Kerzen: Vorsicht vor mehr Schein als Sein

KerzenIm Herbst und Winter kann man wieder frieren, sich erkälten, ausrutschen, Trübsal blasen oder auch – jetzt kommt die gute Nachricht – Kerzen anzünden. Man fragt sich dann, wie man den ganzen hellen Sommer lang ohne Kerzenschein ausgekommen ist, Windlichte auf Sommerpartys mal ausgenommen. In der dunklen Jahreszeit leuchten sie wieder und verschönern dabei romantische Stunden, gemütliche Runden, besinnliche Momente und den Teint. Und bei der Illumination mit Kerzen kann man echt nichts falsch machen. Oder? Die folgenden Informationen sollen etwas Licht ins Kerzendunkel bringen.

Woraus besteht eine Kerze? Da ist zunächst der Docht, der idealerweise asymmetrisch geflochten ist, um sauber abzubrennen, ohne dass er gekürzt werden muss. Umgeben ist der Docht von Wachs, wobei Wachs nicht gleich Wachs ist. Der mit Abstand größte Anteil aller industriell hergestellten Kerzen besteht aus dem Brennstoff Paraffin. Paraffin fällt bei der Verarbeitung von Erdöl ab, d. h. mit jeder Paraffinkerze und jedem Teelicht wird ein nicht nachwachsender Rohstoff abgefackelt.Kerzen

Ist eine Kerze aus dem wesentlich seltener verarbeiteten Brennstoff Stearin, merkt man das in der Regel nicht nur an der Kennzeichnung, sondern auch am Preis. Das teurere Stearin wird aus tierischen oder pflanzlichen Fetten gewonnen, zum Beispiel aus Palmöl, dessen großflächiger Anbau nach Brandrodung ebenfalls nicht unumstritten ist. Wer das nicht möchte, kann Bio-Kerzen kaufen, deren Stearin aus nachhaltigem Palmöl-Anbau stammt. Stearinkerzen haben einen höheren Schmelzpunkt, sind formstabiler, tropfen nicht und brennen länger. Höherwertigen Paraffinkerzen ist daher oft Stearin beigemischt.

Die „Natur-Kerze“ schlechthin ist die Kerze aus Bienenwachs. Die Kerze aus dem kostbaren, raren Rohstoff hat ihren Preis, findet aber nicht zuletzt dank ihres angenehmen natürlichen Dufts beim Abrennen zahlreiche Liebhaber. Ökologisch wertvoller ist es, sie bei Imkern aus der Region zu kaufen, da für Bienenwachskerzen, die im Einzelhandel angeboten werden, oft aus Asien und Afrika importiertes Bienenwachs verwendet wird.

KerzenWie wird eine Kerze hergestellt? Das Material, aus dem die Kerze besteht, bestimmt zum Teil deren Herstellungsweise. Bei der Massenherstellung von Paraffinkerzen kommt überwiegend das Pressverfahren zum Einsatz. Pulverisiertes Paraffin wird dabei unter hohem Druck zur Kerze gepresst. Stearinkerzen entstehen durch Gießen, d. h. das Material wird in eine Form gegossen, worin es erkaltet. Es gibt allerdings auch höherwertige Paraffinkerzen, die durch Gießen hergestellt wurden. Eine gegossene Kerze brennt in der Regel gleichmäßiger und sauberer ab. Beim Kauf kann man den Gewichtstest machen: Die gegossene Kerze ist bei gleicher Größe schwerer als die gepresste. Ein aufwändiges Verfahren ist das Kerzenziehen, wobei die Kerze aus vielen Schichten besteht, die durch mehrfaches Eintauchen in das flüssige Ausgangsmaterial gebildet werden. Bienenwachs-Kerzen werden meist aus den honigfarbenen Wachs-Platten, die aus der Bienenzucht stammen, gewickelt.

Achtung Schadstoffe

KerzenWas sollte man beim Abbrennen von Kerzen beachten? Kerzen können bei Herunterbrennen die Umgebung mit Schadstoffen belasten, vor allem wenn sie mit Lackschichten, Farben und Düften angereichert sind. Ob es dabei für die Atemwege brenzlig werden kann, hängt allerdings von der Konzentration und dem richtigen Umgang mit Kerzenlicht ab. Ein grandioses Kerzenmeer auf kleinstem Raum ist sicher keine gute Idee. Wer an Asthma oder Allergien leidet, sollte vor allem um Duftkerzen einen großen Bogen machen. Ein Luftverpester ist eine Kerze vor allem, wenn sie rußt. Je unvollständiger dabei das Wachs verbrannt wird, desto höher ist die Belastung durch schädlichen Feinstaub. Bei qualitativ schlechten Paraffinkerzen kann zudem Schwefeldioxid freiwerden.

Für den unbeschwerten Kerzengenuss empfiehlt es sich daher, folgende Hinweise zu beachten:

Für Kerzen gibt es das „RAL-Gütesiegel Kerzen“, mit dem sich Anbieter der Kerzenindustrie selbst auferlegen, einen bestimmten Standard an Schadstoffarmut und Brennqualität einzuhalten. Wer beim Kauf darauf achtet, verringert das Risiko, die blakende, tropfende Billigkerze ins Haus zu bringen.

Damit die Kerze gleichmäßig abbrennt ohne zu rußen, braucht der Verbrennungsprozess wenig Luftbewegung und genügend Sauerstoff:

  • Vor dem Anzünden von Kerzen den Raum gut lüften
  • Kerzen nicht der Zugluft aussetzen
  • Kerzen nicht zu dicht aufstellen
  • Breite Kerzen solange brennen lassen, bis der ganze Brennteller flüssig ist, damit keine Krater entstehen können
  • Rußt die Kerze, weil der Docht zu lang ist: Kerze löschen, Docht auf maximal 1,5 cm Länge kürzen
  • Einen zu hohen Kerzenrand vorsichtig mit dem Messer abschneiden, solange er noch warm ist

Kerzen

Auch das Löschen der Flamme kann man gesundheitsfreundlich gestalten:

  • Nicht auspusten, sondern mit einem Streichholz den Docht ins Wachs tauchen und wieder aufrichten oder die Flamme mit einem Löschhütchen ersticken
  • Den Raum anschließend gründlich lüften

Der heimelige schöne Schein entsteht durch eine offene Flamme, in der es 1400 Grad Celsius heiß werden kann. Wo Kerzen sind, kommt anschließend gerne mal die Feuerwehr. Daher soll zur Kerzenzeit noch Folgendes geraten sein:

  • Kerzen möglichst weit weg von allem, was brennbar ist, aufstellen
  • Brennende Kerzen nicht alleine lassen
  • Kinder und brennende Kerzen keinen einzigen noch so klitzekleinen Moment alleine lassen

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