Trickbetrüger: die Polizei dein Freund und Gauner

Sind sie nicht lieb, unsere betagten Mitmenschen? So zutraulich, unsicher und hilfsbereit. Darüber freuen sich besonders Trickbetrüger, die ältere Menschen um ihr Geld und ihren Seelenfrieden bringen. Die hochprofessionellen Methoden reichen vom angeblichen Verwandten in Not über vermeintliche Reparaturmaßnahmen bis zu schnödem Trickdiebstahl auf der Straße. Doch eine Masche ist besonders im Kommen. Als Polizisten getarnt erschleichen sich Trickbetrüger das Vertrauen der älteren Opfer, um an deren Ersparnisse  und Wertsachen zu kommen. Leider häufig erfolgreich. Leider oft existenzvernichtend.

Menschen im höheren Alter brauchen eine ausführliche Information über die zahlreichen kriminellen Methoden, damit sie einen Betrugsversuch rechtzeitig erkennen und richtig darauf reagieren können.

Trickbetrüger„Rate mal, wer da spricht!“

Der Klassiker des Betrugs übers Telefon ist der sogenannte Enkeltrick. Die bandenmäßig organisierten Täter kommen mit dieser dreisten Masche immer wieder zum Erfolg, da sie ihre die Opfer versiert und hochgradig unter Druck setzen. Im Jargon als Keiler bezeichnete Anrufer klingeln auf gut Glück bei Menschen an, die sie anhand altmodischer Vornamen wie Gerda, Hedwig, Heinrich oder Georg in Telefonverzeichnissen als ältere Semester ausgemacht haben. Mit der Frage „Rate mal, wer da spricht“ entlockt der Anrufer dem oder der Überrumpelten den Namen eines Verwandten oder Bekannten, als den sich der Betrüger dann ausgibt. In einem geschickt geführten Gespräch überzeugt der Trickbetrüger sein Opfer davon, dass er schnellstens Geld in einer Notsituation oder für einen einmalig günstigen Kauf benötigt. Leider ist der „Verwandte“ verhindert, das Geld persönlich abzuholen und schickt einen guten Freund, nämlich den Komplizen vor Ort.

Schockanruf mit Psychoterror

Eine noch größere Dringlichkeit täuschen die sogenannten Schockanrufer vor. Sie geben sich ebenfalls als Verwandter oder als dessen Anwalt aus. Die Story, mit der das Opfer schockiert wird, lautet meist ungefähr so: Der Verwandte habe im Ausland einen Unfall mit Verletzten verursacht und werde sofort verhaftet, wenn er nicht unverzüglich eine Zahlung für ärztliche Behandlung oder als Schmerzensgeld leistet. Die Geldübergabe wird oft als Überweisung auf ein ausländisches Konto gefordert.

Der Kommissar geht um

Während der Enkeltrick schon seit zwei Jahrzehnten funktioniert, breitet sich eine neue Masche drastisch aus: der Trickbetrug durch falsche Polizisten. Diese besonders perfide Methode ist für die Verbrecher lukrativ, da gerade hochaltrige Menschen einerseits der Polizei hohes Vertrauen schenken und den angeblich der eigenen Sicherheit dienenden Sachverhalt für plausibel halten.

Die Betrüger geben sich am Telefon als Polizeibeamte aus und warnen den älteren Menschen vor gehäuften Einbrüchen in der Gegend. Man habe am letzten Tatort eine Liste gefunden, auf der der oder die Angerufene als nächstes Einbruchsopfer verzeichnet ist. Es folgt die sehr bestimmte Aufforderung, alle Ersparnisse und Wertsachen in „polizeiliche Sicherheit“ zu bringen. Oder der falsche Kriminalbeamte behauptet, es sei Falschgeld im Umlauf und das Geld des Opfers müsse geprüft und registriert werden.

Was die Betroffenen zusätzlich täuscht, ist die im Telefondisplay erscheinende Nummer des kriminellen Anrufers. Diese wird häufig als eine Kombination mit dem Polizeiruf 110 angezeigt. Die Betrüger nutzen dabei die Möglichkeit, Anrufernummern technisch zu manipulieren.

Wenn die vermeintlichen Polizisten persönlich an der Tür erscheinen, um „gefährdetes“ Geld und Wertsachen abzuholen, kann es sein, dass sie ihren Auftritt mittels eines gefälschten Dienstausweises oder sogar einer vollständigen Uniform unterstreichen. Manchmal benutzen sie diese Scharade, um direkt in die vier Wände des Opfers zu gelangen und dort in Teamarbeit Geld und Schmuck abzuschwatzen oder schlicht zu stehlen.

Der Polizei-Trick funktioniert auch mit dem gesparten Geld auf der Bank, das dort angeblich nicht mehr sicher ist. Die Übergabe der Ersparnisse an den falschen Polizisten geschieht dann zum Teil direkt in oder vor dem Geldinstitut.

Trickbetrüger„Wir müssen an Ihre Leitung.“

Mit falschen Identitäten arbeiten auch angebliche Handwerker vom Wasserwerk, einer Elektrikfirma oder einem Telefonunternehmen. Sie klingeln in voller Arbeitsmontur, zum Teil mit Firmenlogo versehen, unangekündigt an der Tür und geben vor, im Auftrag der Hausverwaltung in der Wohnung Wartungs- oder Reparaturmaßnahmen durchführen müssen. Hier geht es darum, möglichst unauffällig Geld und Wertsachen zu finden und an sich zu bringen. Die Betrüger agieren entweder zu zweit, wobei einer den oder die Bewohner ablenkt. Einzeltäter schicken ihr Opfer in einen anderen Raum oder in den Keller, um etwas nachzusehen oder zu holen.

„Wir machen eine Umfrage.“

Einige Trickbetrüger spielen ihrem Opfer eine Umfrage zu den Anliegen und Problemen von Senioren vor, um sich längerfristig Zutritt zur Wohnung zu verschaffen. Vor allem einsame Betagte freuen sich über die Abwechslung und bewirten die freundlichen Herren und Damen „Interviewer“ möglicherweise gerade mit Kaffee, während sie von einem ihrer  Besucher, der angeblich gerade auf der Toilette ist, bestohlen werden.

„Sie haben gewonnen!“

Bei der Gewinnspiel-Masche werden ältere Menschen von Trickbetrügern angerufen, die ihnen hoch und heilig versichern, dass sie nicht nur bei einem Gewinnspiel mitgemacht, sondern sogar den Hauptgewinn ergattert hätten. Doch vor der Aushändigung muss der Glückliche noch einen bestimmten Betrag überweisen, zum Beispiel für die Überführung des Luxusautos. Oder der „Gewinner“ tritt tatsächlich eine angeblich gewonnene Reise an, bei der dann alle möglichen Kosten anfallen, die den eigentlichen Wert der Tour überschreiten.

„Können Sie mir bitte bitte helfen?“

Eine weitere Methode, in die vier Wände älterer Personen zu kommen, ist der Appell an ihre Hilfsbereitschaft. Die Täter klingeln und bitten unter diversen Vorwänden dringend um Einlass. Man gibt vor, ein Bekannter oder eine Bekannte des gerade nicht anwesenden Nachbarn zu sein, und wolle eine Nachricht schreiben. Oder die Betrüger haben ein Baby dabei und bitten um heißes Wasser für die Babyflasche und ähnliches.

Trickbetrüger„Können Sie wechseln?“

Ältere Menschen werden auch im öffentlichen Raum als potentielle Ziele der Trickbetrüger ausgespäht. Eine häufige Methode ist die Frage nach Wechselgeld, zum Beispiel an der Haltestelle. Versierte Trickdiebe geben vor, bei der Suche nach diesen kleinen schlecht zu erkennenden Münzen zu helfen, entwenden dabei das gesamte Papiergeld und verschwinden anschließend im Nichts. Ein anderer Klassiker ist der Stadtplan-Trick. Das Opfer soll dem Täter helfen, einen Ort auf der vor ihm ausgebreiteten Landkarte zu finden, während ihm dabei unbemerkt die Brief- oder Handtasche geklaut wird.

Die Maschen der Abzocker

Eine nahe Verwandte des Trickbetrugs ist die Abzocke von betagten Menschen.

Auch hier treten oft Handwerker auf, die ihrem Opfer dringende bar zu bezahlende Reparaturen an angeblich strafbaren Mängeln am Haus oder im Garten aufschwatzen. Die entsprechenden Arbeiten sind entweder nicht notwendig oder werden nur miserabel durchgeführt. Getoppt wird das Ganze von Komplizen, die einige Zeit später auftauchen und Geld verlangen, damit sie die davor in Anspruch genommene Schwarzarbeit nicht bei der Polizei anzeigen.

Ein trauriges Kapitel sind die sogenannten Kaffeefahrten. Die älteren Menschen freuen sich, zum Niedrigst- oder gar Nulltarif mal rauszukommen und in Gesellschaft zu sein. Mit allerlei Variationen von Nepp gelingt es den Veranstaltern dennoch, an viel Geld der Teilnehmer zu kommen. Die Fahrt geht zu einem Gasthaus oder Saal, wo den älteren Menschen unter hohem Druck – „nur hier, nur jetzt“ – unter Gruppenzwang und mithilfe mitreisender Scheinkäufer minderwertige Produkte angedreht werden. Das gesetzlich verankerte Widerspruchsrecht (innerhalb von 14 Tagen per Einschreiben mit Rückschein) wird im Anschluss an diese Kauforgien meist nicht in Anspruch genommen, da die Betroffenen überfordert sind oder die Verkäufer innerhalb der Widerspruchsfrist nicht ausfindig zu machen sind.

Dubiose Geschäftspraktiken werden auch häufig übers Telefon getätigt. Ältere Menschen können Opfer von unseriösen Vertragsabschlüssen wie zum Beispiel Zeitschriften-Abos werden. Da Vertragszusagen übers Telefon gültig sind, sollte man sich erst gar auf die Gespräche einlassen. Sicherheitshalber sollten die Angerufenen auch nicht der postalischen Zusendung von Informationsunterlagen zustimmen, da sich darin oft ein Vertragsabschluss versteckt.

TrickbetrügerUnbehelligt und unbestraft

In vielen Fällen müssen die Trickbetrüger nicht einmal eine Strafverfolgung befürchten, nachdem der Verlust vom Opfer bemerkt wurde. Wenn sie auf einen Trick hereingefallen sind, schämen sich viele der älteren Geschädigten so sehr, dass sie weder Anzeige erstatten noch sich einem anderen Menschen anvertrauen. Sie machen das Trauma ganz mit sich allein aus. Der psychische Schaden, der durch den Betrug angerichtet wurde, kann daher dem monetären in nichts nachstehen. Manchmal ist es auch die Angst, als dement oder unzurechnungsfähig ins Heim gebracht zu werden, die die Opfer schweigen lässt.

Die beste Vorbeugung davor, Opfer von Trickbetrug zu werden, erhalten ältere Menschen durch Information und Aufklärung über die zahlreichen Varianten von Betrugsdelikten und das typische Auftreten und Verhalten der Betrüger. Aber selbst dann sind besonders geschickte Betrugsversuche nicht immer zu durchschauen.

Die wichtigsten Warnsignale und Grundregeln für von Betrügern bedrohte ältere Menschen:

  • Seien Sie immer alarmiert, wenn jemand Geld von Ihnen will. Seien Sie noch alarmierter, wenn das Geldgesuch furchtbar dringend ist.
  • Lassen Sie keine fremden Menschen in Ihre vier Wände, zum Beispiel Leute, die Sie um einen Gefallen bitten, oder unangekündigte Handwerker.
  • Überprüfen Sie immer die Identität von Anrufern oder Besuchern. Halten Sie Rücksprache mit einer Vertrauensperson oder rufen Sie bei der Organisation an, die den Anrufer oder Besucher angeblich beauftragt hat: Hausverwaltung/Vermieter, Polizei, Umfrageinstitut oder Serviceunternehmen. Recherchieren Sie die entsprechende Nummer selber.
  • Scheuen Sie sich nicht, die (echte) Polizei zu rufen: 110.
  • Vereinbaren Sie eventuell ein Codewort mit Ihren Verwandten, womit sich diese bei tatsächlichen Notfällen als authentisch zu erkennen geben können.
  • Trauen Sie niemals dem äußeren Eindruck von Unbekannten, selbst wenn diese noch so seriös, vernünftig und amtswürdig daherkommen.
  • Lassen Sie sich nicht aus Freundlichkeit, Höflichkeit und Hilfsbereitschaft auf unklare Situationen ein. Trauen Sie sich Nein zu sagen.
  • Lassen Sie sich weder durch besonders freundliches Verhalten überreden noch von autoritären Drohungen einschüchtern.
  • Geben Sie niemals Auskunft über Ihre Familien- oder Vermögensverhältnisse und persönlichen Daten, wenn Sie nicht hundertprozentig sicher sind, dass Sie es mit entsprechend berechtigten Personen/Institutionen tun haben.
  • Nehmen Sie keine Angebote an, nach denen Sie nicht gefragt haben.
  • Seien Sie wachsam, wenn Angebote als umsonst, besonders günstig, einmalig und unter dem Zwang einer kaufenden Gruppe angepriesen werden.
  • Fragen Sie sich, warum gerade Sie um Hilfe gebeten werden.
  • Behalten Sie Ihre Brieftasche immer eng bei sich.
  • Lassen Sie an Ihrer Haustüre eine Kette oder einen Riegel für gesichertes Öffnen und einen Türspion anbringen.
  • Wenden Sie sich an die Polizei, wenn Sie Opfer eines Betrugsversuchs oder eines Betrugs geworden sind.

Ausführliche Informationen zum Thema Prävention von Betrug an älteren Menschen gibt es auch in der Broschüre „Rate mal, wer dran ist!“ (zum Herunterladen von der Internetseite  des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend) sowie auf der Internetseite polizei-beratung.de.

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