Superfood super einfach super günstig super nah

Die WM, das war nix, aber diese Deutschen haben’s wirklich drauf: Lebensmittel aus heimischen Landen, regional, altbewährt und preisgünstig. Doch in den besten Jahren wollen wir ganz besonders wertvolle Ernährung*, um gesünder, vielleicht sogar ein bisschen langsamer zu altern. Da gibt es schließlich diese neu entdeckten Gesundheitsgeheimnisse aus aller Welt – Stichwort Superfood. Die gute Nachricht: Obst und Gemüse von der Scholle kickt in unserem Körper so gut wie die Exotenmannschaft. Und dribbelt sie oft aus.

Der Begriff Superfood hat sich in unser Verbraucherleben geschlichen, um außergewöhnlich nährstoffreiche gesundheitsfördernde Lebensmittel zu kennzeichnen. Als Superfutter hat Pflanzennahrung von ziemlich weit her in deutschen Regalen und Küchen Einzug gehalten: Samen, Pasten, Beeren oder Pulver mit Namen wie Chia, Acai, Goji, Moringa, Quinoa, Matcha. Die klingen nicht nur interessant, sondern sind es auch. Enthalten sie doch große Mengen Vitamine, Mineralien und sekundäre Pflanzenstoffe mit antioxidativer Wirkung. Antioxidantien sollen freie Radikale gefangen nehmen und unsere alternden Zellen schützen.

Der positive Gesundheitseffekt von Superfood ist zum Teil – meist durch Tests an Labortieren – belegt, der Glaube an exotische Wunderwirkung besorgt den Rest.

Alles super?

Auf den zweiten Blick findet man allerdings ein paar gewaltige Schönheitsfehler:

  • schwer einzuschätzende und bei Stichproben nachgewiesene Pestizid- und Schadstoffrisiken wegen unklarer Produktionsbedingungen
  • Stress für den Geldbeutel dank der gehobenen, im Vergleich zu einheimischen Produkten exorbitanten Preisstellung
  • einen ungünstigen CO2-Fußabdruck aufgrund der transkontinentalen Transportwege

Mit Vorsicht genießen ist hier wohl die richtige Redewendung. Zudem überschreitet im häuslichen Vorratsschrank manches Exotenpulver still und leise das Haltbarkeitsdatum, weil der oder die Gesundheitsbewusste es doch nicht recht in den eigenen Koch- und Essgewohnheiten unterbringen konnten.

Die Alternativen:

Dabei ist die Sache mit dem Superfood eigentlich super einfach. Schreiben Sie für Ihren Einkauf auf dem Markt oder im Laden ein paar altbacken anmutende Namen auf die Liste.

 

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Leinsamen versus Chiasamen

Kalzium unterstützt den Knochenaufbau, Ballaststoffe bewirken eine gute Verdauung und Omega-3-Säuren (auch im Leinöl) wirken entzündungshemmend und können Herz und Gefäße schützen. Linsen mit ihrem hohen Proteingehalt und Walnüsse oder Walnussöl mit ihrem hohen Omega-3-Gehalt sind ebenfalls Chia-Ersatz.

 

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Heidelbeeren versus Acaibeeren

Der sekundäre Pflanzenstoff und Farbgeber Anthocyan bindet freie Radikale, schützt Körperzellen vor oxidativem Stress, kann entzündungshemmend wirken und die Prozesse des Alterns positiv beeinflussen. Dafür dürfen außerdem Brombeeren, Holundersaft, Rotkohl und Kirschen auf den Einkaufszettel.

 

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Schwarze Johannisbeeren versus Gojibeeren

Ein Nährstoffcocktail aus extrem viel Vitamin C, A und P, Phosphor und Kalzium unterstützt das Immunsystem und kann vor entzündlichen Krankheiten schützen. Die schwarze Johannisbeere hat alles, was die Gojibeere hat, bei weniger Kalorien. Unsere Hagebutten sind ebenfalls Vitamin C-Bömbchen.

 

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Petersilie versus Moringapulver

Eine große Menge an Kalium, Kalzium und weiteren Mineralstoffen und Spurenelementen sowie beinahe alle Vitamine – und deren antioxidative Eigenschaften – können mit der Petersilie in frischer und gut verwertbarer Form aufgenommen werden. Auch die Vitamine aus Sauerampfer und Löwenzahn werten Salate und Smoothies „super“ auf. Feldsalat und Spinat sind ebenfalls gute Mineralienlieferanten.

 

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Hirse versus Quinoasamen

Die Hirsekörner enthalten viel Eisen und andere Mineralien und bieten – wie das ebenfalls nährstoffreiche südamerikanische „Pseudogetreide“ Quinoa – eine hochwertige Alternative zu glutenhaltigen Getreidesorten. Wie Quinoa ist Hirse daher eine gehaltvolle Abwechslung im Speiseplan, besonders geeignet für Menschen, die wenig oder kein Gluten vertragen. Im Gegensatz zu Quinoa gibt es Hirse auch aus einheimischem Anbau. Den hohen Eiweißgehalt von Quinoa können zusätzlich Linsen liefern.

Kräutertee versus Matchapulver

Hagebuttentee hilft dem Immunsystem und der Verdauung, Kamillentee wirkt entzündungshemmend und unterstützt den Stressabbau, die Inhaltsstoffe des Weißdorn- beziehungsweise Hagedorntees können Blutdruck und Herz guttun.

Immer rein damit

Es gibt viele Möglichkeiten, heimisches Superfood in den Speiseplan unterzubringen: Leinsamen ganz oder geschrotet als Zutat im Müsli, im Brotteig oder über den Brotaufstrich gestreut, ins Smoothie gemixt und als Öl im Salat. Heidelbeeren und Brombeeren pur, im Obstsalat, im Joghurt, im Saft oder Smoothie. Die sauer-herben schwarzen Johannisbeeren am besten als Zutat im Obstsalat, im Müsli, in der Smoothie-Mischung sowie zu Marmelade oder Fruchtsauce roh gerührt. (Beim Einkochen sinkt der Vitamin C-Gehalt.) Die vielseitige Hirse als Bratling, Risotto, Salatbasis etc.

Bio bitte

Einheimische, idealerweise regionale Produkte punkten im Gegensatz zu den stark verarbeiteten Superfood-Importen mit Frische und kurzen Wegen. Wer gesunde Lebensmittel will, kauft Bio, am besten mit dem Bioland-Siegel oder Demeter-Siegel.

Die Direktvergleiche zeigen, dass das importierte Superfood hierzulande regelrechte Wirkungs-Doppelgänger hat. Was nicht das ganze Jahr erhältlich ist, kann zum Beispiel durch Einfrieren haltbar gemacht und so in der Nicht-Saison verwendet werden. Es sei jedem unbenommen, dennoch auf sein Exotenmittel zu schwören, da bekanntlich auch Glaube und Vertrauen gesundheitsfördernd wirken können.

Doch jenseits von Trends, Glaubensfragen und Brimborium könnte man ohnehin zu dem Schluss kommen, dass der regelmäßige Genuss unterschiedlicher heimischer Obst- und Gemüsesorten ziemlich super ist. Und manchmal muss man es auch von außen gesagt kriegen. Der häufig unterschätzte Grünkohl wurde in den USA zum Superfood erklärt und beglückt uns hierzulande nun in Form von Produkten unter dem schicker klingenden Namen Kale.

 

*Dieser Text enthält Informationen über Gesundheitsthemen, ersetzt aber in keiner Weise die Beratung durch eine Ärztin oder einen Arzt.

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