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Omi, Oma, Omeingott

Sprayer-Oma (Der Spiegel), Alpen-Oma (Frankfurter Rundschau), Drogen-Oma (Die Welt). Wir müssen dringend über Oma reden! Oma gehört zu den schönsten Wörtern der deutschen Sprache, eine Umbildung aus Großmama, prägnant und kinderleicht auszusprechen. Aber Oma ist ein privates Wort. Wenn Enkel und Enkelinnen ihre Großmutter ansprechen oder etwas über ihre Großmutter sagen. Du, Oma …, Meine Oma ... Im öffentlichen Kontext ist Oma eine Waffe. Damit schießen Kommunikatoren unbewusst oder absichtlich auf den älteren weiblichen Teil der Gesellschaft. Oma, das sagt uns der Duden, steht „familiär“ für Großmutter und „abwertend“ für ältere Frau. Außer abwertend kann man auch entmündigend, verniedlichend und diskriminierend sagen.

Was? Darf man jetzt noch nicht mal mehr Oma sagen? Kommt auf den Kontext an. Ein Beispiel mit einem weiteren familiären Kosewort: Wenn Angela Merkel Kinder hätte, dürften diese sie „Mutti“ nennen. Tun dies die Parlamentsmitglieder, ist es – nun ja – etwas Anderes, jedenfalls nicht so Nettes.

Mal abgesehen davon, dass eine Oma auch jemand ist, deren Kind ein Kind hat. Im despektierlichen Sprachbild werden auch jede Menge Frauen als Oma bezeichnet, die gar keine Großmutter sind. Denn darum geht es ja gar nicht.

OmaÖffentliche Kommunikation, allem voran die in den Medien, prägt mit ihrer Sprache Bilder in der Gesellschaft. Die Oma, gerne auch in Kombination mit Vornamen (Oma GiselaOma Ingrid) mit ihrer tüdeligen, nicht ernst zu nehmenden, bemitleidenswerten Konnotation ist so ein Bild. Die nette Alte, die super stricken, backen und kochen kann, und das war es dann. Wie viele ältere Frauen entsprechen heutzutage diesem Stereotyp?

Traurig, aber wahr ist, dass einige ältere Frauen sich selber in der Öffentlichkeit als Omas titulieren. So die Aktivistinnen von Omas gegen rechts, einer Bürgerinnenbewegung in Österreich, die auch hierzulande Schule machte. Die Initiatorin bekennt sich zu ihren „Omas“ mit dem Hinweis, sie seien ja auch „lieb“. Das klingt wie Segel setzen und dann den Wind abbestellen.

Eine Hamburger Spendenaktion gegen Altersdiskriminierung nennt sich – keine Satire – Jede Oma zählt. Man darf vermuten, dass über diesen Titel nicht allzu tief nachgedacht wurde.

Nun könnte man argumentieren, dass die kurze Oma einfach besser in eine Schlagzeile passt als die lange Großmutter. Vor allem wenn Überschriften sehr große Buchstaben haben wie in einer Boulevardzeitung. Doch auch der kleinlettrigen Qualitätspresse rutscht die sprachliche Herabwürdigung durch:

Beispiele sind die Sprayer-, Alpen-, Drogen- und so weiter Omas (siehe oben) oder Überschriften wie Wenn Oma aus dem Pflegeheim ausbüxt (FAZ). Eine zumindest halbherzige Distanzierung vom abwertenden Oma-Missbrauch durch das Setzen von Anführungszeichen fehlt häufig.

Auch die Oma-Kolumne der Zeit soll wohl nett oder witzig aus dem Leben einer älteren Frau berichten. Es darf aufs Intensivste getüdelt werden. So sind sie halt, die Omas.

Gerne wird beschrieben, wie die Model- und TV-Berühmtheit Heidi Klum bei einer ihrer jährlichen Halloween-Partys das offenbar Schrecken erregendste Kostüm schlechthin präsentierte. 2013 erschien sie nach professioneller Bearbeitung durch Hollywoods Top-Maskenbildner als alte Oma … Klums Verwandlung zur faltigen Oma nahm mehrere Stunden in Anspruch (stern). Dieser Monster-Auftritt war wohl weder durch das Transformer- noch durch das Schlangenkostüm anderer Klum-Halloween-Feiern zu toppen.

Auffallend übrigens, wie häufig Prominente aus der dritten Reihe den Tod ihrer Großmutter für mediale Aufmerksamkeit nutzen. Schlagzeilen wie XY trauert um ihre geliebte Oma, Soundso weint um Oma Soundso stehen immer auf der ersten Seite.

Selbstverständlich fallen auch pauschal als Opas betitelte ältere Männer unter die Rubrik sprachliche Altersdiskriminierung. Allerdings scheint das Ausmaß der männlichen Alters-Abwertung geringer.

So hieß die Überprüfung der Verständlichkeit von Wikipedia-Artikeln im Jargon selbstverständlich Oma-Test und nicht Opa-Test.

Wenn Nichtfamilienmitglieder das Wort Oma benutzen, wäre es also souverän, diese implizite Abwertung zu unterlassen. Übeltäter müssen nicht immer die Medien sein. Auch im privaten Bereich kommt es besser an, wenn jemand fragt: „Wie geht es deiner Großmutter?“ statt unautorisiert „Wie geht es deiner Oma?“ oder gar „Wie geht es Oma?“

Selbst Rotkäppchen als waschechtes Enkelkind sprach zum bösen Wolf: „Ei, Großmutter, was hast du so große Ohren?“ Es gab ein Happy End.

Oma

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Lebensorganisation

Internetmanipulation: #lassdichnichtveräppeln

Ein Merkmal der Cool Ager ist, sich gesellschaftlichen und technologischen Entwicklungen nicht zu verweigern. Der Puls der Zeit schlägt unter anderem in den sozialen Medien, also werden Facebook, Twitter, What’s App, Instagram etc. zunehmend auch für ältere Menschen zur Informations- und Kommunikationsquelle. Und zwar passiv durch Lesen, Hören und Sehen, aber auch aktiv durch Teilen, Posten und Kommentieren. So können wir Opfer und sogar Täter unschöner Kommunikationsverbrechen werden, für die das Netz sehr anfällig ist: Falschmeldung, Irreführung, Internetmanipulation. Hier ein paar Tipps, wie man damit umgehen kann:

Es ist noch nicht lange her, da gab es nur die klassische Medienwelt: die unabhängigen, überparteilichen Zeitungen, Publikums- und Fachzeitschriften, die öffentlich-rechtlichen Radio- und TV-Sender. Die jeweilige weltanschauliche und politische Neigung ist meist einigermaßen bekannt.

Dazu kommen die privaten Sender und der emotional geprägte Journalismus des gedruckten oder ausgestrahlten Boulevards. Diese Absender wollen uns nicht nur inhaltlich, sondern gerade auch durch die Offensichtlichkeit des manchmal zweifelhaften Wahrheitsgehalts amüsieren.

Im seriösen Journalismus müssen die Kommunikationsformen Nachricht und Kommentar erkennbar unterschieden werden. Nach dem deutschen Presserecht müssen Werbeformate und PR-Seiten als solche zu identifizieren sein. Redaktionell aufgemachte Werbung wie Advertorials (zusammengesetzt aus Advertisement und Editorial) sind als PR beziehungsweise Öffentlichkeitarbeit zu kennzeichnen.

Auch im klassischen Journalismus ist nicht alles perfekt. Lagerberichterstattung, Zeitungsenten, Falschmeldungen, Schleichwerbung und legendäre Skandale (zum Beispiel die Hitler-Tagebücher der Zeitschrift stern und – neu – der Fall Relotius des Magazins DER SPIEGEL) gab es schon immer. Kritischer Konsum ist angezeigt.

Internet als Informationsquelle

Doch mit dem Internet und den sozialen Medien ist es noch komplizierter geworden.

  • Alle möglichen Informationen kommen aus allen möglichen Quellen.
  • Durch das „Viral gehen“, das heißt die exponentielle Verbreitung durch das millionenfache Angeklickt- und Geteilt-werden, erhalten Inhalte eine Bedeutung und Bestätigung, die ihnen nicht unbedingt zustehen.
  • In den Social Media klicken und teilen wir besonders gerne, da die angezeigten Botschaften sorgfältig auf uns zugeschnitten sind.

Der Weg zur Internetmanipulation ist ziemlich eben.

InternetmanipulationWohlgefühl im Filter

Aufgrund Ihres bisherigen Klickverhaltens sorgen Berechnungssysteme für Ihre ganz persönliche Informationsblase. Es werden Ihnen immer wieder Nachrichten oder Botschaften eingespielt, die Sie mit hoher Wahrscheinlichkeit interessieren oder emotional ansprechen. Ihren Verwandten und Freunden geht es genauso. Es kursieren bestimmte Inhalte, und jeder fühlt sich irgendwie bestätigt.

Extrem wird es, wenn Menschen nur noch der eigenen Filterblase glauben und die Vielfalt und Glaubwürdigkeit traditioneller Medien ganz in Abrede stellen. Doch die informative Schräglage der sozialen Medien betrifft uns alle. Ganz subtil drängt sich eine bestimmte vermeintliche und vor allem einseitige Realität auf.

Das Ergebnis:

Wir werden schlimmstenfalls nicht objektiv informiert, sondern im großen Stil manipuliert und mischen dabei auch noch selber kräftig mit.

Wie aber kann man sich die Mehrdimensionalität der eigenen Informationswelt bewahren?

Die radikale Lösung wäre, alle Social-Media-Accounts wieder zu löschen oder zu ignorieren. Doch viele Menschen möchten auf die Kommunikation via soziale Medien einfach nicht mehr verzichten.

Die alternative Herangehensweise: Man nutzt weiterhin die Kommunikationskanäle der neuen Zeit, aber gekonnt. Einige Maßnahmen können dabei helfen, Internetmanipulation zu erkennen und zu vermeiden:

Integrieren Sie seriöse Informationsanbieter in Ihre Social Media.

Abonnieren Sie für die Newsfeeds, Timelines und Startseiten Ihrer Medien-Accounts auch die Online-Angebote von Medien, die eher für journalistische Qualität und Seriosität stehen.

Allerdings sind auch die Online-Clips und -Artikel sogenannter Qualitätsmedien nicht mit dem Durchlesen einer ganzen Zeitung oder Zeitschrift oder dem Anschauen einer Nachrichtensendung zu vergleichen. Denn auch Inhalte bekannter großer Medien, die auf Ihren persönlichen Account eingespielt werden, haben eine algorithmische Vorauswahl durchlaufen. Diese Auswahl ist auf Ihr errechnetes individuelles Interessensprofil ausgerichtet.

Dennoch sollten die Beiträge traditioneller etablierter Nachrichtenanbieter einem höheren journalistischen Qualitätsstandard unterliegen, was Themenauswahl, Recherche und Überprüfung der Fakten angeht.

InternetmanipulationHinterfragen Sie grundsätzlich, was Sie in den sozialen Medien lesen und sehen.

Lassen Sie sich nicht desinformieren und werden Sie nicht selbst zum Verbreiter von Unwahrheiten.

Bevor Sie die Inhalte mental abspeichern oder gar durch Teilen in die Welt schicken und dabei womöglich Falschmeldungen oder Betrug aufsitzen, sollten Sie sich selber wie ein Journalist verhalten.

Prüfen Sie die Quelle:
  • Googeln Sie den Absender oder Account, woher die Nachricht stammt.
  • Googeln Sie Schlagwörter oder Textstellen der Nachricht, um weitere Informationen zu erhalten.
  • Gibt es weitere Quellen, die diese Nachricht bestätigen?
  • Haben seriöse Medien die Information aufgenommen und durch Ihre Prüfverfahren laufen lassen?
  • Recherchieren Sie auch Bilder in den Suchmaschinen. So können mögliche Verfälschungen und eigentliche Urheber oder Kontexte herausfinden.
Erkennen Sie die Muster der Scharlatane.

Es gibt bestimmte Kommunikationstechniken, die von vorneherein signalisieren, dass kein seriöser Journalismus praktiziert wird.

Misstrauen Sie der verlockenden Überschrift.

Überschriften sollen Interesse wecken und Lust auf das Lesen eines Artikels machen. Daran ist zunächst nichts Schlechtes.

Doch in manchen Online-Portalen und Social-Media-Angeboten kommt die Methode, durch reißerische oder vielversprechende Überschriften Neugier zu wecken, besonders exzessiv zum Einsatz. Die Inhalte der dazugehörigen Texte sind oft enttäuschend und journalistisch völlig unzureichend.

Es geht nicht darum, die Rezipienten seriös zu informieren, sondern möglichst viel Anklicken und Teilen zu provozieren, um Reichweite und Werbeeinnahmen der Seite zu erhöhen.

InternetmanipulationErreicht werden soll dies durch das sogenannte Clickbaiting (das Ködern von Klicks).

In diesem Fall kommuniziert die Überschrift keine zentralen Inhalte, sondern Andeutungen oder Versprechungen. Fiktive Beispiele sind

  • „Diese Frau traf zum ersten Mal ihren Vater. Doch dann passierte etwas Unglaubliches“
  • „Barkeeper sind sich einig: Das ist der beste Cocktail der Welt“
  • „5 simple Tricks, wie du garantiert glücklich wirst“
  • „Diese Reaktion einer Mutter müssen Sie sehen!“

Merkmale von klickködernden Überschriften sind Überraschungsversprechen, Superlative, Zahlen oder Aufforderungen.

Bei solchen Ködern empfiehlt sich: einfach nicht zuschnappen.

Entlarven und unterbrechen Sie Hoaxes.

Fast gerührt könnte man sich an die Zeiten erinnern, in denen sich jedes Medium am 1. April eine kleine Zeitungsente oder Falschmeldung erlaubte, um sie am Folgetag mit großem Tamtam richtigzustellen.

Soziale Medien sind der ideale Tummelplatz für Unmengen von sinnlosen oder betrügerischen Posts. Gerüchte und Falschmeldungen, die auf maximale Verbreitung im Netz zielen, werden auch Hoax (englisch für Scherz, Schwindel) genannt.

Dazu gehören Verschwörungstheorien, aber auch simple Kettenbriefe mit folgenden Inhalten:

  • Warnungen zum Beispiel vor Computerviren, Verbrecherbanden, die sich als falsche Rauchmelder-Kontrolleure ausgeben, oder vergiftetem Tierfutter in Gratis-Postsendungen
  • Charity-Hoaxes wie Aufrufe, einem krebskranken Kind durch E-Mails eine Freude zu machen
  • Illegale Schneeball-Systeme
  • Angebliche Petitionen

Einige Hoax-Klassiker sind bereits als sogenannte Urban Legends (Großstadt-Legenden beziehungsweise moderne Sagen) in die Geschichte der Falschmeldung eingegangen. Ein Beispiel ist die angebliche erfolgreiche Klage gegen einen Mikrowellenhersteller, nachdem ein Haustier beim Trocknen im Gerät explodiert sein soll. Amüsante Großstadtmythen finden sich auch in den Sammlungen des Germanisten Rolf Wilhelm Brednich, zum Beispiel in seinem Buch „Die Spinne in der Yucca-Palme“.

Typisch für einen Hoax sind:

  • Begriffe wie Warnung, Achtung, Vorsicht und viele Ausrufungszeichen
  • Das Suggerieren von Aktualität und Hinweise auf seriöse Institutionen wie „Die Polizei warnt dringend“ oder „Die Feuerwehr meldet aktuell“
  • Die Aufforderung, die Meldung sofort an alle Kontakte weiterzuleiten

InternetmanipulationEine gute Adresse zur Überprüfung und Meldung von Hoaxes ist die Hoax-Info-Seite der TU Berlin. Dort findet man eine Liste alter und aktueller Hoaxes sowie Hinweise, wie man mit dieser Form der Internetmanipulation umgeht.

Petitionen können auf einer Website für Online-Petitionen, veröffentlicht vom Deutschen Bundestag, überprüft werden.

Ein einfaches Mittel, die sozialen Netze ein wenig von Unsinn und Schwindelei zu entmüllen, ist es, arglose Verbreiter der Posts auf den Betrug hinzuweisen und selbstverständlich auch selbst den Hoax nicht zu teilen.

Erkennen und stoppen Sie Trolle.

Einer der kommunikativen Vorteile sozialer Medien gegenüber traditionellen Informationsformaten ist die Möglichkeit, sich direkt in Kommentarfunktionen und Diskussionsforen auszutauschen.

Allerdings können diese Chats leicht durch Provokationen oder Falschinformationen aufgemischt werden. Kommunikationsteilnehmer, die auf mutwillige Störung zielen, heißen im Netzjargon Trolle. Manche Trolle arbeiten professionell für zahlende Auftraggeber, die werbliche oder propagandistische Inhalte verbreiten wollen.

Wenn bei einem Chat-Teilnehmer Troll-Verdacht aufkommt, kann man dies offen ansprechen. Um den Chat wieder in die ursprüngliche Bahn zu bringen, geht es darum, in der Diskussion über den Troll zu kommunizieren und nicht direkt auf ihn zu reagieren.

Und wie steht es um die Glaubwürdigkeit dieses Blogs?

Die Inhalte von Cool Aging werden von einer ausgebildeten, berufserfahrenen Journalistin nach professionellen Regeln und bestem Wissen und Gewissen recherchiert und verfasst. Das Cool-Ager-Portal ist finanziell unabhängig. Weitere Informationen und Meinungen werden gerne in der Kommentarfunktion entgegengenommen.

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Gesundheit & Wohlfühlen

Erkältung – So wappnen Sie sich gegen den Virenkrieg

ErkältungJede Saison ergeht an uns die biologische Kriegserklärung aggressiver Kleinstpartikel. Vorbei der Friede des freien Atmens und schmerzfreien Schluckens. Die Viren der Erkältung sind so vielfach und wandelbar, dass man sie nicht wie Viren der echten Grippe durch Impfen bekämpfen kann.  Dabei kann die Erkältung, medizinisch: der grippale Infekt, vom lästigen Schnupfen – bei einer Waffenallianz mit Bakterien – zur Lungenentzündung ausarten. Folgende Tipps können helfen, Erkältungsviren an der feindlichen Übernahme unserer Atemwege zu hindern. Wirkung ist zu erwarten dank allgemeiner Erfahrung, einiger Studien und dem guten Gefühl, einer Horde Fieslingen die Stirn zu bieten.

Vorbeugetaktik Nummer eins: Den Feind nicht reinlassen

Viren verfolgen zwei Angriffsstrategien, um in die Souveränität unseres Körpers einzugreifen:

Im Rahmen der irgendwie niedlich klingenden Tröpfcheninfektion wartet das Virus darauf, dass wir in den Niesnebel oder die Hustenwolke eines Kranken – vulgo Virenschleuder – geraten. In diesem Fall sollten wir unser Heil in der Flucht suchen.

Ausatmen und nichts wie weg

Generell gilt: Abstand halten. Augen auf in U-Bahn und Menschenmengen und notfalls flüchten. Sich in seinen Schal zu mummeln oder gar eine Mundschutzmaske zu tragen, schadet vermutlich auch nicht. Allerdings gibt es Hinweise darauf, dass ein Mundschutz mehr davor schützt, andere anzustecken als selbst angesteckt zu werden.

Gut und oft Lüften

… ist angebracht, wenn man mit Erkrankten im Raum sein muss.

Verabredungen mit akut Erkälteten absagen

… kann man emotional intelligent mit dem mitfühlenden Hinweis „Du musst dich schonen“. Oder man steht dazu. Falls der Hustende darüber verschnupft ist, ist es seine Sache. Eine spöttische Reaktion ebenso. Der bekennende Virenphobiker lacht zuletzt und damit am besten.

ErkältungUnd nun zur etwas ekliger klingenden Schmierinfektion:

Guten Tag, Glückwunsch und auf Wiedersehen – der wichtigste Weg der Virenübertragung ist das in westlichen Ländern etablierte Ritual, sich gegenseitig die Hand zu geben. Kontaktfreudige Krankheitserreger sind die größten Freunde der Höflichkeit.

Dem immer noch verbreiteten Händeschütteln in Arztpraxen sollte man mit Kopfschütteln begegnen.

Unvermeidbar jedoch ist es anzufassen, was virenbesetzte Hände ebenfalls berührt haben. Und das ist ein Universum: Der Türknopf am Zug. Haltegriffe und -stangen in der Bahn. Zapfpistolen. Signal-Anforderungsgeräte („Ampel-Drücker“). Türklinken. Fenstergriffe. Schrankgriffe. Schubladengriffe. Gemeinschaftskühlschrankgriffe. Treppengeländer. Tischkanten. Armlehnen. Lichtschalter. Heizungsthermostate. Einkaufswagen. Telefone. Fernbedienungen. Tastaturtasten. Fahrkartenautomatentasten. Flaschenrücknahmeautomatentasten. Kreditkartenautomatentasten. Bankautomatentasten.

Geld regiert die Welt und Bargeld kommt entsprechend herum. Die Tatsache, dass in einer US-Untersuchung von Dollarscheinen die DNA eines Breitmaulnashorns gefunden wurde, unterstreicht die biologische Vielfalt von Banknoten. Wenn Verkaufs- oder Servicemitarbeiter Geld und verzehrfertige Lebensmittel mit denselben ungewaschenen Händchen oder Einmalhandschuhen anfassen, empfiehlt es sich, den Laden zu meiden.

Nicht ins Gesicht fassen

… ist ein aussichtsloses Vorhaben. Seine Hände mit den darauf geschmierten Viren bringt der Durchschnittsmensch meist unbewusst mehrere hundert Mal am Tag ans Gesicht, kratzend, reibend, wischend, mit den Händen essend, in der Nase fummelnd, an den Nägeln kauend. An den Eintrittspforten Nasen- und Mundschleimhaut sowie Augenbindehaut beginnt für die Viren der Tag der offenen Tür. Daher ist die ultimative Vorbeugemaßnahme diejenige, die uns (hoffentlich) schon als Dreikäsehoch beigebracht wurde:

Hände waschen

Die antivirale Wirkung des Händewaschens mit normaler Seife ist erwiesen. Allerdings geht es nicht nur ums Wie oft (möglichst oft), sondern auch ums Wie (möglichst gründlich und möglichst lange): Beim Einseifen den Wasserhahn wieder zudrehen und sich Zeit lassen, am besten eine Kurzmeditation damit verbinden, denn Stressabbau beugt ebenfalls der Erkältung vor (siehe unten). Hände gut abtrocknen, in Gemeinschafts-Sanitärräumen mit Papierhandtuch oder Papiertaschentuch.

Stoffhandschuhe tragen

… ist so einfach wie wirkungsvoll. In Zeiten der Erkältung schützen sie nicht nur vor Kälte, sondern auch vor Viren. Sofern man sich nicht damit ans Gesicht fasst und sie ab und zu wäscht.

Klinkenputzen

… bekommt in der Erkältungszeit eine ganz neue, nämlich hygienische Bedeutung. Die regelmäßige Desinfektion dieser Virentummelplätze empfiehlt sich auch zuhause. Türklinken aus dem antimikrobiellen Werkstoff Kupfer senken nachweislich die Belastung mit Krankheitserregern. Leider sind Kupfertürklinken als Ergänzung zum Hygienemanagement in Kliniken und Heimen hierzulande immer noch selten anzutreffen.

Vorbeugetaktik Nummer zwei: Den Feind hinauskomplimentieren

Abschottung hat ihre Grenzen. Keiner will und sollte zum Einsiedler werden, weil draußen der Virenkrieg tobt. Doch nach Bahnfahrt, Einkaufsbummel, Konzertbesuch oder Kindergeburtstag mag man vielleicht mal zur Sofortmaßnahme aus der Apotheke greifen. Bei der

Nasendusche

… läuft eine isotonische Salz-Wasser-Mischung zum einen Nasenloch hinein und zum anderen wieder heraus und nimmt dabei hoffentlich die kritische Menge von Viren mit.

Vorbeugetaktik Nummer drei: Immunabwehr aufrüsten

Trotz Taktik eins und zwei lässt sich nicht sicher verhindern, dass die feindlichen viralen Truppen durchbrechen. Dann zwingen sie unsere Zellen, zum Beispiel rote und weiße Blutkörperchen sowie Muskel- und Organzellen, zu selbstmörderischen Bauarbeiten, um die Viren explosionsartig zu klonen.

Und doch kann der virale Feldzug noch zurückgeschlagen werden. Dafür muss die körpereigene Abwehr gut vorbereitet sein.

ErkältungGesund essen, trinken und genießen

… ist ein Ratschlag, der wohl niemanden mehr überraschen dürfte. Doch darf hier auch wiederholt werden, dass Vitamine aus der Drogerie und Apotheke kein Ersatz für Obst und Gemüse darstellen, deren komplexe Gesundheitswirkung samt sekundärer Pflanzenstoffe nicht künstlich nachgestellt werden kann. Die Natur bietet das Superfood, das die körperlichen Abwehrprozesse stärkt. Man muss dieses Arsenal nur kontinuierlich und richtig nutzen, zum Beispiel Bio bevorzugen, Nährstoffe nicht totkochen, leckere Säfte und Smoothies als Vitaminbomben mixen etc. Auch Naturjoghurt und Sauerkraut können mit ihren Milchsäurebakterien das Abwehrsystem unterstützen.

Vielfalt ist Trumpf, doch viele schwören zusätzlich auf besondere Nahrungsmittel. Neben den üblichen Vitamin C-Verdächtigen wie Sanddorn, Zitrusfrüchte, Granatäpfel und Beeren wird vor allem dem Ingwer eine starke Abwehrwirkung zugeschrieben. So manche Gesundheitsprofis verzehren ein frisches Scheibchen der Knolle, bevor sie sich ins mikrobielle Getümmel von Kliniken und Praxen stürzen.

Zigarettenrauch ist giftig und unterläuft die Abwehrtruppen: Eigenbeschuss sozusagen. Alkohol als Virenkiller, zum Beispiel im Grog, funktioniert nach derzeitigem Kenntnisstand wohl mit Glück durch Selbsttäuschung, ansonsten leider nicht.

Als Maßnahmen zum

Stress abbauen

…, einem nachweislich wichtigen Faktor zur Krankheitsvorbeugung, sind daher Genussgifte wenig geeignet. Vielmehr sollte man den Eindringlingen durch die persönliche Lieblingsentspannung Paroli bieten: Achtsamkeit, Waldspaziergang, Sport und vieles mehr.

Schlafen

… ist gerade in der Erkältungszeit wichtig. Man sollte Körper und Geist die Regenerationsphasen der Nacht- und eventuell Mittagsruhe gönnen. So erholt sich auch das Abwehrsystem.

Sauna und Wechselduschen

… steigern die Durchblutung und sind zurecht klassische Immunstärker, wenn sie regelmäßig gemacht werden.

Das ansteigende Fußbad

… ist eine weitere Abwehrmaßnahme mithilfe von Wasser und einem schönen Gruß von Pfarrer Kneipp. Es soll schon so manche anrückende Erkältung wieder in die Flucht getrieben haben. Man stellt die Füße bis zur Wade ins 34 Grad warme Wasser und lässt heißes Wasser zulaufen. Innerhalb von zwanzig Minuten steigert man die Wassertemperatur allmählich auf zirka 42 Grad, so heiß, wie man es aushalten kann.

ErkältungViel Bewegung an der frischen Luft

… hat zwei Vorteile: Die Durchblutung wird gesteigert und die Schleimhäute der Atemwege sind fern der trockenen Heizungsluft, die es den viralen Besetzern leichter macht. Warum nicht jeden Morgen einen strammen Spaziergang machen? Wohl dem, der einen Hund hat …

Warme Füße

… und ein vor Kälte geschützter Körper müssen sein. Frösteln senkt die Temperatur im Nasen- und Rachenraum; Blutgefäße ziehen sich zusammen; die schlecht durchblutete Schleimhaut behindert die Abwehrzellen und erlaubt Viren freies Spiel. Das ist der Vorgang, der der Erkältung ihren Namen gab. Hoch leben Wollsocken, gefütterte Stiefel, warme Kleidung und das In-Bewegung-Bleiben.

Luftbefeuchter

… können gegen trockene, schleimhautschädigende Heizungsluft funktionieren, aber leider auch als Keimschleuder. Daher ist bei den Geräten tunlichst auf Hygiene zu achten. Das regelmäßige Wechseln des Wassers und  Reinigen sind ein Muss.

Viel trinken

… schmiert die Waffen der zellulären Immunabwehr, um die Kriegs-Metapher nun endgültig überzustrapazieren. Die besten Waffenöle im Kampf gegen Erkältung sind Wasser und Tees ohne Zucker und Koffein. Attacke!

Dieser Artikel behandelt ein Gesundheitsthema. Er ersetzt jedoch in keiner Weise Beratung, Diagnose und Therapie durch anerkannte Ärztinnen und Ärzte.

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Reparieren – Keine Angst vor dem Lötkolben

ReparierenKaputtes wieder „in die Reih machen“. Das konnte der gutherzige Tüftler Klaus-Dieter aus Peter Kurzecks autobiografischem Roman „Vorabend“ so gut, dass das ganze oberhessische Dorf zu ihm kam. Denn jeder hatte in der Nachkriegszeit etwas in die Reih zu machen. Heute wird weggeworfen und neu gekauft.

Doch es gibt sie wieder, die Klaus-Dieters. Zu finden in den Repair Cafés. Dort wird etwas gelebt, was offenbar mehr ist als ein Trend: Reparieren als Protest gegen die Wegwerfkultur oder einfach, weil man’s kann.

Was passiert im Repair Café? Ehrenamtliche Reparateure und Reparateurinnen bieten ihre handwerklichen Fertigkeiten samt Werkzeug den Café-Besuchern an, die ihr defektes Elektrogerät, gerissenes Shirt, zerbrochenes Spielzeug, angeknackstes Möbel etc. nicht wegwerfen wollen. Auch der alte Laptop ist vielleicht noch zu retten. Schrott und Müll sollen warten.

Obsoleszenz, nein danke

Die Motive der Reparatur-Befürworter können unterschiedlich sein. Man mag sich von lieb gewordenen Sachen nicht trennen. Man ärgert sich über die offensichtliche eingebaute Obsoleszenz, jene Herstellerstrategie, die durch Sollbruchstellen eines Produkts den raschen Neukauf anregen will. Manche kommen wegen ihrer grundsätzlichen Haltung zum großen Ganzen: Die Erde können wir auch nicht wegschmeißen und eine neue kaufen.

Hilfe zur Selbsthilfe

ReparierenDoch: Den kaputten Toaster abgeben, reparieren lassen und später abholen ist nicht. Es geht um Gemeinsamkeit, Zeigen und Lernen. Das eigentliche Prinzip ist Hilfe zur Selbsthilfe. Nach dem Besuch des Repair Cafés weiß so mancher, was sich hinter WD40 verbirgt. Oder wie man die Kaffeemaschine einer bestimmten Marke – eine gute Bekannte im Café – wieder zum Kaffeekochen bringt. Oder man traut sich zum ersten Mal im Leben etwas zu löten. Wer jedoch gar kein Händchen fürs Basteln hat, ist herzlich eingeladen einfach zuzugucken. Und den Helfern mit den goldenen Händen angemessen Respekt zollen darf man sicher auch.

Café-Gründer werden unterstützt

Die Idee zum veranstalteten Reparieren statt Wegwerfen stammt von der Niederländerin Martine Postma, die 2009 in Amsterdam den ersten Treff fürs Reparieren gründete. Die Aktion traf offenbar den Nerv der Zeit und entwickelte sich zu einer Bewegung, die sich weltweit ausbreitet. Vor diesem Hintergrund wurde die niederländische Non-Profit-Organisation „Stichting Repair Café“ ins Leben gerufen. Dort können sich lokale Initiativen in aller Welt, die ein eigenes Repair Café eröffnen wollen, Unterstützung holen.

Doch zum Profi?

ReparierenIns Café kommen oft Menschen, denen beim Kundendienst des Herstellers oder in der Werkstatt gerade versichert wurde, dass Reparieren nicht mehr lohnt. Sie hätten den defekten Gegenstand also ohnehin weggeworfen. Damit verwehrt sich die Repair-Café Community auch gegen den Vorwurf, dem professionellen Handwerk Konkurrenz zu machen.

Manchmal erhalten die Profis sogar Kundschaft aus dem Café. Bei komplizierten Fällen und teuren Ersatzteilen verweisen die ehrenamtlichen Reparateure nämlich an die Fachwerkstatt. Wenn jemand erst einmal zur Reparatur entschlossen ist, nimmt er diese Kosten oft in Kauf. Schließlich geht es weniger ums Geld sparen als ums Prinzip.

Wo geht’s zum Reparier-Café?

Informationen zum Besuch, Mitmachen, Unterstützen oder Gründen eines Repair Cafés finden Sie hier.

Und weil es nicht Repair-Schuppen, -Bude, -Garage, -Werkstatt, sondern Repair Café heißt, gibt es nicht nur die Rettung kaputter Sachen, sondern auch das muntere Miteinander bei Kuchen und Kaffee. Damit wird sogar die Laune wieder in die Reih gemacht.

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Palliative Care – der schützende Mantel der Sterbenden

In Würde gehen. Wer wünscht das nicht, wenn es soweit ist? Vor diesem Hintergrund wächst seit längerem das Bewusstsein, dass unheilbar kranke oder betagte Menschen am Lebensende nicht nur medizinische Fürsorge brauchen. Daher wurde neben der Palliativmedizin das Konzept Palliative Care entwickelt. Auf dieser Basis arbeiten auch die Teams der spezialisierten ambulanten Palliativversorgung (SAPV).

Palliativ kommt vom lateinischen palliare „mit einem Mantel umhüllen“. Das Bild veranschaulicht die zentrale Idee der ganzheitlichen Versorgung Todkranker: nicht nur körperliche Beschwerden wie Schmerzen, Atemnot und Übelkeit medizinisch lindern, sondern auch vor seelischer Pein schützen. Dabei rücken auch nichtmedizinische Aspekte in den Mittelpunkt:

  • Kompetente, einfühlsame Pflege
  • Zuwendung
  • Kommunikation
  • Spirituelle Fragen
  • Einbindung der AngehörigenPalliative Care

Schock, Angst und Trauer

Palliative Maßnahmen werden erforderlich, wenn die kurative, also heilende Behandlung keinen Erfolg mehr hat. Der Schock, die Ängste und die Traurigkeit, die eine solche Diagnose auslösen, spiegeln sich in Begriffen wie austherapiert, hoffnungslos, ausweglos, Kampf verloren, Verfall. Aber auch der kontinuierliche Verlust vitaler Körperfunktionen im sehr hohen Alter führt in eine Lebensphase, die für viele nichts anderes ist als eine anhaltende Stress- und Ausnahmesituation.

Mit der medizinischen Entwicklung wurde aus dem hilflosen Sterben vergangener Tage schlimmstenfalls ein langwieriges „Nichtsterben“ im Krankenhaus. Palliative Care ist gewissermaßen der Gegenentwurf zu einer lebensverlängernden Apparatemedizin.

Versorgen, lindern und respektieren

Ein ganzheitliches Palliativkonzept zielt darauf, das Lebensende zu akzeptieren und seiner negativen Bewertung positiv zu begegnen. Palliative Care kann idealerweise dabei helfen, eine zutiefst menschliche ethische Leistung zu erbringen: die Wertschätzung eines Menschen bis zum letzten Augenblick seines Lebens.

Bei einer chronisch verlaufenden unwiderruflichen Krankheitsentwicklung braucht der Betroffene Hilfe in zwei Dimensionen. Zum einen müssen die Symptome und zunehmenden Beschwerden der sich verschlimmernden Krankheit oder altersbedingt degenerativen Prozesse gemildert werden.  Zum anderen muss er die psychische Kraft für den letzten Weg seines Lebens aufbringen. Ziel von Palliative Care ist es, einem Sterbenden – so paradox es klingt – Lebensqualität zu ermöglichen. Bei einem fortgeschrittenen Verlauf, jedoch lange vor den letzten Stunden auf dem „Sterbebett“.

An dieser komplexen Aufgabe können verschiedene Experten beteiligt sein. Palliative Care umfasst zahlreiche Berufsgruppen mit Schulung und Erfahrung im Palliativbereich wie

  • Ärzte
  • Pfleger
  • Physiotherapeuten
  • Psychologen
  • Seelsorger
  • Sozialarbeiter
  • ehrenamtliche Personen

Palliative CareAuch die Menschen, die dem Betroffenen nahestehen, befinden sich in einer großen Krise. Wie sollen sie mit Hilflosigkeit und Abschied nehmen zurechtkommen? Der ganzheitliche Ansatz der Versorgung und Begleitung von Sterbenskranken zielt zusätzlich auf die Einbindung und das Wohlergehen von Angehörigen.

Zur Betreuung Schwerstkranker und Sterbender fallen den meisten Menschen die Palliativstationen großer Krankenhäuser oder die Hospize ein. Doch wie können Betroffene versorgt werden, die ihre verbleibende Zeit in ihrem gewohnten Umfeld verbringen möchten?

Spezialisierte ambulante Palliativversorgung (SAPV)

Professionelle palliative Hilfe in den eigenen vier Wänden, aber auch im Zimmer oder Apartment eines Alten- oder Pflegeheims ist möglich. Zur Unterstützung – und ausdrücklich nicht als Konkurrenz – des behandelnden Hausarztes, der betreuenden Angehörigen, des ambulanten Pflegedienstes oder der Altenpfleger wurde 2007 die spezialisierte ambulante Palliativversorgung (SAPV) eingeführt.

Bei der SAPV geht es darum, selbst bei medizinisch anspruchsvollen Herausforderungen im fortgeschrittenen Krankheitsstadium die Einweisung in stationäre Einrichtungen zu verhindern. Zusätzlich zu in der Palliativmedizin qualifizierten Ärzten kümmert sich ein multiprofessionelles Palliative Care-Team um den Schwerstkranken und seine Angehörigen.

Dabei bringt vor allem die 24-Stunden-Rufbereitschaft, das heißt die Gewissheit, auch nachts und am Wochenende in Krisensituationen Hilfe holen zu können, große Erleichterung.

Was ist beim Einsatz eines SAPV-Teams zu beachten?

Der behandelnde Arzt, zum Beispiel der Hausarzt, die Klinikärztin oder der für eine Alten- und Pflegeeinrichtung zuständige Arzt, kann die SAPV verordnen und damit die nicht-stationäre Versorgung durch ein Palliative Care-Team anfordern.

Die Kosten für den Einsatz des Palliative Care-Teams werden von der gesetzlichen Krankenversicherung übernommen.

Damit alle Betreuer eines schwerstkranken oder eventuell bereits geistig beeinträchtigten Menschen möglichst nach dessen Willen handeln können, sollten die Angehörigen eine Patientenverfügung und Vorsorgevollmacht haben.

Wie findet man ein SAPV-Team für Palliative Care sowie andere Angebote wie Palliativpflegedienste und stationäre Palliativversorgung in der Nähe?

Der Ausbau eines Netzes von ambulanten Palliativ-Teams ist noch im Gange. Dennoch sollten Patienten und Angehörige ihren gesetzlichen Anspruch auf eine häusliche Palliativ-Versorgung möglichst überall wahrnehmen können. Der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Palliativmedizin, Prof. Dr. Lukas Radbruch, verweist auf die bundesweit große Zahl von Einträgen im Suchportal der Fachgesellschaft.