Ausmisten – Immer raus damit

Manche Nachbarn lernt man am besten kennen, wenn sie nicht da sind. Beim Blumengießen in der Urlaubszeit zum Beispiel: Bei Müllers kommt man nur im Seitwärtsgang zu den zwanzig Pflanzenpötten, bei Mayers dagegen: Tisch, Stühle, Gefäß, Orchidee – das war’s. Erstaunlich! Zwei Extreme ganz nah: Messies und Minimalisten. Und wie sieht es in den eigenen vier Wänden aus? Na ja? Das bringt einen zum Nachdenken. Eigentlich sind wir doch eingeklemmt zwischen zwei Maximen der westlichen Welt: Einerseits „Konsumiere, was das Zeug hält, und versäume bloß keine Spaßangebote!“ und andererseits „Befreie dich von dem Übermaß an Dingen und Aktivitäten, bevor es dich erdrückt!“

Ausmisten Setzkasten

Warum es jetzt Zeit ist zum Ausmisten 

Was hat das mit Cool Aging zu tun? Vielleicht ist es die Erkenntnis: Meine mir verbleibende Lebenszeit ist zu kostbar, um

  • Dinge ständig von links nach rechts zu räumen, die ich nicht wirklich brauche
  • Frust-, Spontan- und unüberlegte Käufe zu machen
  • jeden Hype mitzumachen
  • mich mit Leuten zu treffen, die mir nicht wirklich guttun
  • mein Leben komplizierter zu gestalten als nötig

Minimalismus Ausmisten Einfachheit WasserglasAlso könnte man anfangen, zuerst seine Haltung und dann seinen Lebensstil ein wenig zu ändern in eine Richtung, für die es  Begriffe gibt wie Minimalismus, Downshifting, Simple Living, LOVOS (Lifestyle of Voluntary Simplicity) oder einfach Ausmisten, Entrümpeln, Entmüllen, Loslassen – und zwar Materielles wie Klamotten sowie Immaterielles wie alle Formen der Zeitverschwendung.

Anfänger in Sachen Minimalismus brauchen Willenskraft, Know-how und Geduld

Willenskraft

Der Wille, etwas loszuwerden, könnte aus der Verneinung folgender Fragen entstehen:

  • Brauche ich das wirklich (z. B. die tolle Bluse, die man in drei Jahren nie getragen hat)?
  • Brauche ich es eines Tages (z. B. die Golfaufrüstung, obwohl schon nach dem ersten Golfkurs die Wirbelsäule protestiert hatte?)
  • Hat der Gegenstand wirklich hohen emotionalen Wert oder wollte ich mich von den sentimentalen Erinnerungen nicht längst befreien?
  • Ist das ehemals teure Stück wirklich noch von Wert oder ist es nicht doch längst „abgeschrieben“?

Trennen Sie sich zunächst von ein paar Dingen, die Sie am leichtesten entbehren können, und spüren Sie in sich hinein. Wenn Sie sich gut/befreit/glücklich fühlen, fällt das Weitermachen umso leichter.

Know-how

Fangen Sie beim Ausmisten ruhig klein an. Gewöhnen Sie sich an, Verbrauchbares systematisch aufzubrauchen. Viele Kosmetika oder Lebensmittel nehmen lange Zeit Platz weg – meist griffbereit ganz vorne im Schrank – bis man sie nach Überschreiten des Verfallsdatums schließlich entsorgt. Machen Sie sich schlau, wie Sie am besten loswerden, was Sie nicht mehr brauchen. Was zu schade für den Müll ist, sollte auch nicht dort landen.

Verschenken: Schenken ist einfach und macht Freude. Fragen Sie Freunde und Verwandte, ob sie brauchen, was Sie nicht mehr brauchen. Sie können Gegenstände auch mit dem Hinweis „zu verschenken“ vor die Tür stellen. Bücher kann man in öffentlichen Bücherschränken unter die Leute bringen. Noch einwandfreie Lebensmittel, die Sie selbst nicht mehr essen möchten, nehmen die Tafeln. Gut erhaltene Kleidung und Sachen können Sie spenden. Informieren Sie sich über nahegelegene Hilfseinrichtungen wie Kleiderkammern, Altkleidersammler, Obdachlosenheime, Flüchtlingsheime. Auch übers Internet werden ausgemistete Dinge umsonst weitergegeben bzw. verschenkt.  Verschenken kann man auch über ebay.

Verkaufen: Der klassische Flohmarkt ist nicht jedermanns Sache. Aber ein Erlebnis ist es allemal. Selbstverständlich können Sie Dinge per Anzeige zum Verkauf anbieten. Wählen Sie das für Sie am besten geeignete Medium: Zeitung, schwarzes Brett im Supermarkt, oder online über ebay Kleinanzeigen. Secondhand-Portale wie Kleiderkreisel und Kleiderkorb vermitteln Ihre Kleidung an neue Besitzer.

Vermeiden: Schützen Sie sich vor dem „Geschenke-Behalt-Zwang“, indem sie sich bevorzugt Dinge wünschen, die nicht rumstehen, sondern verbraucht werden: Olivenöl, Tickets, Reise etc. Wiederholen Sie Ihr Mantra „Brauche ich das wirklich?“ vor jeder Kaufentscheidung. Und wenn Sie doch so gerne shoppen gehen? Kein Problem, wenn Sie für die Neuanschaffung etwas Vorhandenes verkaufen, verschenken oder spenden.

Geduld

Ausmisten Minimalismus ÄpfelEs ist noch kein Minimalist vom Himmel gefallen. Lassen Sie die minimalistische Haltung reifen. Es empfiehlt sich, beim Ausmisten klein anzufangen, aber dann nicht lockerlassen. Mäßig, aber regelmäßig. Wenn Sie sich nach Ihrer Dinge-Diät freier und unabhängiger fühlen, war es höchste Zeit. Sie haben Fertigkeiten im Loslassen gewonnen. Viele Menschen machen dann eine erstaunliche Entdeckung: Nach dem Ausmisten der Wohnung fällt es leichter, sich auch von überflüssigen Aktivitäten zu befreien. Und vielleicht sogar von falschen Freunden und all den sozialen Kontakten, die man nicht braucht und die einem nicht guttun.

 

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