen Sie Füllwörter (also, bereits schon).
  • Entfernen Sie abgenutzte Redewendungen („die Seele baumeln lassen“).
  • Ersetzen Sie Allerweltswörter durch zutreffende Vokabeln.
  • Kürzen Sie Schachtelsätze.
  • Vereinfachen Sie umständliche Grammatik, zum Beispiel Aktiv statt Passiv.
  • Verlassen Sie sich nicht allein auf die Korrekturfunktion, falls Sie einen Computer benutzen, sondern überprüfen Sie selbst die Rechtschreibung.

Ihre Leser verdienen es.

Wichtige Schritte vor einer Veröffentlichung

Aus Ihren ersten Notizen ist irgendwann ein ausgewachsenes Manuskript entstanden. Vielleicht möchten Sie nun, dass es als Buchveröffentlichung das Licht der Welt erblickt. In diesem Fall müssen Sie einiges beachten.

1. Gegenlesen: Bitten Sie Menschen Ihres Vertrauens, aber auch wenn möglich eine Person, die Ihnen weniger nahesteht, Ihren Text kritisch zu lesen. Prüfen Sie Ratschläge und Beanstandungen sorgfältig und ändern Sie gegebenenfalls den Text.

2. Tatsachenkontrolle: Zugunsten der Glaubwürdigkeit Ihrer Ausführungen sollten Sie alle geschilderten Fakten sorgfältig auf Ihren Wahrheitsgehalt prüfen.

3. Rechtslage: Achten Sie unbedingt darauf, dass Sie nicht gegen das Urheberrecht oder Persönlichkeitsrecht verstoßen. Holen Sie für die Veröffentlichung von Fakten über und Beschreibungen von Personen schriftlich deren Erlaubnis ein, andernfalls verzichten Sie auf die entsprechenden Textpassagen oder Nennung der realen Namen („*Name vom Verfasser geändert“). Ebenso benötigen Sie das Einverständnis zur Veröffentlichung von Fotos, Briefen, Abbildungen etc. Um ganz sicher zu gehen, können Sie sich juristisch beraten lassen.

Buch Autobiografie

Selbstverlage für Nicht-Promis

Einen Verlag für die Veröffentlichung Ihrer Autobiografie zu finden, dürfte sich in der Tat als schwierig erweisen, wenn Sie kein Promi sind. Allerdings gibt es die Möglichkeit, Ihre Autobiografie relativ einfach und kostengünstig selbst zu verlegen. Unternehmen wie Book on Demand oder epubli bieten Serviceleistungen für Gestaltung, Herstellung und Druck Ihres Printbuchs und eine E-Book-Veröffentlichung.

Ideeller Lohn

Es ist offensichtlich: Eine Autobiografie lässt sich nicht aus dem Hut zaubern. Alternativ kann man seine Geschichte auch professionellen Biografen erzählen, die sich für ein paar tausend Euro um Schreiben, Überarbeiten und Herstellung des gesamten Buches kümmern. Wie ein Promi eben. Aber ein Dokument, das nicht nur anderen, sondern auch Ihnen selbst so viel über Sie erzählen kann, wird durch Ihre Mühe, Kreativität und Ausdauer ungleich wertvoller. Ergreifen Sie die Chance auf einen unbezahlbaren Gewinn, der nur aus der eigenen Feder fließen kann: Erkenntnis, Persönlichkeitsentwicklung und vielleicht sogar ein Stück seelischer Heilung.

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Lebensfreude

Schlechte Laune – Vom Glück des Unglücklichen

Das vielzitierte Recht auf schlechte Laune – jenseits der 60 ist eine gute Zeit, es sich endlich herauszunehmen. Das Wetter ist mies, die Nachrichten sind ohnehin immer schlecht, die Zukunft ungewiss. Wenn Ihnen nach Nörgeln, Pessimismus, Angst und Selbstzweifeln ist: Lassen Sie’s raus.

Schlechte Laune

Vor allem, wenn Sie jahrzehntelang nach der Devise „Sorge Dich nicht – lebe!“ Ihre Probleme positiv weggedacht oder dies (oft vergeblich) versucht haben. Seelendurchhänger waren sofort zu bekämpfen mittels Glücksstrategien aus Buch, Coaching-Seminar, Funk und Fernsehen. Wer in der sorgenfreien Spaßgesellschaft nicht stromlinienförmig mitschwamm, dessen innerer Motivationstrainer war offenbar ein unfähiges Weichei. Viele halfen nach mit chemisch erzeugten Glücksmomenten aus Drogen, Alkohol oder großzügig verschriebenen Antidepressiva. „Don’t worry, be happy“ mit allen Mitteln.

Schlechte LauneDas Negative am positiven Denken

Dann endlich gab es Widerstand aus der Psychologie und Philosophie von wissenschaftlichen Autorinnen und Autoren wie Retzer (Miese Stimmung), Ehrenberg (Smile or Die), Scheich (Positives Denken macht krank), Schmid (Unglücklichsein) und Horwitz (The Loss of Sadness). Der Tenor: Wenn Erfolg zum Zwang und gute Stimmung zur Pflicht werden, geht das schief.

Aufgesetztes positives Denken erreicht das Gegenteil von Wohlbefinden. Millionen Fälle von Depression und Burn-out schienen dies zu belegen. Positives Denken mache außerdem dumm: Selbst die desaströse Verblendung bei wirtschaftlichen Fehlentscheidungen und daraus resultierende Krisen stünden in diesem Zusammenhang.

Stinklaune erlaubt

Neue Werte braucht die zwangsbeglückte Gesellschaft: Traurigkeit, Angst, Fehler, Resignation und schlechte Stimmung sollten erlaubt und akzeptiert sein. Der Trick dabei: Nur dem Unglücklichen winkt wirklich das Glück. Das kann jeder bestätigen, der das Aufwärts nach einer durchgestandenen Lebenskrise im Rückblick als eine der schönsten Lebensphasen empfindet. Nachvollziehbar ist dies auch mittels der These des griechischen Philosophen Heraklit „Nichts ist ohne sein Gegenteil wahr“. Demnach existiert gut nur mit schlecht, kann also niemand im seelischen Allzeithoch leben.

Schlechte LauneGesünder als Weglächeln ist es, nach der Ursache für die schlechte Laune zu forschen. Die Ablehnung des Selbstoptimierungszwangs soll schließlich nicht als Plädoyer fürs endgültige Scheitern missverstanden werden: Dauerhafte Seelentiefs als mögliche Anzeichen echter Depressionen und einer beginnenden Demenzerkrankung sind zu diagnostizieren und zu therapieren.

Melancholie ist das Vergnügen, traurig zu sein

Die Kritiker des positiven Denkens empfehlen vielmehr Realismus statt Wolkenkuckucksheim. Also: Geben Sie Stinklaune, Unmut und Schwarzseherei eine Chance. Jetzt wissen wir ja: Glücklich ist der Unglückliche. Man darf sich dabei wohlfühlen, sich unwohl zu fühlen. Oder wie Victor Hugo es ausgedrückt hat: Melancholie ist das Vergnügen, traurig zu sein. So gesehen kommt die Selbstoptimierung durch die Hintertür wieder rein. Wenn einem das mal nicht die schlechte Laune verdirbt.

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Entdecken & Genießen

Entdecken – Nach Wien zieht’s uns hin

Noch nie oder schon lange nicht mehr in Wien gewesen? Dann fahren Sie doch demnächst mal hin. Ein kleiner Tipp vorab: Überlegen Sie von vorneherein, wann Sie ein weiteres Mal herkommen könnten. Das macht locker, wenn Sie in Österreichs Bundeshauptstadt stehen und feststellen, dass Sie während Ihres Aufenthalts nur einen Bruchteil der Sehenswürdigkeiten und Kulturangebote wahrnehmen können.

Hofburg Wien

Hofburg

Sissi zuliebe

Damit ist schon angedeutet, warum Wien ein Top-Reiseziel für Cool Ager ist. Mit ihrem architektonischen und kulturellen Reichtum fordert die Stadt ihren Besuchern auch etwas ab. Etwas Lebenserfahrung, Geschichtsinteresse und Kulturverständnis dürfen’s bittschön schon sein. Beim Besuch von Hofburg, Schloss Belvedere, Schloss Schönbrunn und Spanischer Hofreitschule kommt man nicht umhin, außer Prunk, Pracht und Schönheit auch die Geschichte der Habsburger zu studieren – schon Kaiserin Sissi zuliebe.

Wien Hundertwasserhaus

Fassade Hundertwasserhaus

Jugendstil für Fans

Vom gotisch geradlinigen Stephansdom bis zum Hundertwasserhaus als buntem Inbegriff der schiefen Linie – Wiens Sehenswürdigkeiten nimmt man nicht mal eben so mit. Beim Spaziergang zwischen den beeindruckenden Straßen, Plätzen und Gebäuden erzählen die Baustile von den verschiedenen Zeitepochen; besonders prominent sind die Prachtbauten der Gründerzeit – Mitte des 19. Jahrhunderts – an der Ringstraße; wer ein Faible für Jugendstil hat, kann in Wien großartige Bauwerke bewundern wie zum Beispiel die Secession mit vergoldeter Kuppel und die Postsparkasse von Otto Wagner.

Geschichte und Grandezza

Der aufgeschlossene Wien-Besucher will nicht auf den Shoppingmeilen Kärtner Straße, Graben und Kohlmarkt versacken, sondern Kostproben aus den Museen, Sprech- und Musiktheatern und Konzerthäusern nehmen. Kunstliebhaber verlustieren sich zum Beispiel im Museumsquartier, in der Albertina oder im Belvedere. Das Burgtheater, eine der ganz großen Bühnen Europas, muss nicht nur wegen der erstklassigen Stücke, sondern auch wegen seiner Innen- und Außen-Grandezza aufgesucht werden. Im Theater in der Josefstadt, dem ältesten Theater Wiens, kann man sich in einer rotsamtigen Loge ganz der Nostalgie hingeben, obwohl man die Schauspielerin auch schon als modernes TV-„Vorstadtweib“ gesehen hat.

Glanz und Prunk im Stiegenhaus

Wer kein Opernfreund ist, sollte sich das berühmte Stiegenhaus (österreichisch für Treppenhaus) und Foyer der Wiener Staatsoper während einer Führung zeigen lassen; Opernfans wiederum können mit Stehplatz-Tickets für wenig Geld eine Vorstellung dort erleben, wo die Opernstars der Welt singen und Dirigentenlegenden das Orchester leiten, aus dem die berühmten Wiener Philharmoniker ihre Mitglieder rekrutieren. Letztere erfreuen die Menschheit mit ihren exzellenten Johann-Strauss-Interpretationen an jedem 1. Januar, weltweit übertragen aus dem Gebäude des Wiener Musikvereins, genauer gesagt dem Goldenen Saal, der vor Ort den Besuch schon aus Wiedererkennungsgründen lohnt. Da ein einziges Spitzenorchester definitiv nicht reicht, gibt es auch die Wiener Symphoniker, zu hören im Wiener Konzerthaus mit der Fassadenaufschrift: Ehrt eure deutschen Meister, dann bannt ihr gute Geister aus den Meistersingern von Richard Wagner.

Sachertorte

Kulturgut Kaffeehaus

76 Jahre Neujahrskonzert, 450 Jahre Hofreitschule, 250 Jahre Prater: Tradition und Konstanz sind tragende Säulen der Stadt. Hier sind Kulturgüter erhalten, die anderswo längst wegrenoviert oder wegorganisiert worden sind. So auch die ehrwürdigen Kaffeehäuser und die einzigartige Gepflogenheit, bei einem Schwarzen (Kaffee), Braunen (Kaffee mit Milch drin) oder einer Melange (Kaffee mit schaumiger Milch drin) mindestens fünf vom Etablissement höchst selbst bereitgehängte Zeitungen durchzuarbeiten sowie von früh bis in die Nacht jederzeit warme Mahlzeiten zu bekommen. In den bekannteren Kaffeehäusern wie Hawelka, Demel oder Café Central mischen sich die Reisenden der Welt mit den Einwohnern von Wien. Ist ja auch hübsch anzuhören, wenn eine Italienerin einen Apfell-s-trudell bestellt …

Café Engländer ist etwas weniger touristisch, und – pst! – ein Insidertipp, der wohl wirklich einer ist, sei verraten: Café Jelinek mit beeindruckender Patina, die auch Stammgast Brandauer gefällt, in der Otto-Bauer-Gasse. Wo wir schon bei den kulinarischen Genüssen sind: Beim Figlmüller ist der Rummelplatz der Schnitzelfreunde, beim Lobby-Sitting im Hotel Bristol neben der Staatsoper schmeckt der Cocktail besonders mondän, im Hotel Sacher ist nach einem Stück der gleichnamigen Torte der Zuckerbedarf der nächsten Wochen gedeckt. Wer Kaffeehaus-Genuss neuzeitlich mag, findet in der hübschen Simply Raw Bakery sein veganes Glück.

K. u. k. und cool

Das ist es, was Cool Agern an Wien sehr gefallen könnte: Trotz aller Tradition und Gediegenheit verbreitet die Stadt auch einen jungen Spirit. Schön zu erleben auf der „Fressmeile“ Naschmarkt, wo sich abends beim Ausgehen die Generationen mischen. In wenigen Großstädten kann man sich auch nachts auf den Straßen so sicher fühlen wie in Wien. Die Unternehmensberater der Firma Mercer küren Wien regelmäßig zur Stadt mit der höchsten Lebensqualität weltweit.

Wien Tram
Wiener Tram
Gute Verbindungen

Ein Plus für 60Plus ist auch, dass man diese Weltstadt ohne Weltreise erreicht. Vom Flughafen aus können Reisende mit dem Zug (City Airport Train/CAT) in nur 16 Minuten oder mit dem Bus (Vienna Airport Lines) in 20 Minuten nonstop an zentrale Stellen der Stadt gelangen. Mit der U-Bahn kommt man gut, schnell und sicher voran. Komfortabel ist auch die Wien-Karte – als Dauerticket für den öffentlichen Nahverkehr und mit Vergünstigungen in Museen, Restaurants und Geschäften. Mit der Tram (wienerisch für Straßenbahn) um die Ringstraße fahren ist ein Muss.

In den Grand Hotels der Stadt kann man sich imperialen Luxus in Reinform geben, der allerdings auch kostet. Vielleicht ist es sogar interessanter, in einer authentischen Altbauwohnung zu nächtigen – mal auf der Vermittlungsplattform Airbnb nachschauen. Wer doch lieber die Betten gemacht kriegt, kann das Etagenfeeling auch in einem sympathischen Hotel erleben – im, wie der Name schon sagt, Hollmann Beletage.

Wien Fassade
Schöner Wohnen in Wien
Fremdsprache Deutsch

Apropos Originale: Müssen Sie damit rechnen, dass Sie schon mal ein Exemplar des stereotypen Wiener Grantlers anraunzt? Eher nicht. Es kann aber passieren, dass ein echter Wiener auf Sie zukommt, wenn Sie sich ein paar Mal ratlos mit dem Stadtplan in Ihrer Hand um die eigene Achse gedreht haben. Er wird Ihnen nicht nur sagen, wo Sie hinmüssen, sondern – falls er eh einen Spaziergang machen wollte – Sie sogar begleiten inklusive Mini-Stadtführung und Erklärung von Details, die in keinem Stadtführer stehen. Es wäre dabei von Vorteil, wenn Sie sich auf Vokabeln wie gemma (gehen wir), Eitrige (Wurst mit Käsestückchen) oder Baba (auf Wiedersehen) einen Reim machen könnten. Daher zum Abschluss der vielzitierte Spruch des Schriftstellers Karl Kraus, der angeblich gar nicht von ihm stammt (eh wurscht): „Das Einzige, was die Deutschen und die Österreicher unterscheidet, ist ihre gemeinsame Sprache.“

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Zeitmanagement über 60 – To do or not to do

Führen Sie eine To-do-Liste? Schließlich wird gerne scherzhaft beklagt, was oft allzu wahr ist: „Seit ich im Ruhestand bin, habe ich überhaupt keine Zeit mehr.“ Zeitmanagement für die Lebensphase über 60?  Sicher, aber gewusst wie. Ergründen wir das Erfolgsgeheimnis Ihrer To-do-Liste mit der Geschichte vom Glas und den Golfbällen, die in Zeitmanagement-Seminaren gerne erzählt wird:

Golfbälle ZeitmanagementDas Golfball-Gleichnis

Ein Philosophie-Professor beginnt seine Vorlesung, indem er ein Glas mit Golfbällen füllt. Er fragt seine Studenten, ob das Glas voll sei, was diese bejahen. Dann füllt er das Glas bis zum Rand mit kleinen Kieselsteinen auf und fragt erneut die Studenten, ob das Glas voll sei. Diese stimmen zu. Schließlich lässt er Sand ins Glas rieseln, der zwischen Golfbällen und Kieselsteinen jede noch so kleine Lücke füllt. Auf die Frage, ob das Glas voll sei, bekommt der Professor wieder eine positive Antwort.

Kieselsteine ZeitmanagementDen verblüfften Studenten verrät er daraufhin die Bedeutung seiner Vorführung:

  • Das Glas stehe für die Lebenszeit, und die Golfbälle symbolisieren das, was einem Menschen im Leben wirklich wichtig ist: Familie, Beziehung, Gesundheit, Freunde, Lebensziele, Leidenschaften, Glück.
  • Die Kieselsteine repräsentierten notwendige Dinge wie Beschäftigung, Wohnen, Nahrung, Mobilität usw.
  • Der Sand wiederum stehe für die Unmenge von Kleinigkeiten, die wir täglich erledigen.

Sand ZeitmanagementDie zentrale Botschaft des Gleichnisses: Wenn Sie das Glas zuerst mit Sand füllen, werden Kieselsteine weniger Platz haben, von den Golfbällen ganz zu schweigen. Auf das Leben übertragen heißt es, wenn Sie dem täglichen Kleinklein zu viel Raum geben, bleiben weder Zeit noch Energie für die großen Dinge, die zu einem glücklichen Leben beitragen.

Nun betrachten Sie Ihre To-do-Liste: Prüfen Sie die einzelnen Punkte nach Priorität und teilen Sie diese in drei Kategorien ein: Golfbälle, Kieselsteine und Sand.

Was sind meine Golfbälle?

Vielleicht müssen Sie in der Kategorie Golfbälle einige Punkte hinzufügen, die noch gar nicht auf der Liste stehen. Denken Sie in Ruhe darüber nach, was für Sie ein „Golfball“ sein könnte. Denn in ihrer jetzigen Lebensphase können Dinge wichtig sein, die in jüngeren Jahren noch nicht im Vordergrund standen. Halten Sie fest, was auch immer Ihre Prioritäten heute sind, zum Beispiel:

  • Mit den Enkeln spielen
  • Sich mit den Kindern aussprechen
  • Mit dem Partnerin oder dem Partner schön essen gehen
  • Mit einem alten Freund Kontakt aufnehmen
  • Täglich etwas für die Gesundheit tun
  • Einen neuen Kontinent oder die Traumstadt bereisen
  • Einmal im Heißluftballon dahinschweben

Unter der Kieselstein-Rubrik dürfen die Notwendigkeiten der Lebenshaltung und Selbstverwaltung landen.

Bei der Kategorie Sand sollten Sie genauer hinschauen: Ist es wirklich nötig, das Bad schon wieder auf Hochglanz zu polieren, oder darf dieser Punkt heute gestrichen werden?

Cool Ager nutzen ihre Zeit, ihr Leben mit Golfbällen zu füllen, bevor noch mehr Sand den Platz wegnimmt.

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Lebensorganisation

Senior-Au-pair – Ich bin dann mal weg

Au pair ist französisch und bedeutet auf Gegenseitigkeit. Die Gastfamilie braucht Kinderbetreuung, und die Au-pair will bei freier Kost und Logis im Ausland neue Erfahrungen sammeln. Seit Generationen haben auf diese Weise junge meist weibliche Erwachsene Sprache und Kultur anderer Länder kennengelernt.

Seit einigen Jahren bekommt das Au-pair-Mädchen ernsthafte Konkurrenz: die Granny Au-pair. Statt einer Heranwachsenden nimmt die Gastfamilie eine Frau jenseits der 50 auf. Die Gastgeber wissen die Vorteile einer lebenserfahrenen Ersatz-Großmutter zu schätzen: Zuverlässigkeit, Verantwortungsbewusstsein, Erfahrung im Umgang mit Kindern und in der Haushaltsführung.

ReiselustNach all den Jahren voller Aufgaben und Verpflichtungen nochmal ungebunden und neugierig einen Tapetenwechsel wagen – zahlreiche Frauen über 50 haben sich bereits in das Abenteuer Gastgroßmutter gestürzt, und immer mehr sind daran interessiert. Interessentin und Gastfamilie können mittels der Internetportale spezialisierter Vermittlungsfirmen zueinanderfinden.

Intensive Vorbereitung

Allerdings sollten Au-pair und Gastfamilie in spe nach dem ersten Kennenlernen ausgiebig via E-Mail, Brief, Telefon oder Skype darüber kommunizieren, wie ihre jeweiligen Vorstellungen von der Au-pair-Zeit aussehen. Denn die Agenturen vermitteln lediglich den Kontakt und übernehmen keine Verantwortung für den Erfolg des Au-pair-Aufenthalts. Eine moderne Leihgroßmutter mag aktiv, neugierig, aufgeschlossen und erlebnishungrig sein. Dennoch: Im Vergleich zum Au-pair-Mädchen mögen ihre Ansprüche und Sicherheitsbedürfnisse etwas höher und das Maß an Toleranz und Flexibilität etwas geringer sein.

Überraschungen vermeiden

Um böse Überraschungen vor Ort zu vermeiden, sollte die Granny-Au-pair möglichst zuverlässige Antworten auf zahlreiche Fragen bekommen:

  • Wo und wie bin ich untergebracht?
  • Welchen Komfort brauche ich?
  • Welche Leistungen werden genau erwartet, zum Beispiel nur Kinderbetreuung oder auch Kochen und Putzen?
  • Wer bezahlt welche Kosten, zum Beispiel für Reise, Taschengeld, Sprachkurs?
  • Welche Sprachkenntnisse sind erwünscht?
  • Wie intensiv soll ich am Familienleben teilnehmen?
  • Wie sieht es mit Freizeit für meine eigenen Unternehmungen aus?
  • Wie kann ich mit meinen Angehörigen und Freunden zuhause Kontakt halten?
  • Mag ich Haustiere?
  • Wie vertrage ich die klimatischen Bedingungen und das Essen im Reiseland?
  • Wie ist es mit Rauchern?
  • Wie belastbar bin ich eigentlich?
  • Stimmt die Chemie zwischen mir und der Gastfamilie?
PassportVisum und Versicherung

Darüber hinaus gibt es einiges zu organisieren. Bei einem Au-pair-Aufenthalt in einem Land außerhalb der Europäischen Union ist eventuell ein Visum notwendig. Eine Auslandskrankenversicherung sollte über den gesetzlichen Versicherungsschutz hinaus die Kosten für medizinische Leistungen bei Krankheit oder Unfall sowie eines eventuell nötigen Rücktransports abdecken.

Gesellschafterin oder Betreuerin

Auch wer keine Kinder betreuen will, kann als Au-pair ins Ausland gehen. Als Gesellschafterin für gemeinsame Aktivitäten, Housesitter oder Seniorenbetreuerin kommen ohnehin nur die Senior-Au-pair in Frage.

Vorsicht Kulturschock

Wer noch nie längere Zeit im Ausland gelebt hat, sollte sich auch mit dem Phänomen des Kulturschocks bekannt machen. Damit sind die Befindlichkeiten im Laufe eines Aufenthalts in einer fremden Kultur gemeint. Dieses Erleben kann aus bestimmten Phasen bestehen:

  • Anfangseuphorie
  • Krise
  • Erholung
  • Anpassung

Um einen möglichen Kulturschock abzumildern, ist es durchaus sinnvoll, sich im Vorfeld nicht nur mit der Sprache, sondern auch den kulturellen Besonderheiten des künftigen Aufenthaltsortes vertraut zu machen. Je nach Länge der Abwesenheit kann es übrigens nach der Rückkehr in die Heimat erneut zu Anpassungsschwierigkeiten, dem Eigenkultur-Schock, kommen.

Alternative: Leihgroßmutter

Abenteuerlust geweckt? In einem ersten Schritt empfiehlt es sich, möglichst viele Informationen und Erfahrungsberichte zum Thema Au-pair und Granny- bzw. Senior-Au-pair zu sammeln, zum Beispiel mittels entsprechender Suchwörter im Internet. Inspirationen liefert auch das Buch der Agentur-Gründerin Michaela Hansen: „Als Granny Aupair in die Welt“. Rückkehrerinnen, die weiterhin Kinder betreuen möchten, und Frauen, die lieber (noch) nicht  ins Ausland gehen möchten, können hierzulande ein Ehrenamt als Leihgroßmutter annehmen.

Granny-Au-pair

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Lebensorganisation

60+ online – Keine Angst vor dem Silver Surfer

Sind Sie ein Silver Surfer? Schön, dass Sie online sind. Wenn Sie das hier lesen, haben Sie den Weg ins Internet gefunden. Doch das ist längst keine Selbstverständlichkeit.

Es gibt intelligente Menschen, die hatten immer folgende klare pauschal negative Meinung: Medien und ihre ständigen Neuerungen seien was für einfache Gemüter.  Man selber habe was Besseres zu tun. Hat auch gut funktioniert, als aus dem unschuldigen Fernseher eine Glotze wurde – mit 24 Stunden-Programm und Reality-TV.

Silver Surfer Technikangst

Dann kamen die neuen Informations- und Kommunikationstechnologien, und der ein oder andere Bildungsbürger konstatierte reflexhaft: Von dieser E-Mail-Sache halte ich gar nichts. Bis die E-Mail-Sache die Welt eroberte.

Verweigerung und Angst

Viele Menschen in der zweiten Lebenshälfte beziehen die vertraute Anti-Technik-Denke auf die Internet-, App- und Smartphone-Welt. Der Tenor: Früher war Älterwerden ja noch so einfach et cetera pp. Sie kokettieren damit, dass sie ein Handy von anno dazumal hätten, das Internet möglichst meiden wie die Pest, garantiert nicht zu googeln seien und sich dem Terror des ständigen Updatens niemals unterwerfen werden.

Das mag man respektieren, aber nicht unbedingt schlau finden. Die digitale Entwicklung durchdringt unsere Leben derart intensiv, dass Verweigerer oder Ängstliche leicht ins Abseits geraten. Kein Mensch will eines Tages andere um Hilfe bitten müssen, um ein Bahnticket zu buchen. Dabei ist es gerade die Generation 60+, der die elektronische Technikrevolution das Leben erleichtert.

Cool Ager nutzen die neuen technischen Möglichkeiten nach Bedarf:

  • 60+ und Rücken (oder sonstige Bewegungseinschränkungen): Online einkaufen und liefern lassen
  • 60+ und Genießen: Tickets, Taxi, Reservierung im Netz
  • 60+ und Mobilität: Fahrkarten, Flugticket- und Hotelreservierungen
  • 60+ und Schlagfertig bleiben: Gehirnjogging-App und gut gemachte Spiele
  • 60+ und Budget: Sharing-Angebote nutzen
  • 60+ und 60+: Auf Dating-Portalen lässt es sich bequemer umschauen als in Nachtclubs
Der Mix macht’s

Das heißt natürlich nicht, dass Offline-Aktivitäten und –Angebote eingeschränkt werden sollen. Und selbstverständlich kann die Online-Welt eine Herausforderung bedeuten für die Generation 60+, die aufgrund ihres Geburtsdatums nicht zu den sogenannten Digital Natives gehört. Aber Angst oder Unwissen (was oft hinter zur Schau gestelltem Desinteresse steckt) müssen niemanden aufhalten. Wo ein Wille ist, ist auch ein Lernprozess auf dem Weg zum Silver Surfer.

Nie zu alt fürs Internet

Selbst die Unbedarftesten und Verzagtesten können es schaffen – zum Beispiel mit Kursen in Volkshochschulen, Senioren-Initiativen, Internetcafés für ältere Menschen, wo entschlossene Mitstreiter der eigenen Altersgruppe anzutreffen sind. Weitere Optionen zur digitalen Unterstützung sind private Initiativen, studentische Computerdienstleister und Familienmitglieder, die nicht nur toll surfen, sondern auch das Surfen erklären können.

Ist man erst mal drin, bietet das Internet selbst das ganze Füllhorn mit Informationen fürs digitale Weiterkommen. Einen guten Überblick darüber, wie sich ältere Semester mit dem Online-Dasein vertraut machen können, gibt die Broschüre „Nie zu alt fürs Internet des Bundesfamilienministeriums.

Allerdings sollten Benutzer und Benutzerinnen von Internet und sozialen Medien sich kontinuierlich informieren, um zwischen seriösen hilfreichen oder auch unterhaltsamen Inhalten einerseits und reißerischen, manipulativen oder betrügerischen „Nachrichten“, Aufrufen et cetera unterscheiden zu können.

Schutz der Daten

Selbstverständlich ist es beim Silver Surfen wichtig, sich auch über den Schutz vor Abzocke im Internet und Datenmissbrauch auf dem Laufenden zu halten. So bietet beispielsweise das Service-Portal „Silver Tipps – sicher online“ Informationen für die Silver Surfer zur sicheren Nutzung des Internets .

Noch ein Grund, sich nicht vor den Digital Natives zu verstecken: Eine Studie zur Mediennutzung von Jugendlichen zeigt, dass es den Menschen nicht unbedingt voranbringt, die neuen Techniken lediglich instinktiv und intensiv zu nutzen. Die kompetente Mediennutzung erfordert zusätzlich Zielsetzung, Planung, Perspektive, Kritikfähigkeit und Lebenserfahrung. Also: Klarer Vorteil für 60+!

Silver Surfer Offline Online

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Lebensorganisation

Ausmisten – Immer raus damit

Ausmisten und Minimalismus sind ja irgendwie angesagt. Und doch hilft es, seinen persönlichen Handlungsauslöser zu erleben. Zum Beispiel beim Begießen der nachbarlichen Blumen in der Urlaubszeit: Bei Müllers kommt man nur im Seitwärtsgang zu gefühlt dreißig Pflanzenpötten, bei Mayers dagegen: Tisch, Stühle, Gefäß, Orchidee – das war’s. Erstaunlich! Zwei Extreme ganz nah: Messies und Minimalisten.

Und wie sieht es in den eigenen vier Wänden aus? Eigentlich sind wir doch eingeklemmt zwischen zwei Maximen der westlichen Welt:

  • „Konsumiere, was das Zeug hält, und versäume bloß keine Spaßangebote!“
  • „Befreie dich von dem Übermaß an Dingen und Aktivitäten, bevor es dich erdrückt!“

Ausmisten Setzkasten

Warum es jetzt Zeit ist zum Ausmisten 

Was hat das mit Cool Aging zu tun? Vielleicht ist es die Erkenntnis: Meine mir verbleibende Lebenszeit ist zu kostbar, um

  • Dinge ständig von links nach rechts zu räumen, die ich nicht wirklich brauche
  • Frust-, Spontan- und unüberlegte Käufe zu machen
  • jeden Hype mitzumachen
  • mich mit Leuten zu treffen, die mir nicht wirklich guttun
  • mein Leben komplizierter zu gestalten als nötig

Minimalismus Ausmisten Einfachheit WasserglasAlso könnte man anfangen, zuerst seine Haltung und dann seinen Lebensstil ein wenig zu ändern in eine Richtung, für die es  Begriffe gibt wie Minimalismus, Downshifting, Simple Living, LOVOS (Lifestyle of Voluntary Simplicity) oder einfach Ausmisten, Entrümpeln, Entmüllen, Loslassen – und zwar Materielles wie Klamotten sowie Immaterielles wie alle Formen der Zeitverschwendung.

Anfänger in Sachen Minimalismus brauchen Willenskraft, Know-how und Geduld.

Willenskraft

Der Wille, etwas loszuwerden, könnte aus der Verneinung folgender Fragen entstehen:

  • Brauche ich das wirklich (z. B. die tolle Bluse, die ich in fünf Jahren nie getragen habe)?
  • Brauche ich es eines Tages (z. B. die Golfaufrüstung, obwohl schon nach dem ersten Golfkurs die Wirbelsäule protestiert hatte?)
  • Hat der Gegenstand wirklich hohen emotionalen Wert oder wollte ich mich von den sentimentalen Erinnerungen nicht längst befreien?
  • Ist das ehemals teure Stück wirklich noch von Wert oder ist es nicht doch längst „abgeschrieben“?
  • Macht Sie der Besitz des Gegenstandes glücklich? (Das ist eine der zentralen Fragen der Marie-Kondo-Methode – „Does it spark joy?“. Falls nicht und falls es kein notwendiger Gebrauchsgegenstand ist, kann es weg.)

Nehmen Sie sich zunächst die Dinge vor, die Sie am leichtesten entbehren können, und spüren Sie in sich hinein. Wenn Sie sich durch das Loswerden einer Sache gut/befreit/glücklich fühlen und nicht durch das Festhalten daran, fällt das weitere Ausmisten umso leichter.

Know-how

Fangen Sie beim Ausmisten ruhig klein an.

Aufbrauchen

Gewöhnen Sie sich an, Verbrauchbares systematisch aufzubrauchen. Viele Kosmetika oder Lebensmittel nehmen lange Zeit Platz weg – meist griffbereit ganz vorne im Schrank – bis man sie nach Überschreiten des Verfallsdatums schließlich entsorgt.

Machen Sie sich schlau, wie Sie am besten loswerden, was Sie nicht mehr brauchen. Am einfachsten trennt man sich wohl von Sachen, die mehr oder weniger kaputt, irreparabel und jenseits des Verwendungszeitraums oder Haltbarkeitsdatums sind. Aber auch das will gelernt sein.

Wie wegwerfen?

  • In einem ersten Schritt kann man sich noch mal genau über die Mülltrennung und das fachgerechte Entsorgen informieren. Portale und Broschüren der örtlichen Entsorgungsbetriebe geben detailliert Auskunft.
  • Es muss nicht immer der Betriebshof sein. Auch Fachhändler nehmen kaputte Ware zur hoffentlich fachgerechten Entsorgung zurück.

Was zu schade für den Müll ist, sollte allerdings auch nicht dort landen. Schenken macht Freude und schön ist es, wenn man seine heroische Trennungsarbeit mit ein paar Euro belohnen kann. Für das Verschenken oder Verkaufen gibt es viele Möglichkeiten.

Wie spenden?

  • Fragen Sie Freunde und Verwandte, ob sie brauchen, was Sie nicht mehr brauchen.
  • Sie können Gegenstände auch mit dem Hinweis „zu verschenken“ vor die Tür stellen.
  • Bücher kann man in öffentlichen Bücherschränken unter die Leute bringen. Eine aktuelle Liste der Bücherschränke in den einzelnen Bundesländern finden Sie zum Beispiel auf der Wikipedia-Seite.
  • Noch einwandfreie Lebensmittel, die Sie selbst nicht mehr essen möchten, nehmen die Tafeln.
  • Gut erhaltene Kleidung und Sachen können Sie spenden. Informieren Sie sich über nahegelegene Hilfseinrichtungen wie Kleiderkammern, Altkleidersammler, Obdachlosenheime, Flüchtlingsheime. Adressen finden Sie über Wohltätigkeitsorganisationen wie OxfamDeutsches Rotes Kreuz, Arbeiterwohlfahrt oder Caritas.
  • Sozialkaufhäuser nehmen Ihnen ab, was sie weitergeben oder -verkaufen können. Mit diesen Einrichtungen werden auch langzeitarbeitslose Menschen unterstützt. Adressen finden Sie bei Wohltätigkeitsorganisationen oder Adressenportale wie Ortsdienst.
  • Auch übers Internet werden ausgemistete Dinge umsonst weitergegeben bzw. verschenkt.
  • Verschenken kann man auch über eBay.

Wie verkaufen: 

  • Der klassische Flohmarkt ist nicht Jedermanns Sache. Aber ein Erlebnis ist er allemal.
  • Selbstverständlich können Sie Dinge per Anzeige zum Verkauf anbieten. Wählen Sie das für Sie am besten geeignete Medium: Zeitung, schwarzes Brett im Supermarkt, oder online über eBay Kleinanzeigen. Eine Alternative zu eBay ist das Kleinanzeigen-Portal Quoka.
  • Flohmarkt und Anzeigenportal zusammen geht auch: Auf eBay können Sie sogenannte Flohmarktkisten und Konvolute einstellen. Die jeweiligen Käufer hoffen für kleines Geld noch Wertvolles zu ergattern und übernehmen für Sie die Kleinarbeit. Früher nannte man das Trödler.
  • Secondhand-Portale wie Kleiderkreisel und Kleiderkorb vermitteln Ihre Kleidung an neue Besitzer.
  • Das hat mal viel Geld gekostet? Accessoires und Kleidungsstücke der Designer- und Luxusmarken können Sie in Großstädten über eine Secondhand-Boutique oder von überall aus über die Designer-Secondhand-Plattform Rebelle verkaufen.
  • Intakte Bücher, Comics, CDs und DVDs können Sie im großen Stil bei Ankaufportalen wie zum Beispiel Momox loswerden. Gegenstand über die App einscannen, sehen, ob und für wie viel er verkauft werden kann, portofrei versenden. Re-commerce-Unternehmen akzeptieren nicht alles, die Ankaufpreise sind eher niedrig, aber man wird sein Zeug kartonweise los.

Gegen zu viele Besitztümer kann man aber auch vorbeugen. Denn was man nicht hat, muss man nicht loswerden.

Wie vermeiden?

  • Schützen Sie sich vor dem „Geschenke-Behalten-Zwang“, indem Sie sich bevorzugt Dinge wünschen, die nicht rumstehen, sondern verbraucht werden: Olivenöl, Tickets, Reise etc.
  • Wiederholen Sie Ihr Mantra „Brauche ich das wirklich?“ vor jeder Kaufentscheidung.
  • Und wenn Sie doch so gerne shoppen gehen? Kein Problem, wenn Sie für die Neuanschaffung etwas Vorhandenes verkaufen, verschenken oder spenden.
Geduld

Ausmisten Minimalismus ÄpfelEs ist noch kein Minimalist vom Himmel gefallen. Lassen Sie die minimalistische Haltung reifen. Es empfiehlt sich, beim Ausmisten klein anzufangen, aber dann nicht lockerlassen. Mäßig, aber regelmäßig. Wenn Sie sich nach Ihrer Dinge-Diät freier und unabhängiger fühlen, war es höchste Zeit. Sie haben Fertigkeiten im Loslassen gewonnen.

Und was ist sonst noch überflüssig?

Viele Menschen machen dann eine erstaunliche Entdeckung: Nach dem Ausmisten der Wohnung fällt es leichter, sich auch von überflüssigen Aktivitäten zu befreien. Und vielleicht sogar von falschen Freunden und all den sozialen Kontakten, die man nicht braucht und die einem nicht guttun.

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Zeitgeist

Vorsicht Sprache – Nomen est Oma

Vorsicht SpracheKaum zu glauben, welch negatives Bild vom Alter die Sprache zeichnen kann. Beleuchtet man den Zusammenhang von Wörtern und Menschen über 60, gerät manch Hässliches und Überkommenes ins Licht.

Mit dem wissenschaftlichen Begriff „Ageismus“ wird die sprachliche Abwertung des Alters und älterer Menschen bezeichnet. Cool Ager machen es sich bewusst, wie Sprache wertet. Es folgen hier keine wissenschaftliche Abhandlung, sondern ein paar Vorschläge für den sprachlichen Alltag. Schauen wir uns die Begriffe etwas genauer an:

Alt

Das Adjektiv „alt“ kann benutzt werden als

  • Gegenteil von jung: „Das alte Pferd kann nicht mehr laufen.“
  • Gegenteil von aktuell: „Die alte Zeitung enthält den Schnee von gestern.“
  • Gegenteil von neu: „Das alte Zeug kann weg.“
  • Synonym von nervig: „Der alte Angeber …“

Merken Sie was? Alt hat eine negative Konnotation. Wertgeschätztes Altes wird als antik, historisch oder traditionell bezeichnet. Aber sollte man ein altes Pferd, eine alte Zeitung oder das alte Zeug anders bezeichnen? Natürlich nicht.

Einen Menschen jedoch muss man nicht unbedingt mit einem Adjektiv mit den Assoziationen „ausgedient, gestrig, überflüssig, lästig“ versehen. Erstens darf die sprachliche Entwertung einer bestimmten Altersgruppe getrost als soziale Diskriminierung entlarvt werden. Zweitens: Wer will angesichts der vielen Facetten der Persönlichkeit und des Lebensstils eines Individuums exakt definieren, wann jung aufhört und alt beginnt?

Das Synonym betagt macht es auch nicht gerade besser. Hier spüren wir förmlich eine schwere Last angesammelter Tage auf dem Rücken. Doch die Sprache hält eine akzeptable Alternative bereit. Die erste Steigerung des Adjektivs alt ist älter und Alter ist ziemlich relativ. Cool Ager sind eben ältere Menschen.

Alter (Mensch)
  • Sagt der Junge zum Jungen: „ … ey Alter!“, ist das sympathischer Jargon.
  • Sagt der Junge zum Älteren „ … ey Alter!“, ist das … genau: ein Problem.

Fakt ist, dass es gerade zum Thema 60 plus von abwertend gemeinten Metaphern nur so wimmelt: Alte Schachtel, alte Schabracke, alter Sack, Oldtimer, Oma, Opa, Dino usw. Eine besonders heikle Variante ist es, sich selbst kokett als alter Sack etc. zu titulieren in Gegenwart einer Person, die noch älter ist als man selbst.

Obwohl sich der Begriff Senioren mit seinen Varianten vom Seniorenteller bis zum Seniorentreff allgemein durchgesetzt hat, spüren viele Menschen eine Abneigung gegenüber dem Wort. In der Einzahl transportiert der Begriff „Senior“ zwar Kompetenz und Erfahrung (Seniorpartner, Seniormanager), im Plural „Senioren“ schwächt sich diese Konnotation allerdings ab. Für viele klingt das Wort zu sehr nach senil. Es stammt aus dem Lateinischen „Senium“ (Altersschwäche), womit Mediziner heute die Lebensphase ab 75 Jahre bezeichnen.

Übrigens: Menschen in der zweiten Lebensphase, deren Kinder noch relativ jung sind, sind gut beraten, sich nicht plötzlich lustvoll den „Senioren“ zuzurechnen. Es könnte irritieren, dass Mutter und Vater plötzlich in eine Art Großeltern-Segment wechseln.

Eine Alternative kommt aus dem englischen Sprachgebrauch: Boomers (kurz für Baby Boomers) beziehungsweise eingedeutscht Baby-Boomer heißen die Menschen, die in den geburtenstarken Jahrgängen nach dem Zweiten Weltkrieg das Licht der Welt erblickt haben und jetzt die große Altersgruppe 60 plus bilden.

Im Marketing wurden zahlreiche freundliche Bezeichnungen für eine begehrte Zielgruppe erfunden: Best Ager, Silver Ager, Silver Surfer, Generation Gold, Golden Ager, Third Ager, Mid-Ager etc. Und wir erinnern uns gerne an die sympathischen Protagonistinnen der amerikanischen TV-Serie Golden Girls … Man könnte nun anführen, dass solche Wortschöpfungen das Alter beschönigen. Andererseits ließe sich sagen, dass die neuen positiven Konnotationen des Älterwerdens ein überfälliges Gegengewicht zu den negativen darstellen.

Alter (Lebensphase)

Die Begriffe das Alter und im Alter sollen eine bestimmte Lebensphase bezeichnen. Wenn nicht gerade scherzhaft gemeint wie der Ausspruch „Tja, das Alter …“ bei einem Zipperlein, klang das Alter schon immer ziemlich lieblos. Dann kreierte jemand das Wort Lebensabend. Hier sei die Frage erlaubt: Geht’s noch? Wäre es nicht schöner, die Sache beim Namen zu nennen als Leben 60 plus oder Leben ab 60?  Oder wie wäre es mit Menschen in der zweiten (nein: nicht in der dritten oder gar letzten) Lebensphase. Und: Im besten Alter lässt es sich eigentlich auch ganz gut leben.

Grau

Vorsicht SpracheGrau ist nicht nur die neutrale Bezeichnung einer Farbe, zum Beispiel der des Haares, sondern steckt auch voller negativer Bilder: das Unheimliche des grauen Nebels, die Trostlosigkeit des grauen Alltags, die Ungewissheit des grauen Bereichs, die Unscheinbarkeit der grauen Maus. Die durch Betrugsaffären diskreditierte Partei der Grauen bzw. Grauen Panther befand sich schließlich nicht mehr in einem rechtlichen Graubereich, sondern in der Insolvenz. Dem Wort Grau sind Cool Ager nicht besonders grün. Sie bevorzugen Silber.

Rentner

Rentner oder Rentnerin ist jemand, der oder die Rente bezieht. Soweit so gut. Doch außerhalb dieses Umstands wird die Bezeichnung gerne despektierlich genutzt: die Rentnergang etc. Charmanter ist hier ein Ausflug in französische Lehnwörter: Beim Leben von Rentier oder Privatier könnten andere richtig neidisch werden.

Rüstig

Vorsicht SpracheHaben Sie schon mal von einem rüstigen Teenager gehört? Nein? Eben.

Das Wort rüstig suggeriert, dass ein älterer Mensch körperliche und geistige Gebrechen hat, und drückt die Überraschung aus, dass es bei dem Rüstigen nicht so ist. Daher darf man dieses Wort getrost vermeiden. Wie wäre es mit sportlich, aktiv, gesund und munter, schlagfertig oder einfach nur – fit?

Es soll keineswegs verdrängt oder verleugnet werden, dass Menschen alt sind und das Alter Probleme mit sich bringen kann. Man mag einwenden, dass die Wort-Alternativen Euphemismen sind, das heißt Bezeichnungen, die potentiell Problematisches verschönern sollen? Ja vielleicht.

Aber Cool Ager haben erkannt, wie Sprache psychologische Einstellungen sowie gesellschaftliche Rollen beeinflussen kann. Es darf nicht weiter zementiert werden, dass „Normal sein“ mit „Jung sein“ gleichgesetzt wird. Die Power und das positive Lebensgefühl der über 60-Jährigen sowie der Respekt für diese Gesellschaftsgruppe sollen sprachlich ihren Ausdruck finden.

Zum Cool Aging passt folglich eine coole, das heißt nichtdiskriminierende Sprache.

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Gesundheit & Wohlfühlen

Metatarsalgie – Wenn der Schmerz auf dem Fuße folgt

Metatarsalgie PumpsNach jahrzehntelangem Pumpsgenuss haben viele Frauen ein Absatzproblem. Der Schrecken kommt auf leisen Sohlen, welche eines Tages plötzlich schmerzen. Nach einer hoffnungsvollen, aber sinnleeren „Das-geht-schon-wieder-weg“-Phase führen sie ihre qualvollen Schritte zum Orthopäden. Dort bekommt der Schrecken seinen Namen: Metatarsalgie.

Kurz erklärt: Das Gewebe im Fuß ist einfach nicht mehr das, was es einmal war, und die Knochen protestieren von Mittelfußkopf bis Zeh. Die Neu-Metatarsalgikerin taumelt – aua – aus der Praxis mit dem Rezept für orthopädische Einlagen und der so sicheren wie erschütternden Erkenntnis: Pumps, hohe Stiefel oder Stiefeletten kannst du ab jetzt vergessen. Punkt. Neuer Absatz.

Metatarsalgie Fuß im SandLäuft

Es folgen gymnastische Übungen zur Stärkung der Ballenmoral und Erhöhung der Fußfingerfertigkeit. Während frau ihren Fuß in ein Handtuch friemelt und (vergeblich) versucht, mit den Zehen aufzuheben, geht sie gedanklich ihre Optionen durch: Sneakers, Halbschuhe, Boots, Mokassins, Slipper oder – für ganz Harte – orthopädische Kellnerinnenschuhe. Läuft. Aber wie uncool ist das denn, wenn frau sich nicht von so schönen Sachen wie Röcken, Kleidern und Femininität verabschieden will?

Metatarsalgie Balletttänzerin Prima Ballerina

Die coole Lösung:  Die Chance in dieser Krise sind Schuhe, die paradoxerweise nach den Frauen benannt sind, die am besten wissen, was Fußschmerz ist: Ballerinas (italienisch für Tänzerinnen). Stylisch und elegant lassen sie den nackten Fußrücken entzücken und die Beine länger wirken als andere flache Schuhe dies tun. Ballerina-Schuhe wurden bereits in den Vierzigerjahren des letzten Jahrhunderts in die Kollektionen aufgenommen. Seither können sich die Fashion-Designer in alle Ballerina-Richtungen austoben.

Metatarsalgie BallerinasEin paar Favoriten: Klassische Leder-Ballerinas, Samt-Ballerinas, Wildleder-Ballerinas, Riemchen-Ballerinas, Schleifen-Ballerinas, Ballerinas mit Bändern, bestickte Ballerinas, Satin-Ballerinas, elastische Ballerinas, Ballerinas mit spitzer Kappe, Peeptoe-Ballerinas, Sling-Ballerinas, Schnür-Ballerinas, Glitzer-Ballerinas, Metallic-Ballerinas, Flecht-Ballerinas, Streifen-Ballerinas, Strass-Ballerinas, Cut-out-Ballerinas, Schnallen-Ballerinas, Tassel-Ballerinas, Python-Ballerinas, Ballerina-Sandalen …

Der bevorzugte Einsatz von Ballerinas eignet sich übrigens auch zur Vorbeugung vor Metatarsalgie. Und wer sie zu mädchenhaft findet, entscheide sich einfach für die Modelle ohne Schleifchen, Bändchen und Riemchen. Ballerinas sind modische Dauer(b)renner seit Audrey Hepburn. Prima Ballerina eben.

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Lebensfreude

Älterwerden – Leben statt Reden

Wir reden hier nicht von den Wiener Philharmonikern, sondern von verdammt viel Krach, Action und Schweiß. The Rolling Stones, KISS, Metallica, U2 und noch einige Giganten in Sachen jugendlicher Rebellion haben Folgendes gemeinsam: Sie sind ziemlich in die Jahre gekommen und machen – von ein paar physischen Rückschlägen abgesehen – einfach weiter. Und keiner findet es lächerlich. Das macht sie inzwischen zu Giganten des Cool Aging. Denn was 60+ von den reifen Rockern fürs Älterwerden lernen kann, ist das Prinzip: nicht labern, sondern handeln.

Stereotype Marke Eigenbau

Schauen Sie genau hin, was passieren kann, wenn Menschen in der zweiten Lebenshälfte ständig über das Alter reden. Irgendwann glaubt man selber, bestimmte Lebensweisen und Aktivitäten gehen nicht mehr. Das ist die Innenwirkung der selbsterfüllenden Prophezeiung. Noch fataler aber ist die Außenwirkung: Wer gern und oft über sein Alter redet, bestärkt auch die Umwelt darin, ihm bestimmte Fähigkeiten altersbedingt abzusprechen. Daraus entsteht ein Teufelskreis. Die zirkulären Auswirkungen des Stereotyps in der Kommunikation von und mit älteren Menschen ist im Übrigen auch wissenschaftlich untersucht worden.

ÄlterwerdenRolling stone

Machen wir es lieber wie die Musiklegenden: voller Selbstbewusstsein und Selbstvertrauen handeln, ohne es groß zu hinterfragen. Mit dieser Haltung lässt sich vermeiden, dass sich Türen unnötig schließen. Stellen Sie Jüngere vor vollendete Tatsachen. So wird ein Lebensstil mit Reisen, Sport, Genießen ohne Generationenunterschiede im sozialen Beisammensein zur Selbstverständlichkeit. Oder um im Bild der fidelen Rocker zu bleiben: A rolling stone gathers no moss (englisches Sprichwort).

Das heißt selbstverständlich nicht, dass man sein Alter völlig verleugnen soll. Und natürlich hat man das Bedürfnis, auch mal über Zwicken und Zipperlein zu schwadronieren. Aber das tun wir dosiert und im privaten Kreis mit Gleichaltrigen …

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Gesundheit & Wohlfühlen

Achtsamkeit – Ohne Stress in die besten Jahre

Mit 60 plus hat man naturgemäß schon einiges auf dem Buckel: die Sorgen um die Lieben, den Stress im alltäglichen Leben, gesundheitliche Probleme vielleicht. Bevor wir immer mehr zu den Atlanten der Lebenslast werden, sollten wir uns fragen: Ist es nicht endlich Zeit, sich intensiv um sich selbst zu kümmern, so richtig nett zu sich selbst zu sein? Spätestens jetzt kommen wir nicht mehr vorbei am Lieblingsthema vieler Psychologen und Life Coaches: Achtsamkeit.

Selbstachtsamkeit

Mit Achtsamkeit, so heißt es, können wir eine innere Ruhe finden, gelassener werden, eingefahrene Muster verlassen, im Hier und Jetzt mehr Lebensfreude empfinden. Doch was soll das eigentlich sein, diese Achtsamkeit? Sind wir nicht alle automatisch achtsam, wenn wir beispielsweise Auto fahren, über die Straße gehen oder ein Baby auf dem Arm halten? Vielleicht wäre der Bewusstseinszustand, um den es hier geht, noch besser beschrieben mit dem Wort Selbstachtsamkeit. Gemeint ist eine besondere (nicht wertende) Aufmerksamkeit für die eigene Person. Der englische Begriff ist mindfulness.

Stopp dem Kopf-Karussell

Im Karussell des Alltags dreht sich vieles gleichzeitig: Unter der Dusche denken wir schon an den nächsten Zahnarzttermin, beim Essen lesen wir das Schreiben vom Finanzamt durch, im Auto überlegen wir, dass heute noch dringend der Urlaub gebucht werden muss. Gleichzeitig werden Smartphone-Besitzer laufend digital befeuert und müssen darauf reagieren oder meinen, darauf reagieren zu müssen. Zusätzlich kommen im Kopf-Karussell die Gefühle in Schwung: Man spricht mit dem Nachbarn, trifft sich oder chattet mit Freunden oder Bekannten und ist schnell dabei, alles auf sich selbst zu beziehen, seinen eigenen Status, Beziehung, Körpergewicht, Lebensumstände zu vergleichen und sich vielleicht sogar über empfundene Nachteile ärgern.

Ziel der Achtsamkeit ist es, aus diesem Karussell auszusteigen.

Stau Stress Hektik

Dabei helfen bestimmte mentale Techniken, die sich auf folgende Grundpfeiler stützen:

Konzentration auf den Moment

Sie zwingen sich, das Hin- und Her der Gedanken und jegliches Multitasking zu vermeiden. Eins nach dem anderen im Hier und Jetzt.

Beobachten und wahrnehmen

Sie beobachten genau, was Sie in jedem Moment tun. Sie spüren in sich hinein und machen sich jede Einzelheit Ihrer Empfindungen bewusst. Was gibt es jetzt gerade zu hören, sehen, riechen oder zu schmecken? Ein gutes Beispiel ist das Essen. Der Gastronomie-Autor Jürgen Dollase zum Beispiel fordert implizit diese achtsame Beobachtung, wenn er zugunsten eines intensiveren Geschmackserlebnisses gegen das Multitasking mit Gesprächen oder anderen Ablenkungen beim Essen plädiert.

Nicht bewerten

Ein zentrales Element der Achtsamkeits-Technik ist es, das Beobachtete und Erspürte nicht zu bewerten. Das ist leichter gesagt als getan. Fast automatisch stellen wir einen Bezug zu unseren Erfahrungen und unserem Wertesystem hier – das Auto des Nachbarn ist größer, das Verhalten des Verkäufers ist unverschämt usw. Konzentriert man sich jedoch auf die Beobachtung ohne zu beurteilen, macht man also einen Schritt aus seinem Bewertungsmuster heraus, vermindert dies Stress. Es schont die Psyche vor allem, wenn man mit einer Interaktion oder Situation konfrontiert ist, die man eigentlich als unangenehm einschätzt, aber gerade nicht ändern kann – sei es ein unangenehmes Gespräch, der Stau auf der Autobahn oder eine niedergeschlagene Stimmung. Das Nicht-Bewerten ist im Übrigen auch eine klassische Regel beim Ideensammeln in Kreativteams. Nur so bleiben die Gedanken am Fließen und der Geist offen.

Akzeptieren und loslassen

Wenn man einen Zustand in jedem Moment akribisch beobachtet und erspürt hat, ohne ihn zu bewerten, sollte es leichter gelingen, ihn zu akzeptieren und negative Gefühle loszulassen. Ungefähr so wie ein Tinnitus, der von selbst verschwindet, nachdem man endlich mit dem krampfhaften Versuch, ihn zu überhören oder zu bekämpfen, aufgehört hat.

Lernen und üben

Achtsamkeits-Techniken sollte man erlernen und regelmäßig üben. Bis heute ist das Trainingsprogramm der Mindfulness-Based Stress Reduction (MSBR) verbreitet. Die Übungen wurden von dem inzwischen emeritierten Medizinprofessor Jon Kabat-Zinn an der Universitätsklinik von Massachusetts aus den Lehren des Buddhismus entwickelt und wissenschaftlich untersucht. Darüber hinaus gibt es Lehrer für Mindfulness Based Cognitive Therapy (MBCT). Informationen zum Thema, Trainer und Seminare findet man auf der Website des Verbands der Achtsamkeit-Lehrer. Eine einfache Achtsamkeitsübung und Informationen über Wirkungen finden Sie hier.

Es geht auch darum, richtig mit der Achtsamkeits-Methode umzugehen und sie für sich selbst zu prüfen. Bei bestimmten psychischen Konstellationen oder übertriebener Anwendung können Probleme entstehen – zum Beispiel aus der krampfhaftem Fixierung auf einen Meditationserfolg.

Keine Esoterik

In richtiger Technik und rechtem Maß angewendet, gilt Achtsamkeit jedoch als Wohltat für die Psyche und Lebensführung. Ein attraktives Angebot für Cool Ager? Viele begrüßen die Achtsamkeits-Methode auch aus dem Grund, dass sie die Möglichkeit zur Meditation ohne esoterisches Brimborium bietet.

Sollten Sie sich dennoch (noch) nicht damit anfreunden können, spazieren Sie einfach regelmäßig mit allen geschärften Sinnen, das heißt ohne Smartphone, durch den Wald. Auch hierfür gibt es einen Begriff: Waldbaden.

Wald Ruhe Gelassenheit Achtsamkeit

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Zeitgeist

Duzen – Siezt du noch oder duzt du schon

Duzen ist en vogue. „Was machst du gerade?“ „Gib deinem Leben eine Küche!“ Auf Sätze wie diese treffen Sie (!) nicht mehr nur sozialen Plattformen oder in schwedischen Möbelhäusern. Auch im Restaurant, im Laden, in der U-Bahn fliegt einem ständig das Du entgegen und es bleibt oft irgendwie unangenehm kleben. Vor allem, wenn man 60+ ist. Frei nach dem Motto: Bist du noch cool oder alterst du schon?

Coole Tipps zum Umgang mit dem Duzen 

Hier ein paar Tipps, um die eigene Befindlichkeit bei der wachsenden Duzeritis besser einordnen zu können:

Das Du als das Gegenteil vom Sie wabert durch vier Problemzonen:

  1. Alter
  2. Status
  3. Soziales Umfeld
  4. Marketing

Vor diesem Hintergrund stellen sich zwei Fragen.

Macht es eigentlich jünger, wenn 60+ von Fremden geduzt wird?

Ja, wenn es im Umfeld üblich ist. Sprich, wenn sich in einem bestimmten Kontext alle unabhängig von Alter und Status duzen. Umgekehrt erzeugt es ein Störgefühl, wenn man in solch einem Kontext nicht geduzt wird. Es gibt Jobs, die erfordern Berufsjugendlichkeit inklusive dem Du. So sah die freie Werbetexterin plötzlich alt aus, als sie ein neuer Agenturangestellter respektvoll und wohlmeinend siezte. Sie beschloss, möglichst nur noch per Telefon und E-Mail mit Agenturen zu kommunizieren.

Nein, wenn das Duzen nicht unbedingt ehrlich gemeint ist. All die Dienstleister, die uns munter und freundlich duzen – machen wir uns nichts vor: Sie tun nur ihren Job. Ihr Arbeitgeber erhofft sich bessere Umsätze durch die Marketingstrategie, per Du Nähe zum Kunden zu erzeugen.

Muss als herabsetzend empfunden werden, wenn 60+ von Fremden geduzt wird?

Ja. Duzen geht auch heutzutage gar nicht, wenn das „Sie“ im sozialen Umfeld und beruflichen Kontext der Normalfall ist und das „Du“ der Bezeugung einer Machtstellung vorbehalten ist.

Nein. Das zunehmende Duzen von Dienstleistern muss man nicht unbedingt als respektlos auffassen. Man darf schließlich annehmen, dass die Anbieter ihre Kunden vor den Kopf stoßen wollen.

Wie gehen Cool Ager damit um?

Ganz einfach: Im sozialen Kontext bringen sie freundlich zum Ausdruck, wie sie gerne angesprochen werden möchten, denn der Ältere macht die Ansage. Kleine Einschränkung: Beruflicher und gesellschaftlicher Status schlägt Alter. Aber 60+ besitzt meist das nötige Fingerspitzengefühl.

Im Raum der sozialen Medien und menschelnden Dienstleister nehmen sie die duzende Ansprache in der Werbung langmütig hin und regen sich lieber über relevante Dinge auf, zum Beispiel, wenn der Service nicht stimmt. Im zwischenmenschlichen Kontakt mit den Verkäufern Kellner etc. darf man kräftig zurückduzen. Man kann aber auch beharrlich zurücksiezen. Kapiert das duzende Gegenüber das Siezen nicht, darf man ihm gerne eine Zeichnung machen. Aber ist nicht wirklich cool.

Hamburger Sie und Münchner Du

Ein eleganter Kompromiss ist das sogenannte „Hamburger Sie“. Man nennt sich beim Vornamen und siezt sich. Dies ist beispielsweise ein stilvolle Methode, die inzwischen erwachsenen Kinder der Nachbarn anzusprechen. Das Hamburger Sie wäre auch ein Modus für die Mitarbeiter in angelsächsisch geprägten deutschen Unternehmen, die das Du vermeiden wollen. Dem Gegenüber kann man auch eine „Sie“-Indikation geben, indem man beim Vorstellen nur seinen Nachnamen nennt. Wenn Sie dennoch mit „Du Frau Meier“ angesprochen werden, handelt es sich um das sogenannte „Münchner Du“. Und das klingt so schräg, dass es eigentlich nur lieb gemeint sein kann.

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Beauty & Style Gesundheit & Wohlfühlen

Tätowierung – Bis dass der Laser uns scheidet

Tätowierung Muskeln Arm HerzFrüher war die Tätowierung ein Muss für Verbrecher, Gangs, Matrosen und Underdogs. Irgendwann wurden Hautbilder Mode und zogen in die breite Gesellschaft ein. Warum jedermann und jederfrau ihre Haut zerstechen lassen, versuchen Psychologen zu ergründen.  Die eigene Individualität betonen, etwas aussagen, ihr Inneres nach außen kehren. Oder einfach nur dazugehören, einen Trend mitmachen. Oder ein bisschen wild sein, zumal es mit Ausnahme einiger Berufssparten toleriert wird. Doch oft wissen die Träger eines Tribal-, Totenkopf-, Spinnennetz-, Anker-, Katzen- oder Schriftzeichen-Motiv gar nichts über dessen ursprünglichen symbolischen Inhalt; in bestimmten Gefängniskulturen zum Beispiel signalisiert ein Häftling mit einem Totenkopf-Motiv, dass er einen Mord begangen hat …

Persönlichkeit, Geschmack und Lebensalter ändern sich

Steißbein Tribal ArschgeweihSo mancher hat also vor einiger Zeit sein Inneres nach außen gekehrt; aber was, wenn sich das Innere inzwischen geändert hat? Die Weiterentwicklung der Persönlichkeit ist einer der Beweggründe, sich eine Tätowierung entfernen zu lassen, zusammen mit der Trennung vom Partner, dessen Name auf der Haut prangt, sowie das modische Aus bestimmter Motive wie z. B. das als Arschgeweih bekannte Steißbein-Tribal oder das gute alte Kränzchen um den Oberarm. Und, seien wir ehrlich, der Gedanke ans Älterwerden wurde bei der Entscheidung fürs Leben nicht wirklich zu Ende gedacht.

Wenn Tattoos in die Jahre kommen

Es ist aber so: Der Mensch, die Haut und die Tätowierung altern gemeinsam. Je früher im Leben das Tattoo gestochen wurde, desto stärker zeigt sich der durch Kollagenverlust und anderer Zellerneuerung gekennzeichnete Hautveränderungsprozess und ein ehemals glanzvolles Motiv kann zur verblassten, unscharfen, unebenen Farbfläche werden. Ein Nachstechen hilft möglicherweise gegen das Verblassen, aber nicht, wenn eine Tätowierung nicht mehr zum gereiften Menschen passt.

Auch kein Spaß: Bei einer Kernspintomographie kann es durch metallhaltige Farbteile des Tattoo zu Reizungen oder sogar Verbrennungen der Haut kommen. Die starken Magnete des Geräts versetzen die Farbpartikel in Bewegung und erhitzen sie.

Gesundheitliche Risiken der Entfernung

Der Wunsch nach Entfernung der in die Jahre gekommenen Tätowierung wird wach. Auf den ersten Blick gibt es eine vielversprechende Möglichkeit, die Motive wieder loszuwerden: das Lasern. Nicht nur Mediziner bieten die Tattoo-Entfernung an, sondern auch Studios wie tattoolos et cetera. Sieht aus wie die Lösung des Problems: In mehreren Sitzungen soll das Hautbild verschwinden.

Tätowierung Laser Entfernen

Sicher ist, dass dies schmerzhaft und kostenintensiv vonstatten geht. Wichtige Faktoren für Dauer und Gelingen einer Entfernung per Laser mögen Farbintensität und Farbzusammensetzung des Tattoos sein.

Aber auch das Alter spielt eine Rolle: Die Farbpigmente älterer Tattoos sitzen besonders tief in der Haut und sind aufwändiger zu entfernen. Keinerlei Garantie kann für rückstandsfreie und unschädliche Ergebnisse gegeben werden. Die Partikel der vom Laser zerschossenen und gelösten Farbpigmente werden nicht wie beim Abschleifen nach außen abgetragen, sondern vom Körper aufgenommen und sollen über die Lymphe abtransportiert werden. Experten vermuten die Anreicherung der Farbbestandteile in Lymphknoten, Milz und Leber. Die Behandler selbst weisen darauf hin, dass es kaum Studien gibt, wie gesundheitsschädlich der Vorgang wirklich ist. Das Bundesinstitut für Risikobewertung hat die Freisetzung von Blausäure bei der Spaltung bestimmter Farben nachgewiesen und warnt vor möglichen toxischen und zellschädigenden, sprich krebserregenden, Nebenwirkungen durch Spaltprodukte nach der Laserbehandlung (Nature 2015, The Lancet 2016).

Oder doch eine Entscheidung fürs Leben?

Tätowierung Hände Tattoos

Im Zweifel ist es die bessere Entscheidung, zu seinem Tattoo und dessen Alterungsprozess zu stehen. Vielleicht hilft dabei der wunderbare Roman Bis ich dich finde (Originaltitel Until I Find You) des amerikanischen Erzählers John Irving, das das Thema Tätowierung intelligent und tief beleuchtet, – Tattoo-Entfernung ist hier übrigens kein Thema.