Fettleber: verbreitet, verborgen, gefährlich

Fettleber. Klingt ähnlich hässlich wie Fettsack oder Fettfleck. Ist ja auch nicht schön, so eine Leber, in deren Zellen sich zu viele Fette angesammelt haben. Vor allem aber kann sie gefährlich sein: Im fortgeschrittenen Stadium können Leberentzündung, Leberzirrhose und Leberkrebs folgen. Die Krankheit ist alles andere als selten: Jede fünfte erwachsene Person in Deutschland besitzt eine verfettete Leber, die nicht durch Alkoholismus verursacht wurde. Die schlechte Nachricht: Die meisten wissen es gar nicht. Die gute Nachricht: Rechtzeitig entdeckt, kann das Fett aus der Leber wieder vertrieben werden.*

FettleberAlkoholische versus nichtalkoholische Fettleber

Wenn Sie herausfinden möchten, ob Sie an einer Fettleber leiden, werden Sie sich von Ihrem Arzt oder Ihrer Ärztin vermutlich im ersten Gespräch die Frage „Wie halten Sie es mit dem Alkohol?“ gefallen lassen müssen. Denn der Alkohol, mit dessen Abbau sich die Leber plagen muss, gilt als ein bekannter Verursacher der Leberverfettung. Doch die Erkrankung tritt auch bei Menschen auf, die wenig oder gar keinen Alkohol trinken. In der Medizin spricht man von der nichtalkoholischen Fettleber.

Lebern leiden leise

Aber wieso kriegt der Mensch eine derart gefährliche Krankheit nicht mit? Die Leber jammert nicht und verursacht keine Schmerzen, allenfalls ein leichtes Druckgefühl, und das auch erst, wenn sie schon ordentlich aufgespeckt hat. Besser kann man einer Fettleber mittels Untersuchung der Leberwerte im Blut auf die Spur kommen. Am sichersten ist Nachsehen: Eine Ultraschall-Untersuchung macht die Verfettung des Gewebes sichtbar. Auch die Kernspintomografie lässt den Blick auf die erkrankte Leber zu. Für genauere Hinweise auf Verfettungsgrad und Ursachen kann außerdem eine Gewebeprobe entnommen werden.

Warum wird eine Leber fett? Bei der alkoholischen Fettleber verrät schon der Name den Grund. Daher sollte man die Alkohol-Gretchenfrage des Arztes entsprechend ehrlich beantworten. Bei der nichtalkoholischen Fettleber ist die Ursachenforschung diffiziler. So kann eine erblich bedingte Fettstoffwechselstörung zur Leberverfettung führen. Und in scheinbarem Widerspruch bedingt sogar Mangelernährung wie etwa bei einer Essstörung, dass die Leber Fett anreichert. Hier fehlt das Eiweiß, das die Leber für eine ordnungsgemäße Fettabgabe benötigt. Auch bestimmte Medikamente können zu einer Fettleber beitragen.

FettleberHauptursache Übergewicht

Während die Fettleber bei normal bis untergewichtigen Menschen eher selten auftritt, ist ihre häufigste Ursache etwas offensichtlicher: Der reguläre Fettleber-Besitzer ist in seiner Gesamterscheinung auch nicht gerade der schlankste. Vor allem wenn die Taille in einer Bauchfülle mit sehr ungünstigem Taille-Hüfte-Verhältnis untergeht, besteht ein Fettleber-Risiko. Als erhöht gilt es bei einem Bauchumfang über 80 cm bei Frauen und 94 cm bei Männern, auf Höhe des Bauchnabels gemessen.

Vorsicht bei der Apfelfigur

Ein euphemistischer Name für diese Körperfettverteilung, die die Verfettung von Organen begünstigt, ist „Apfelform“. Dieser Apfel ist nicht knackig, sondern steht für ein Überangebot an Kalorien und dem erhöhten Risiko von Diabetes Typ 2. Die damit einhergehende Resistenz gegen Insulin, das eigentlich einen hohen Zuckerspiegel senken soll, sowie erhöhte Blutfettwerte aufgrund einer Fettstoffwechselstörung können die Fettanreicherung in der Leber begünstigen. Die verfettete Leber selbst produziert mehr Zucker und befördert die Stoffwechselerkrankung zusätzlich. Kurz gesagt: Fettleber und Altersdiabetes bilden ein unheilvolles Joint Venture.

So leise die Fettleber anfangs tritt, so drastisch kann ihre weitere Entwicklung verlaufen. Ist die Leberverfettung weit fortgeschritten, kann sich die Leber zur Hepatitis entzünden, und schließlich kann es zu einer Leberzirrhose kommen. Das Gewebe vernarbt und die Leber versagt. Im Laufe der Leberschädigung kann außerdem ein Karzinom entstehen.

Fett macht fett, Zucker und Faulheit auch

Daher sollte man erstens überreiches Leberfett sehr ernst nehmen und zweitens eine Therapie beginnen, solange sie noch möglich ist. Einen Königsweg über schlichtes Tablettenschlucken kann die Medizin (noch) nicht bieten. Dennoch ist es einfach, die rechtzeitig entdeckte Fettleber zu behandeln, indem man ihr sozusagen den dekadenten Boden entzieht. Der besteht vor allem aus Fett, Zucker und Bequemlichkeit. Es geht darum, Gewicht zu verlieren, zum Beispiel weniger beziehungsweise keine Bratwurst und Schokocroissants zu essen, wenig beziehungsweise keinen Alkohol zu trinken und das Sofahüten regelmäßig gegen Bewegung, und zwar möglichst sportliche, einzutauschen.

FettleberUnheilvolle Kohlehydrate

Es bringt allerdings nichts, beim Essen nur das Fett wegzulassen oder stark einzuschränken. Dass Kohlenhydrate die Leber verfetten, weiß auch der Bauer, der massenweise Maisbrei in die arme Gans stopft, um nach dieser Quälerei fettige Pastete verkaufen zu können. Die Leber verwandelt überschüssige Kohlehydrate in Fett und speichert sie so als Energiereservoir für den Körper. Daher gilt neben dem Zucker auch Weißmehl als regelrechter Leberfeind. Inzwischen gibt es zahlreiche Studien, die vor allem für die Reduzierung der Kohlehydrate in der Nahrung sprechen. Der Verzicht auf Süßes und getreidelastige Sattmacher muss allerdings keineswegs auf Askese hinauslaufen. Vorschläge für eine leckere „Low Carb“-Ernährungsweise füllen ganze Bücherregale. Fettanteile sind dabei durchaus erlaubt, nur sollten sie möglichst aus gesunden Fetten wie Olivenöl bestehen.

FettleberÄltere profitieren von mehr Protein

Doch wie wird man mit weniger Brot und Nudeln satt? Ein Forschungsprojekt des Deutschen Instituts für Ernährung (DIfE) mit Typ-2-Diabetes-Patienten wies darauf hin, dass man erfolgreich dem Fett in der Leber auf den Leib rücken kann, wenn man anteilig mehr Proteine zu sich nimmt. Während eine sehr eiweißreiche Ernährung in der Forschung allerdings nicht unumstritten ist, werden in einer aktuellen Studie des DIfE mit übergewichtigen Probanden ab 65 Jahren die Vorteile insbesondere bei älteren Menschen hervorgehoben. Nicht nur die Fettleber, auch der gesamte Stoffwechsel zeigte deutliche Verbesserungen.

Pflanzliches Protein zur Fettverbrennung

Das Eiweiß muss demnach nicht unbedingt tierischen Ursprungs sein. Ein positiver Fettverbrennungs-Effekt in der Leber ließ sich auch durch einen höheren Anteil an pflanzlichem Protein erzielen. Nichttierisches Eiweiß liefern vor allem Hülsenfrüchte, Nüsse und immer mehr pflanzenbasierte Produkte, die es im Supermarkt oder Bioladen zu kaufen gibt.

*Dieser Blogeintrag zu einem Gesundheitsthema gibt Information und Tipps, ersetzt aber keinesfalls Diagnose und Therapie durch den Arzt.

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