Haarausfall. Hilfe, mein Haar macht sich dünne!

HaarausfallErinnern Sie sich an eins der erfolgreichsten Musicals unserer Jugend? „Hair!“ Es könnte Wehmut aufkommen, denn heute heißt es eher: „Hairje!“ So manche(r) weiß, was Abschied nehmen bedeutet, wenn sich vermehrt Haarausfall einstellt. Das Ausfallen des Haars ist eigentlich eine normale Phase im natürlichen Zyklus des Haarwachstums. Problematisch wird es erst, wenn aus der Haarwurzel kein neues Haar mehr hervorsprießt. Dann spricht man medizinisch von Alopezie.

Die Haarwurzel kann man sich wie eine Blumenzwiebel vorstellen, die nach vielen Perioden des Werdens und Vergehens allmählich ihre Arbeit einstellt. Einige Menschen betrifft das Problem kaum, andere schwer. In späteren Lebensphasen kommt ein Verlustfaktor hinzu: Die verlangsamten Prozesse im älter werdenden Körper behindern die Regeneration von Haarwurzeln zusätzlich.

Der Spitzenreiter: Hormonell-erblich bedingter Haarausfall

Mit 95 Prozent ist der hormonell-erblich bedingte Haarausfall die häufigste Art der Alopezie. Viele Männer und einige Frauen müssen schon in jüngeren Jahren schmerzliche Verluste hinnehmen. Bei den meisten Frauen mit erblich bedingtem Haarausfall schwindet das Haar erst mit der Hormonumstellung nach der Menopause.

Neben dem anlagebedingten Haarausfall gibt es einige seltenere Formen des Haarverlustes: den diffusen, kreisrunden und vernarbenden Haarausfall.

Diffuser Haarausfall

Beim diffusen Haarausfall wird das Haar insgesamt lichter. Verantwortlich können Hormonschwankungen, einseitige Ernährung, Eisenmangel, eine Unterfunktion der Schilddrüse, bestimmte Krankheiten und Medikamente sein. Lässt sich die Ursache diagnostizieren und beheben, ist der diffuse Haarausfall eine vorübergehende Erscheinung. Die Haarwurzeln können nach einer Therapie oder Ernährungsumstellung ihre Arbeit wieder aufnehmen.

Kreisrunder Haarausfall

Der kreisrunde Haarausfall ist an kreisförmigen oder ovalen kahlen Stellen gut zu erkennen. Die Kahlheit kann sich ausbreiten und schlimmstenfalls über die gesamte Kopfhaut erstrecken. Die Ursache ist nicht eindeutig geklärt. Man vermutet, dass es sich um eine Autoimmun-Erscheinung handelt. Das Haar fällt einem entzündlichen Angriff zum Opfer. Die Therapie zielt auf die Unterdrückung der Immunreaktion zum Beispiel durch Kortison. Die Erfolgsrate ist sehr unterschiedlich. Die gute Nachricht: In zirka 40 Prozent der Fälle wachsen die Haare nach einiger Zeit sogar ohne Therapie wieder nach.

Vernarbender Haarausfall

Auch beim vernarbenden Haarausfall nach einer Entzündung der Kopfhaut geht es darum, die zugrunde liegende Krankheit zu identifizieren und zu behandeln. Schnelligkeit ist entscheidend, da bei der Vernarbung die Haarfollikel unwiederbringlich zerstört werden.

HaarausfallAllmählicher Abschied

Auch an der häufigsten Form des Haarverlustes, dem hormonell-genetisch bedingten Haarausfall, ist das Dramatische, dass die Haare nie wieder nachwachsen werden. Dazu kommt es, wenn körpereigenes Testosteron (auch bei Frauen) in das Hormon Dihydrotestosterin (DHT) abgebaut wird. Die erblich bedingte Überempfindlichkeit der Haarwurzel gegen das DHT führt dazu, dass sich feine Blutgefäße, die ein Haar zum Wachstum braucht, zurückbilden.

Die Haarpracht verdünnisiert sich langsam, aber sicher.

Die Geheimratsecken, die Stirnlinie und die Tonsur am Oberkopf sind beim Mann typische Stellen, an denen sich der beginnende Haarschwund dadurch bemerkbar macht, dass die Kopfhaut durchschimmert.

Bei Frauen wird der hormonell-erblich bedingte Haarausfall zunächst meist entlang des Scheitels sichtbar. Das weibliche Haar dünnt insgesamt aus ohne Glatzenbildung.

Ursache mit einem Spezialisten abklären

Grundsätzlich ist bei Problemen mit Haarausfall die Dermatologie zuständig. Empfehlenswert sind Hautärzte und Hautärztinnen, die einen ihrer Schwerpunkte auf Diagnose und Therapie von Haarausfall gelegt haben. Nur wenn die spezifische Form des Haarausfalls exakt abgeklärt ist, lässt sich eine sinnvolle Behandlung erwägen.

Häufig können erfahrene Dermatologen die Art der Alopezie bereits am Muster der Ausdünnung oder Glatzenbildung erkennen. Ursachen von Haarausfall lassen sich auch mithilfe einer Blutanalyse oder spezieller Untersuchungen der Haare und Haarwurzeln erforschen.

HaarausfallWas hilft? Wirkstoffe

Wenn die Haare immer weniger werden, wird der Leidensdruck immer größer. Beim diffusen und kreisrunden Haarausfall sowie dem Vernarbungsrisiko durch entzündete Kopfhaut können versierte Mediziner mit richtigen Therapien helfen. Doch wie ist es beim hormonell-erblichen Haarausfall? Was kann man tun, um diese teils sehr belastende Form des sichtbaren Alterns aufzuhalten?

Den Beteuerungen der zahlreichen Anbieter von „haarwachstumsfördernden“ Shampoos, Tinkturen und Pülverchen zum Trotz – die Wirkung dieser Mittel ist nach Aussage von Dermatologen nicht hinreichend nachgewiesen. Nach derzeitigem Kenntnisstand der Forschung ist dies lediglich bei zwei Substanzen der Fall: Bei Minoxidil für Frauen und Männer sowie Finasterid ausschließlich für Männer ist die haarwuchsfördernde Wirkung in Studien belegt worden.

Minoxidil

Der Wirkstoff Minoxidil wurde ursprünglich zur Senkung von Bluthochdruck eingesetzt. Als Nebenwirkung hatte sich die Anregung des Haarwuchses herausgestellt. Um diese Eigenschaft gezielt zu nutzen, wird Minoxidil als Lösung auf die Kopfhaut massiert. Man vermutet, dass die haarwuchsfördernde Wirkung darauf beruht, dass sich die Blutgefäße erweitern, die Kopfhaut verstärkt durchblutet wird und wieder mehr Blut in die Haarwurzel gelangt.

Allerdings sollte man mit der Anwendung des Mittels möglichst frühzeitig – beim ersten Lichterwerden des Haares – beginnen. Nicht jede(r) Betroffene spricht gleich gut auf die Substanz an. Man sollte seine Erwartungen nicht zu hoch stecken. Am wahrscheinlichsten ist es, dass der Haarschwund gestoppt wird. Die glücklicheren Anwender beziehungsweise meist Anwenderinnen können sogar mit einer erneuten Verdichtung des Haars rechnen. Eine Rückkehr des jugendlichen Haarschopfes ist allerdings nicht zu erwarten. Dank der lokalen Anwendung gilt der Wirkstoff als gut verträglich. Dennoch sollte man sich über mögliche Nebenwirkungen informieren.

Finasterid

Das Medikament Finasterid wird zur Behandlung von gutartigen Prostatavergrößerungen eingesetzt. In geringerer Dosierung werden Finasterid-Tabletten gegen den erblich bedingten Haarausfall angeboten. Als oral eingenommene Substanz wirkt Finasterid im ganzen Körper. In seltenen Fällen wurden als Nebenwirkungen Libido- und Erektionsstörungen festgestellt.

Man scheue weder Mühen noch Kosten

Bei den Behandlungsmethoden gegen den anlagebedingten Haarausfall muss man viel Geduld aufbringen, da eine sichtbare Haarverdichtung erst nach vielen Monaten auftreten kann. Die Mittel müssen dauerhaft täglich angewendet werden. Die Kosten für die dreimonatige Anwendung belaufen sich bei Minoxidil auf zirka 50 bis 70 Euro, bei Finasterid auf 120 bis 130 Euro. Krankenkassen übernehmen diese Kosten nicht.*Haarausfall

Mehrere hundert Euro pro Sitzung werden bei einer Eigentbluttherapie zur Anregung des Haarwachstums fällig. Bei dieser Methode wird dem Betroffenen Blut entnommen, um mittels Zentrifugation plättchenreiches Blutplasma mit Wachstumsfaktoren zu gewinnen. Dieses Plasma wird anschließend in die Kopfhaut injiziert. Mehrere Sitzungen im Abstand von einigen Monaten sind nötig.

Was hilft? Transplantation

Bleibt noch der Gang zum Chirurgen, am besten zum Mikrochirurgen. Bei der Haartransplantation wird in einer aufwendigen Prozedur Haar gewissermaßen umverteilt. Männer profitieren von der Eigenart der Natur, dass Kopfhaar nicht gleich Kopfhaar ist. Am Haarkranz entlang des männlichen Hinterkopfes, der genau genommen noch zur Körperbehaarung zählt, besteht beim hormonell erblichen Haarausfall noch die ursprüngliche Haardichte. Das liegt daran, dass diese Haarwurzeln nicht auf das DHT empfindlich sind. Daher werden dort Haarfollikel, in denen die Haarwurzel eingebettet ist, entnommen und in die kahl gewordenen Stellen verpflanzt.

Zwei grundsätzliche Methoden

Moderne Methoden sollen ein möglichst schonendes Vorgehen und ein natürliches Endergebnis bringen. Bei der Follicular Unit Transplantation (FUT-Technik) werden die Haarfollikel mitsamt der umgebenden Haut entnommen, bei der Follicular Unit Extraction (FUE-Technik) als einzelne Follikel-Grüppchen. Bei Frauen bedarf die Entnahme der Spenderfollikel besonderer Aufmerksamkeit. Da der typisch männliche Haarkranz bei der Frau nicht vorkommt, müssen geeignete Follikel im gesamten Hinterkopfbereich ausfindig gemacht werden.

In der Regel genügen etwa 50 Prozent der ursprünglichen Haardichte für ein zufriedenstellendes optisches Resultat. Auch hier heißt es geduldig sein. Eine Behandlung dauert fünf bis sechs Stunden, je nach Ausmaß der Kahlheit sind mehrere Eingriffe nötig. Bis aus den eingepflanzten Follikeln neue Haare wachsen, kann es zirka drei Monate dauern. Da eine Haarverpflanzung viel Geschicklichkeit und Erfahrung erfordert, sollte man sich gut über die Anbieter informieren. Mit Kosten von mehreren tausend Euro muss man rechnen.

Klopp oder Willis?

Ikone der Haartransplantationswilligen ist Fußballtrainer Jürgen Klopp, der sich offen zur Neuerstehung seiner Haarpracht äußerte. Man(n) kann mit Haarausfall aber auch umgehen wie Kahlkopf Bruce Willis: den verbliebenen Haarkranz abrasieren und lässig zu seinem haarlosen Haupt stehen. Auch eine Form von Cool aging – mit Klasse und gelassen älter werden.

Hinweis: Dieser Artikel zu einem Gesundheitsthema gibt Information und Tipps, ersetzt aber keinesfalls Diagnose und Therapie durch den Arzt.

* Stand: Oktober 2017

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