Tanzen Ü50: Der Dreh zu mehr Lebensqualität

TanzenTwist, Disco, Lambada, oder kennen Sie noch den Pogo der Punkbewegung? Wir Babyboomer haben in unserem Leben schon nach einigen Moden gewackelt. Doch selbst wer nie eine Tanzschule von innen gesehen hat, kennt vermutlich die wichtigsten Gesellschaftstänze. Das sind die Standardtänze Langsamer Walzer, Wiener Walzer, Slowfox, Foxtrott/Quickstep und Tango. Letzterer hat sich ­ – obwohl Argentinier – in die Riege der klassischen Tänze des englischen Stils geschmeidig eingeschlichen. Dann gibt es noch die lateinamerikanischen Tänze Cha-Cha, Rumba, Samba, Jive und Paso doble. Tanzen hat gerade für Ältere viele Vorteile. Es aktiviert Körper, Geist und Psyche gleichermaßen und ist so vielfältig, dass für Frauen und Männer jeden Alters und mit jeder Bewegungsmöglichkeit etwas dabei ist.

Wer schon früher gern mal übers Parkett geschwoft ist, könnte ja seine Kenntnisse auffrischen. Alle anderen seien hiermit erstmals zum Tanz aufgefordert. Für Frauen, die den Tanzmuffel an ihrer Seite bislang höchstens zu einer Polonaise überreden konnten, gibt es auch eine Lösung.

Tanzspaß auch ohne Partner: Club Agilando

Es muss nämlich nicht immer Paartanz sein. Um nach den Rhythmen von Foxtrott und Co zu tanzen, können über 50jährige Frauen (und Männer) ohne Tanzpartner(in) in vielen deutschen Tanzschulen den „Club Agilando“ besuchen. So heißt ein Tanzprogramm, das vom Allgemeinen Deutschen Tanzlehrerverband (ADTV) speziell für die ältere Generation entwickelt wurde. Zur Tanzmusik werden nach Anleitung der Tanzlehrer Schritte und Bewegungsfolgen einstudiert, die anspruchsvoll, aber nicht zu kompliziert sind. Die Tanzschüler bewegen sich jeder für sich nebeneinander in der Gruppe. Es erinnert ein wenig an den Aerobic-Kurs im Fitnessstudio, allerdings steht bei Agilando das tänzerische Element im Vordergrund, und zwar ohne dass den Teilnehmern die Musiklautstärke die Ohren wegpustet.

Gut für den Körper

TanzenAuch Sportwissenschaftler finden das Tanzen gerade für ältere Menschen geeignet. Zum einen werden beim Tanzen stets mehrere Muskelgruppen beansprucht – im Gegensatz zum gezielten Muskeltraining an Fitnessgeräten oder der Arbeit nur weniger Muskelgruppen bei anderen Sportarten.

Gut für den Kopf

Zum anderen wird auch der Geist in hohem Maße aktiviert. Beim Tanzen schalten zwei bedeutende menschliche Sinne auf Hochleistung: der vestibuläre Sinn, der das Gleichgewicht reguliert, und der kinästhetische Sinn, die Fähigkeit zur unbewussten Steuerung der Körperbewegung. Die eigene Balance und Bewegung müssen koordiniert werden, während sich Richtung, Haltung und Geschwindigkeit fortlaufend ändern. Dynamische und statische Bewegungselemente wechseln sich ständig ab. Man muss sich im Raum orientieren und möglichst nicht mit anderen Tänzern kollidieren. Beim Paartanz kommt noch das Erfühlen der Bewegung des Tanzpartners hinzu. Übers Gehör strömt zudem der Rhythmus der Musik ins Gehirn, der eingehalten werden will. Diese Vielzahl komplexer Informationen stellt das Gehirn vor große Herausforderungen und führt zu einem Lerneffekt.

Gut für die Seele

Hier kommt die dritte Komponente des tänzerischen Wohlergehens in Spiel: die Psyche. Der geht es richtig gut, wenn der tanzende Mensch, angeregt durch Rhythmik und Melodie, ganz in seiner Bewegung aufgeht und körperlich an seine Grenzen gelangt, ohne es recht zu merken. Für Sorgen und negative Gedanken ist da kein Platz mehr. Idealerweise stellen sich beim regelmäßigen Üben und Trainieren schnell Lernerfolge ein, die das Belohnungssystem im Gehirn intensiv aktivieren. Zu den raschen Erfolgserlebnissen gesellen sich die soziale Komponente beim Tanzen in der Gemeinschaft und die Freude an der Musik. Mit anderen Worten: Tanzen macht einen Riesenspaß.

Wissenschaftlich belegt

Was Tanzen mit älteren Menschen macht, wollten die Forscher der Ruhr-Universität Bochum genau wissen. Sie holten eine Gruppe „Senioren“ zwischen 60 und 94 Jahren von der Couch und ließen sie ein halbes Jahr lang einmal wöchentlich ein Tanzprogramm absolvieren. Die anschließenden Tests, die zum Vergleich auch eine nichttanzende Kontrollgruppe durchlief, brachten signifikante Verbesserungen bei den Tänzern zutage: Sie konnten nicht nur ihre körperliche Fitness und Balance, sondern auch ihre Gedächtnisleistungen, ihre Aufmerksamkeit und Reaktionsfähigkeit erheblich steigern.

Tanzen als Therapiebegleitung

Tanzen kann als Begleittherapie offenbar sogar die neurodegenerative Krankheit Morbus Parkinson lindern. In zahlreichen evidenzbasierten klinischen Studien, in denen die Auswirkungen tänzerischer Bewegung bei Parkinson-Patienten untersucht wurden, konnten erhebliche Verbesserungen der motorischen Fähigkeiten und des Gleichgewichts nachgewiesen werden. Als besonders geeignet hat sich dabei der Tango erwiesen. In einigen deutschen Großstädten werden Kurse und Workshops speziell für Menschen mit Parkinson angeboten.

Tanzen kann Lebensqualität zurückbringen und Lebensfreude steigern. Nutzen Sie die Chance für eine angenehm bewegte Zukunft.

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