Impfschutz komplett? Ältere nicht nur bei Corona Risikogruppe

Impfschutz ist für das Virus der Corona-Pandemie noch nicht möglich, und die ganze Welt wartet darauf. Andererseits sind Impfstoffe, die vor altbekannten Infektionskrankheiten schützen, längst da, werden aber oft nicht genutzt. Dabei gelten ältere Menschen nicht nur bei Covid-19 als Risikogruppe.

Die Abwehrkräfte des Körpers verlieren mit dem Älterwerden an Schlagkraft, weshalb Infektionskrankheiten oft schwerer verlaufen als bei Jüngeren. Anstecken kann man sich in jedem Alter, und Impfungen können auch das ältere Immunsystem trainieren, indem sie es mit den mikrobiellen „Gegnern“ bekannt machen. Abwehrbereit mit Vernichtungswaffen gegen die Angreifer: Nichts anderes macht Impfschutz.

Die (nicht nur) für über Sechzigjährige gefährlichsten Übeltäter hierzulande sind die Erreger, die folgende Krankheiten auslösen:

  • Virusgrippe (Influenza)
  • Bakterielle Lungenentzündung (Pneumokokken)
  • Diphtherie
  • Tetanus (Wundstarrkrampf)
  • Gürtelrose (Herpes Zoster)

Wer in bestimmten Zeckengebieten draußen unterwegs ist, profitiert außerdem vom Impfschutz gegen den Erreger der

  • FSME (Frühsommer-Meningoenzephalitis)

Darüber hinaus gibt es Impfschutz gegen Infektionskrankheiten, die bei uns nicht oder eher selten vorkommen, aber bei Reisen in bestimmte Länder ein Risiko darstellen können. Dazu gehören zum Beispiel Hepatitis A und Hepatitis B, Typhus, Gelbfieber, Bakterielle Hirnhautentzündung (Meningokokken), Japanische Enzephalitis, Tollwut und sogar Cholera. Vor Reisen ins Ausland kann man sich auf den entsprechenden Internetseiten des Robert-Koch-Instituts (RKI) informieren und sollte die Krankheitsrisiken mit der Ärztin oder dem Arzt besprechen. Ebenfalls vor bestimmten Reisen wird zur Auffrischung des Impfschutzes gegen Polio geraten, wogegen die meisten von uns dank der entsprechenden Impfpflicht grundimmunisiert wurden.

Virusgrippe (Influenza)

Die zu Anfang der Corona-Pandemie beliebte Behauptung, Covid-19 sei nur eine Art Grippe, sollte wohl beruhigend wirken. Hält man sich vor Augen, dass die Grippewelle 2017/2018 in Deutschland 25.000 Menschen das Leben gekostet hat, dürfte allerdings auch die Influenza Grund zur Beunruhigung geben.

Aufgrund der Mutationsfreudigkeit der Influenza-Viren wird alljährlich ein Impfstoff gegen inzwischen vier Virenstämme zur Verfügung gestellt. Ärzte beklagen seit jeher eine zu niedrige Impfrate und wünschen sich eine Herdenimmunität – ein Begriff, der den meisten erst seit Corona bekannt ist. Vielleicht hat sich das Bewusstsein für das lebensrettende Potential einer Impfung gegen die Virusgrippe mit der Corona-Pandemie erhöht.

Was kostet der Impfschutz gegen Influenza?

Die Impfung mit Vierfach-Impfstoff ist für über Sechzigjährige eine Kassenleistung.

Wann wird eine Auffrischung empfohlen?

Die Grippeimpfung erfolgt jährlich neu mit einem angepassten Impfstoff.

Ausführliche Informationen zur Grippeimpfung und die niedrige Impfrate lesen Sie hier.

Impfschutz
Symbolbild
Bakterielle Lungenentzündung (Pneumokokken)

Pneumokokken sind Bakterien, die insofern mit dem Sars-CoV-2 etwas gemeinsam haben, als sie von symptomfreien, nicht erkrankten Menschen durch Tröpfcheninfektion übertragen werden können. Pneumokokken können alle möglichen leichten bis schweren Erkrankungen auslösen, insbesondere die bakterielle Lungenentzündung bei älteren Menschen. Wenn der Ältere darüber hinaus an einer chronischen Krankheit der Lunge (zum Beispiel Asthma), des Herzens oder der Nieren sowie einem Diabetes leidet oder die Immunabwehr durch eine Transplantation oder Krebserkrankung medikamentös heruntergefahren wurde, ist mit einem schweren bis lebensgefährlichen Verlauf zu rechnen.

Bei schwerem Verlauf überlebt etwa jeder Zehnte die Pneumokokken-Infektion nicht. (Quelle: BZgA)

Pneumokokken sind Bakterien. Reicht es da nicht, im Krankheitsfall mit Antibiotika zu behandeln?

Die traurige Wahrheit ist, dass es immer mehr Resistenzen gegen die antibiotischen Medikamente gibt und die Behandlungen damit häufig fehlschlagen.

Die Pneumokokken-Impfung ist für die entsprechenden Risikogruppen also generell empfehlenswert. Während der Corona-Pandemie drängt sich außerdem die Frage auf:

Wenn es schon keine Impfung gegen Covid-19 gibt, sollte ich mich wenigstens gegen die Pneumokokken schützen?

Bei der Virusgrippe ist die Superinfektion mit Pneumokokken vor allem bei Älteren eine bekannte lebensbedrohliche Komplikation. Hinsichtlich des Sars-CoV-2 verweist das RKI zwar auf die noch unzureichende Datenlage, sagt aber: „Es ist … plausibel, dass die Pneumokokken-Impfung eine bakterielle Superinfektion durch Pneumokokken bei Patienten mit COVID-19 verhindern kann.“

Wann muss die Impfung wiederholt werden?

Der Impfschutz gegen Pneumokokken reicht fünf bis sechs Jahre.

Was kostet der Impfschutz?

Für über Sechzigjährige ist die Impfung gegen die bakterielle Lungenentzündung eine gesetzliche Kassenleistung.

Diphtherie und Tetanus

Da gegen Diphtherie und Tetanus beziehungsweise Wundstarrkrampf schon in der Kindheit geimpft wurde, geraten einem die beiden Krankheiten leicht aus dem Fokus. Wer es versäumt hat, die meist in Kombination verabreichte Impfung alle zehn Jahre auffrischen zu lassen, sollte schleunigst eine neue Grundimmunisierung machen lassen. Beide Krankheiten verlaufen ausgesprochen schwer und in vielen Fällen tödlich.

Diphtherie, früher unter anderem „Würger der Kinder“ genannt, kann auch bei Erwachsenen auftreten. Wie bei Corona können vom Rachen aus andere Organe befallen werden, was zu schweren Folgeschäden und sogar zum Tod führen kann. Obwohl hierzulande selten geworden, können Diphtherie-Erreger von Menschen aus dem Ausland eingeschleppt und durch Tröpfcheninfektion übertragen werden. Oder man infiziert sich auf Reisen.

Tetanus-Bakterien verbergen sich überall. Auch wer keinen Kontakt zu Tieren hat, ist gefährdet. Denn mit einer winzigen Wunde Straßenstaub oder Erde zu berühren oder sich an der dornigen Rose zu piksen genügt völlig, um sich zu infizieren. Bakterielle Gifte breiten sich im ganzen Körper aus und können schwere Krämpfe durch erstarrende Muskeln verursachen. Im Laufe der Behandlung können eine Amputation oder wochenlange Beatmung notwendig sein. Häufig ist der Patient nicht zu retten.

Derzeit wird die Diphterie-Tetanus-Impfung in Kombination mit dem Impfstoff gegen Keuchhusten (Pertussis) verabreicht. Keuchhusten verläuft bei Kindern schwerer als bei Erwachsenen, und im Gegensatz zu Masern besteht keine lebenslange Immunität. Um zum Beispiel kleine Enkelkinder vor einer Tröpfchen-Übertragung zu schützen, kann die Impfung auch für Ältere sinnvoll sein.

Wann erfolgt die Auffrischung?

Der Impfschutz gegen Keuchhusten hält wie der gegen Tetanus und Diphtherie zehn Jahre.

Was kostet der Impfschutz?

Die Kosten für die Diphtherie-Tetanus- beziehungsweise Diphtherie-Tetanus-Pertussis-Impfung werden von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen.

Gürtelrose (Herpes Zoster)

Herpes Zoster ist eine schmerzhafte Viruserkrankung mit Hautreaktionen und hohem Potential an schwer behandelbaren Folgeschäden. Wer als Kind die Windpocken hatte – also die meisten von uns –, hatte sich mit dem Varizella-Zoster-Virus infiziert und erfreut sich nach durchgemachter Krankheit eigentlich einer Immunität. Aber nicht alle und nicht für immer. Das Virus schlummert nämlich lebenslang in den Nervenzellen des Rückenmarks und kann zu neuen Schandtaten erwachen, wenn das Immunsystem schwächelt, zum Beispiel durch Stress oder durchs Älterwerden. Dementsprechend tritt die Gürtelrose bei Älteren häufiger auf als bei jungen Menschen.

Die gute Nachricht: Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt seit 2018 einen Tot-Impfstoff gegen Herpes Zoster für die Impfung ab 60 beziehungsweise ab 50, wenn der Arzt es für nötig hält.

Die Herpes-Zoster-Impfung wird im Vergleich zu anderen Impfungen noch nicht lange angeboten. Was weiß man über Nebenwirkungen?

Das RKI sagt dazu: „Lokalreaktionen (Schmerzen an der Injektionsstelle, Rötung und Schwellung) sowie systemische Reaktionen wie Fieber, Müdigkeit, Myalgie und Kopfschmerzen treten etwa bei jeder zehnten geimpften Person auf. Die Impfreaktionen sind jedoch nur von kurzer Dauer und halten ein bis zwei Tage an.“

Was kostet der Impfschutz?

Die Herpes-Zoster-Impfung ist bei medizinischer Indikation ab 50 und immer ab 60 eine Kassenleistung.

Wann wird die Auffrischung empfohlen?

Zur Dauer des Impfschutzes gegen Herpes Zoster sind noch keine Daten bekannt.

Es folgen einige sehr gute Argumente für den Impfschutz gegen den Herpes Zoster:

  • Die Krankheit führt zu einer Entzündung der Nerven und kann sich akut mit äußerst schmerzhaften Bläschen im Gesicht, in Taillennähe („Gürtel“) oder im Genitalbereich zeigen.
  • Die Behandlung muss unbedingt frühzeitig erfolgen und ist mit Virostatika und starken Schmerzmitteln möglich, kann aber Nebenwirkungen haben.
  • Komplikationen sind desto häufiger, je älter der oder die Erkrankte ist.
  • Oft sind das größte Problem nicht die Anfangsbeschwerden, sondern die Folgen. Besonders dramatisch ist die sogenannte Post-Zoster-Neuralgie. Nach der akuten Phase können schwerste Nervenschmerzen, zum Teil lebenslang und unbeeindruckt von Schmerzmitteln, zurückbleiben.
Wie ist das, wenn man keine Windpocken hatte? Kann man auch durch Ansteckung Herpes Zoster bekommen?

Die Bläschen auf der Haut eines an Gürtelrose Erkrankten sind hochinfektiös. Menschen, die die Windpocken hatten, sind dagegen immun. Doch alle, die noch keine Varizellen-Infektion durchgemacht haben und nicht dagegen geimpft sind, können sich bei Kontakt mit den Bläschen mit dem Virus anstecken und an Varizellen erkranken. Daher sollten die Bläschen bis zum Verkrusten sorgfältig abgedeckt werden. (Quelle: RKI)

FSME

FSME ist die Abkürzung für Frühsommer-Meningoenzephalitis, eine durch Viren ausgelöste Gehirn-, Gehirnhaut- oder Rückenmarkentzündung. Zum Glück wird dieses Virus nicht von Mensch zu Mensch übertragen, wohl aber von Zecken, die am menschlichen Körper zugebissen haben.

Impfschutz

Hat eine mit FSME infizierte Zecke zugestochen, bekommt circa jeder Dritte eine Art Grippe, circa jeder Zehnte aber einen zweiten Krankheitsschub, der mit Entzündungen von Gehirn und Rückenmark einhergehen und in sehr schweren Fällen zu Lähmungen, Koma und Tod führen kann. Das Virus wird unmittelbar nach dem Einstich übertragen. Behandelt werden können lediglich Symptome wie Fieber.

Die STIKO empfiehlt die FSME-Impfung Menschen, die sich als Einwohner, Berufstätige oder Urlauber draußen in FSME-Gebieten aufhalten. Gefahr durch Zecken droht übrigens nicht nur im Wald, sondern auch in Gärten und Parks. Welche Gebiete besonders betroffen sind, kann man in der vom RKI jährlich aktualisierten Liste erfahren.

Was kostet der Impfschutz?

Für bestimmte gefährdete Personen besteht eine Kassenleistung, doch Art und Umfang der Kostenübernahme durch die Krankenkassen sind uneinheitlich.

Wann erfolgt die Auffrischung?

Die Grundimmunisierung besteht aus drei Impfungen und wird am besten im Winter begonnen. Die Auffrischung wird nach circa drei Jahren empfohlen. Es ist auch ein sogenanntes Schnellschema für eiligen Schutz möglich, die Auffrischung muss dann früher erfolgen.

Allerdings sollte eine durchgeführte FSME-Impfung nicht zur Sorglosigkeit gegenüber Zecken verleiten. Die Tiere können auch die gefährliche Krankheit Borreliose übertragen, gegen die keine Impfung möglich ist. Also: In der Natur möglichst geschlossene Kleidung und feste Schuhe tragen und nach der Wanderung Körper und Kleidung nach den Viechern, die vor dem Blutsaugen ziemlich winzig sein können, absuchen.

Masern – Impfung für Ältere?

Die ansteckenden Krankheiten Masern, Mumps und Röteln haben viele heute ältere Menschen als Kind durchgemacht und besitzen eine lebenslange Immunität. Da nachfolgende Generationen weniger durchimmunisiert sind, gilt das neue Masernschutzgesetz, das seit dem 1. März 2020 in Kraft ist, für nach 1970 geborene Personen.

Eine Masern-Erkrankung kann bei einem Erwachsenen einen sehr schweren Verlauf nehmen. Wer nicht sicher ist, ob er gegen Masern immun ist (keine Erinnerung an eine Erkrankung, keine Dokumentation einer Impfung), kann dies testen lassen und die (bei Erwachsenen einmalige) Impfung in Erwägung ziehen, falls keine Antikörper nachgewiesen wurden. Dies gilt vor allem für Leute, die – sofern wieder möglich – fremde Kontinente bereisen. Die Impfung gegen Masern kann mit einem Kombinationsimpfstoff inklusive Mumps und Röteln (MMK) erfolgen.

Ja, aber …

Es ist nachvollziehbar, dass man sich ungern – wenn auch unschädlich gemachte – Erreger in den Körper spritzen lässt. Allerdings gelten Impfstoffe als die großen Errungenschaften der medizinischen Forschung, die Millionen von Leben retten. Komplikationen oder gar Schäden nach einer Impfung gelten inzwischen als sehr selten. Die vom RKI empfohlenen Impfstoffe werden kontinuierlich auf ihre Verträglichkeit überprüft und verbessert. Starke Nebenwirkungen sind meldepflichtig.

Falls eine Allergie gegen Hühnereiweiß bekannt ist, ist dies vor allem bei der Grippeimpfung relevant, aber kein Grund, auf den Impfschutz zu verzichten. Gegen die Influenza gibt es auch Impfstoffe, die nicht in Hühnereiern gezüchtet wurden.

Viele Geimpfte haben allerdings schon mal Impfreaktionen wie Schmerzen am Einstichbereich oder leichte grippeartige Symptome erlebt. Die klingen aber nach ein bis zwei Tagen wieder ab und können sogar als positiv betrachtet werden: Das Immunsystem hat reagiert.

Nicht ohne meinen Impfausweis

Puh, so viele Impfungen, Fakten und einzuhaltende Termine! Ordnung ins Durcheinander kann ein sorgfältig und vollständig ausgefüllter Impfausweis bringen. Nach Kategorien wird darin jeder Impftermin mit Arztstempel eingetragen. Man sollte dort auch unbedingt die Chargenbezeichnung des verwendeten Impfstoffs vermerken. Meistens gibt es dafür einen kleinen Aufkleber des Herstellers.

Übrigens: Der Impfausweis dient nicht nur dem eigenen Überblick, sondern auch als rechtliches Dokument. Eine nicht dokumentierte Impfung gilt als nicht durchgeführt. Nicht in allen Fällen kann der Arzt sich auf eine Blutuntersuchung oder gar auf die Erinnerung des Patienten verlassen. Daher wird die Impfung im Zweifel erneut gemacht.

Sollte eines Tages gegen Covid-19 geimpft werden können, dürfte die Bedeutung des Impfnachweises besonders nachvollziehbar werden.

Einen Impfausweis beziehungsweise Impfpass kann man beim Hausarzt erhalten.

Quellen: Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA), Deutsches Grünes Kreuz (DGK), Robert-Koch-Institut (RKI)

Dieser Artikel behandelt ein medizinisches Thema. Er dient nicht der Selbstdiagnose oder -behandlung und ersetzt in keiner Weise die Beratung durch die Ärztin oder den Arzt.

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