Ehrenamt – Engagement statt Leerlauf

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EhrenamtEhrenamt – dieses Wort geht vielen frischgebackenen Ruheständlern durch den Kopf,  die ihre neugewonnene Zeit nicht nur mit  Haushalt, Sport und sonstigen Freizeitaktivitäten verbringen möchten. Nicht selten entsteht aus diesem Gedanken eine Art zweite „Karriere“ nach dem Beruf: die des bürgerschaftlichen Engagements. Zum Beispiel für das Kind, dem man beim Lesen lernen hilft, für die allein lebende Neunzigjährige, die sich über Unterhaltung und gemeinsame Spaziergänge freut, für den jungen Mann, dem man bei der Berufswahl berät, für die Menschen, die man bei der Integration in unsere Kultur und Gesellschaft unterstützt.

Abwechslung, soziale Anerkennung, Zufriedenheit

Solche Beispiele beleuchten, was das freiwillige Engagement dem Helfer selber bringen kann. Es beginnt mit Abwechslung und Spaß am Tun, dann kommen neue soziale Kontakte und Anerkennung, bis sich irgendwann die Erkenntnis einstellt, dass man tatsächlich etwas Wichtiges bewirkt und gestaltet hat. So vermischen sich eigene Bedürfnisse mit Gemeinwohl. Die Dimension und Bedeutung des Ehrenamts in der Gesellschaft sind unbestritten, aber auch nicht unumstritten. Manche sehen in der unentgeltlichen Tätigkeit Freiwilliger die Gefahr, den Sozialstaat zum Teil seiner Pflichten zur öffentlichen Daseinsvorsorge in den Bereichen Soziales, Pflege und Bildung zu entbinden.

Aufwandsentschädigung

Für viele Engagierte ist es daher wichtig, dass durch ihren Einsatz weder Jobs noch Verpflichtungen anderer ersetzt werden, sondern Hilfe geleistet wird, wo sonst keine wäre. Ganz sicher sind die Grenzen zwischen Verantwortung des Staates und Bürgerengagement fließend. Häufig werden den Engagierten Aufwandsentschädigungen, begrenzte steuerfreie Einnahmen, Versicherungsschutz oder der kostenlose Zugang zu kulturellen Einrichtungen mit einer Ehrenamtscard gewährt. Dabei wird der Begriff Ehrenamt meist für jegliche Form des freiwilligen Einsatzes benutzt, seien es klassische Ehrenämter wie Vereinsvorstand oder Schöffe, bürgerschaftliches Engagement in der Sozialarbeit oder das Mitwirken im Freiwilligendienst.

EhrenamtWas passt zu mir?

Ein Ehrenamt zu bekleiden ist eine Spende aus Zeit und Energie an die Gesellschaft. Helfen kann freilich nur, wer diese Ressourcen nicht in „privaten Ehrenämtern“ wie der Pflege Angehöriger aufbraucht und zudem finanziell abgesichert ist. Menschen im Ruhestand, bei denen berufliche Aufgaben, aber nicht der Tatendrang verschwunden sind, bringen zusätzlich jede Menge Lebenserfahrung mit ins Ehrenamt. Bei der Auswahl einer geeigneten Freiwilligentätigkeit sollte man sich genau fragen, was einem inhaltlich, räumlich und zeitlich zusagt. Also:

  • Was könnte mir Spaß machen?
  • Was kann ich leicht erreichen?
  • Wie viel Zeit will ich investieren?

Die Liste der Möglichkeiten mitzuwirken ist lang; Beispiele sind unter vielen anderen:

  • Funktionen im Verein
  • Lese- oder Hausaufgabennachhilfe für Kinder
  • Berufsfindungspatenschaft für Schulabgänger
  • Betreuung in der Jugendsozialarbeit
  • Besuche und Betreuung allein lebender alter Menschen
  • Betreuung und Lernhilfe zur Integration von Migranten und Flüchtlingen
  • Hilfe bei der Vermittlung von Lebensmitteln an Bedürftige
  • Einsatz als „Grüne Dame/Grüner Herr“ in Krankenhäusern, Alten- und Behindertenheimen
  • Aufgaben im Natur- und Tierschutz
  • Stadtführung

Wie findet man ein Ehrenamt?

Zu den Anbietern von Ehrenämtern gehören zum Beispiel:

  • Kirchengemeinden
  • Wohlfahrtsverbände und kirchliche Organisationen wie Caritas und Diakonie
  • Bildungs-, Pflege- und Kultureinrichtungen
  • Private bzw. kommunale Organisationen wie „Die Tafeln
  • Umwelt- und Tierschutzorganisationen

Die hessische Landesregierung hat eine landesweite Ehrenamtssuchmaschine ins Netz gestellt, mittels derer Interessierte zielgerichtet nach ehrenamtlichen „Stellenangeboten“ in ihrer Umgebung suchen können. Freiwilligenagenturen bieten bundesweit Beratung für Engagierte und helfen bei der Vermittlung des passenden Ehrenamts. Auch beim Bundesfreiwilligendienst, der nach Abschaffung der Wehrpflicht eingerichtet wurde, können sich nach Wegfall der Altersbeschränkung Menschen der Generation 60 plus engagieren. Alles im Sinne des beliebten Zitats: „Die beste Stelle, eine helfende Hand zu finden, ist am Ende des eigenen Arms.“

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